Werkschau zu Sue Williams in Wien  |  | in der Ausstellung „Sue Williams. What Now“ | |
Mit der Ausstellung „What Now“ widmet das Belvedere 21 in Wien derzeit Sue Williams eine umfassende Personale und würdigt damit eine Malerin, die zwei Jahre lang als Gastprofessorin an der Wiener Akademie der bildenden Künste lehrte. Die Kuratoren Luisa Ziaja und Katarina Lozo wollen einen neuen Blick auf das malerische Œuvre der 1954 in Chicago Heights geborenen Künstlerin geben. In der chronologischen Schau präsentieren sie insgesamt mehr als 100 Gemälde, Zeichnungen, Collagen und ausgewählte Skulpturen aus allen Schaffensphasen der Amerikanerin und spannen einen Bogen von den späten 1980er Jahren bis in die Gegenwart. Dabei geht es Williams um Themen wie Geschlechterverhältnis, Körperpolitik, Macht und Unterdrückung, womit sie ihr Schaffen für den feministischen Diskurs öffnet.
Sue Williams studierte in den 1970er Jahren am California Institute of the Arts und an der Cooper Union in New York. Ihre Arbeiten, die sie ab den 1980er Jahren ausstellte, verbinden Persönliches und gesellschaftlich brisante Themen und loten die Frage nach Figuration und Abstraktion aus. Williams nutzte die Leinwand als feministisches Medium zu einer Zeit, als die Malerei noch vorwiegend als patriarchales Gebiet galt, und beschäftigte sich in ihren frühen Arbeiten mit Szenen alltäglicher sexualisierter Gewalt. Damit wurde sie Anfang der 1990er Jahre international bekannt, was Ausstellungen in der Wiener Secession, im Metropolitan Museum of Art in New York, den Deichtorhallen in Hamburg oder dem Kunsthaus Zürich zur Folge hatte.
Laut Ziaija navigiert Williams humorvoll und unerbittlich entlang der Bruchlinien der Macht und erzählt von struktureller Gewalt und individuellem Trauma, Erinnerung und Resilienz. So verbindet sie in „Try to be more accommodating“ von 1991 und dem ein Jahr jüngeren „A funny thing happened“ brutale Szenen mit sarkastischen Texten zu Darstellungen von verstörender Eindeutigkeit, die zugleich die Mechanismen des Verschweigens und Bagatellisierens offenlegen. 1992 blickt sie in „The art world can suck my proverbial dick“ auf den patriarchalen Kunstbetrieb, seine lange tradierten Abhängigkeitsstrukturen und beständigen misogynen Diskurse. Mitte der 1990er Jahre modifiziert Sue Williams ihre Formensprache, indem Text und narrative Szenen zurücktreten und Figuren und Körperfragmente beginnen, sich auf oft monochromem Grund zu verselbstständigen.
Das Malerische selbst interessiert Williams, der Pinselstrich, die Wiederholungen und das Tempo werden wichtiger und bleiben auch später eine Konstante. Um die Jahrtausendwende dominiert die expressive Linie in intensiver Farbigkeit. Das scheinbar optisch Angenehme entpuppt sich als ambivalent. Ab den frühen 2000er Jahren reagieren Williams’ zunehmend detailreiche, ornamentale All-over-Kompositionen auf gesellschaftspolitische Ereignisse. In den 2010er Jahren verknüpft sie globale Krisen verstärkt mit persönlichen Verlusten und Traumata, etwa in dem ausdrucksstarken dynamischen Gemälde „Ministry of Hate“ von 2013, in dem sich Gebäudefragmente, bewegten Linien und Farbseen zu einem explosiven Gemisch treffen.
Die Ausstellung „Sue Williams. What Now“ läuft bis zum 7. Juni. Das Belvedere 21 hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beim Kauf eines Onlinetickets beträgt 9,30 Euro, vergünstigt 6,90 Euro und ist für Kinder und Jugendliche bis zum 19. Lebensjahr frei. Der begleitende Katalog aus dem Verlag der Buchhandlung Walther & Franz König ist ab April im Museumsshop für 34,90 Euro erhältlich.
Belvedere 21
Arsenalstraße 1
A-1030 Wien
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