Bundeskunsthalle präsentiert Peter Hujars Fotografien  |  | Peter Hujar, Gary Schneider Contortion (II), 1979 | |
In der Bundeskunsthalle in Bonn ist derzeit die Schau „Eyes Open in the Dark“ mit Werken von Peter Hujar zu sehen. Der 1934 geborene Fotograf widmete sich vorwiegend der Portraitfotografie, teils expliziten Darstellungen von Sexualität und Körperlichkeit wie auch Tier-, Landschafts- und Architekturmotiven. Hujar, eine zentrale Figur der queeren New Yorker Szene der 1970er und 1980er Jahre, lichtete seine Freund*innen, Liebhaber und Menschen seiner Umgebung mit Intimität und emotionaler Tiefe ab und erweist sich damit als empfindsamer Chronist einer Zeit der gesellschaftlichen Umwälzungen und sexuellen Veränderungen. Als er 1987 an einer AIDS-bedingten Lungenentzündung starb, waren seine Fotografien der breiteren Kunstwelt eher unbekannt. Heute zählt er zu den wichtigen Fotografen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Kuratoren Gary Schneider und John Douglas Millar fokussieren sich in der Schau auf das Werk seit 1970 und auf Hujars in seiner letzten Ausstellung unternommene Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Rasters.
Peter Hujar studierte Anfang der 1950er Jahre Fotografie an der School of Industrial Arts in Manhattan und arbeitete zunächst als Modefotograf. Zu Beginn der 1970er Jahre gab er die kommerzielle Fotografie auf und führte ein finanziell prekäres Leben mit gelegentlichen Ausstellungen. In seinen klassisch wirkenden Schwarz-Weiß-Fotos konzentriert er sich meist auf ein Einzelmotiv, das er in seiner „vollen Existenz durchdringen“ will, so Schneider und Millar. Damit steht Hujar im Gegensatz zu anderen fotografischen Strömungen seiner Zeit. Intim und zerbrechlich wirkt etwa sein Portrait „Larry Ree“, der sich gerade zu einer Dragqueen verwandelt. Die Haare sind für die Perücke bereits vorbereitet, Lippenstift und Make-up um die Augen mit großen Pailletten über den Brauen sitzen ebenso wie die dick aufgetragene Grundierung. Den Fixierpuder hält der Halbnackte und damit auch verletzlich wirkende Mann in der Linken, die runde Puderquaste balanciert er elegant in der überkreuz gelegten rechten Hand.
Sich selbst verewigte Peter Hujar auch gleich in mehreren Bildern. Eine Art moderne Faltenstudie aus Licht und Schatten findet sich im schlichten „Blanket Chair“, wo eine Wolldecke das zentrale und wärmende Sujet bildet. Hinzu kommen Bilder erotischer Natur und Akte, aber auch die Geschichte der Schwulenbefreiung und der AIDS-Krise thematisierte Hujar in seiner Kunst. Schließlich sind auch acht Aufnahmen des Hudson River und des East River, die für eine Kapelle entstanden, als poetische Erkundungen des Fließens zu sehen. Hujars interessierte sich bereits Ende der 1960er Jahre für das Raster in dessen relationalen Möglichkeiten. In seiner letzten Schau hängte er 1986 die Werke in einheitlichem Format als doppeltes Raster an drei Wänden des Galerieraums auf und lud damit zu assoziativen Sprüngen und fließenden Vergleichen ein. Hujars Verwendung dieser seriellen Struktur weckt Assoziationen zum Rastersystem von Manhattan mit seiner Wolkenkratzern oder dem gerasterten Sucher seiner Rolleiflex-Kamera.
Die Ausstellung „Peter Hujar. Eyes Open in the Dark“ läuft bis zum 23. August. Die Bundeskunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 8 Euro; für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre ist er frei. In der App des Hauses ist zudem das zehn Prozent günstigere Klima-Ticket als Anreiz zur klimafreundlichen Anreise zu erwerben. Zur Ausstellung ist ein Katalog zum Museumspreis für 22 Euro erschienen.
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