Rops’ Laboratorium der Lüste in Zürich  |  | Félicien Rops, La Tentation de saint Antoine, 1878 | |
Das Kunsthaus Zürich eröffnet in seiner neuen Ausstellung die dämonisch-erotische Bildwelt des Fin de Siècle-Künstlers Félicien Rops. Mit seinen Schöpfungen, in denen sich Sexualität, Tod und Leiden, Erotik und Pornografie, das Böse, Begierden, Lust und Gesellschaftskritik verbinden, stellte der „Meister der Provokation“ auf eine rebellische Art und Weise die damaligen Konventionen infrage, wurde als Enfant terrible, Bürgerschreck und „Giftigste Blüte des Symbolismus“ gehandelt und regt auch heutzutage noch Diskussionen über gesellschaftliche Rollenbilder, Moralvorstellungen und künstlerische Freiheit an. Dazu präsentiert das Kunsthaus Zürich rund 70 Werke des 1833 geborenen Belgiers, die den Kern seines Schaffens ausmachen, und konnte sich auf den Bestand der Königlichen Bibliothek Belgiens stützen, die etwa die Hälfte der Exponate zur Verfügung stellt, aber auch auf das Musée Félicien Rops in Namur oder das Musée d’Orsay in Paris.
Félicien Rops reizte die Grenzen der Kunst und seiner Mitmenschen aus. Er lehnte die Biederkeit und das gespielte Anstandsempfinden der damaligen Gesellschaft ab und versuchte mit seinen Werken, diese Doppelmoral offenzulegen. Rops’ Œuvre lebt vom Widerspruch: durch die Verbindung von Erotik und Grausamkeit erschloss er Nischen, in denen sich kreative Freiräume bilden konnten, die von der Zivilisation bislang noch nicht korrumpiert schienen. Im Mittelpunkt seiner Darstellungen steht die „Femme fatale“, die sowohl Anziehung als auch Schrecken auslöst. Damit war er ganz Kind seiner Zeit. Doch Kurator Jonas Beyer postuliert, dass Rops als Akt des Widerstands genau die Stereotypen reproduzierte, die er kritisieren wollte. So macht er auf seinem Blatt „La Révolution sociale“ von 1878 einen weiblichen Akt zur französischen Gerechtigkeitskämpferin und spielt bewusst mit den Geschlechterklischees seiner Epoche. In seinem zeitgleich entstandenen, düsteren Gemälde „Le Tentation de Saint Antoine“ greift Rops auf die Heiligenlegende und die christliche Bildtradition zurück, steigert sie aber ins Extrem: eine nackte Frau hängt als Eros am Kreuz und blickt lächelnd auf den erschrockenen Antonius hinab. Umrahmt wird sie von den ausgemergelten Figuren von Jesus und Satan, die mit einladenden Gesten Antonius ermuntern, sich der Frau zu nähern. Zusätzlich schweben skelettartige Engelchen im Himmel und verstreuen Blumen. Rops geht hier gezielt um die erotische Macht der Frau, die zwar Schönheit verkörpert, aber auch ins Verderben führt.
Rops, der sich durch sein Schaffen in Paris einen Platz als einer der bekanntesten und produktivsten Buchillustratoren seiner Zeit erarbeitete, entwickelte parallel diesen Strang seiner Kunst, den er bewusst weiten Gesellschaftsgruppen vorenthielt. Seine provokantesten Werke mit erotischen Motiven entstanden für private Sammler. Die Kontroverse rund um seine Kreationen machte Rops nichts aus: „Es ist wahr, dass der Künstler sich wenig darum kümmern sollte, ob etwas verstanden wird, mit Ausnahme vielleicht von einigen wenigen.“ Gefeiert wurden seine provokativen Abbildungen von bedeutenden Individuen wie den Schriftstellern Charles Baudelaire und Joris-Karl Huysmans. Heute gilt Rops neben Fernand Khnopff als zentraler Vertreter des belgischen Fin de Siècle.
Die Ausstellung „Félicien Rops. Laboratorium der Lüste“ läuft vom 6. März bis zum 31. Mai. Das Kunsthaus Zürich hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 24 Franken, ermäßigt 17 Franken. Für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren ist er kostenlos. Der Ausstellungskatalog aus dem Hirmer Verlag ist im Museumsshop für 44 Franken erhältlich.
Kunsthaus Zürich
Heimplatz 5
CH-8001 Zürich
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