Fourth Plinth-Skulptur von Katharina Fritsch neu im Museum Folkwang  |  | Bei der Übergabe von Katharina Fritschs Skulptur „Hahn und Podest“ im Museum Folkwang | |
Mit Unterstützung zahlreicher Förderer hat das Museum Folkwang in Essen die Skulptur „Hahn und Podest“ von Katharina Fritsch für einen einstelligen Millionenbetrag erworben und seine Sammlung damit um ein bedeutendes Werk aus dem 21. Jahrhundert erweitert. Am Samstagabend wurde der überdimensionierte, leuchtend blaue Hahn, der zu den bekanntesten Arbeiten der international renommierten Bildhauerin zählt, offiziell übergeben und ist seit gestern in den Museumsräumen für das Publikum zu sehen. „Mit ‚Hahn und Podest‘ ist es uns gelungen, ein Hauptwerk der Künstlerin und eine Ikone der Kunst des noch jungen 21. Jahrhunderts für die Folkwang-Sammlung zu erwerben“, betonte Museumsdirektor Peter Gorschlüter den Ankauf. „Damit setzen wir unsere Programmatik fort, international bedeutende Positionen der zeitgenössischen Kunst mit Schlüsselwerken in die Sammlung aufzunehmen. Das Werk von Katharina Fritsch hat mit seiner Genese, seiner einzigartigen Stellung in der zeitgenössischen Bildhauerei und mit seiner außergewöhnlichen Strahlkraft das Potential, ein neues Wahrzeichen im und für das Folkwang zu werden.“
Ursprünglich schuf Katharina Fritsch das Kunstwerk 2013 für das Fourth Plinth-Programm auf dem Trafalgar Square in London. Dort stand der riesige Hahn für ein Jahr lang karikierend den Repräsentationsdenkmälern von drei britischen Militärs und Herrschern aus dem 19. Jahrhundert gegenüber. In der 2019 für den Innenraum entwickelten Fassung erhebt sich das Tier auf einem hohen hellgrünen Podest. Zusammen erreichen Hahn und Sockel eine Höhe von nahezu vier Metern: Der 215 Zentimeter große Hahn aus handgeschliffenem Polyesterguss thront über dem Publikum und entfaltet eine ebenso stolze wie fragile Präsenz. Zum Charakter ihres Hahns merkt Katharina Fritsch humorvoll an: „Er muss sensibel und ein kleinwenig schwach aussehen. Er hat diese Federn, die wie ein Springbrunnen explodieren, und das hat etwas Freudiges und Stolzes; keine einfache Form, sehr kompliziert … und fast ein wenig barock.“
Die in 1956 Essen geborene Künstlerin arbeitet gerne mit maßstäblichen Verzerrungen und eröffnet damit neue Perspektiven auf scheinbar vertraute Alltagsdinge. Dabei spielt die monumentale Vergrößerung von Tieren in ihrem Schaffen eine zentrale Rolle. Die Skulptur „Hahn und Podest“ steht in einer Linie mit Schlüsselwerken wie „Elefant“ von 1987 oder „Rattenkönig“ von 1992 und zählt zu ihren wichtigsten Arbeiten in jüngerer Zeit. Für ihre Art von Kunst wurde Katharina Fritsch schon mehrfach geehrt, unter anderem 2002 mit dem Konrad-von-Soest-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, 2008 mit dem Piepenbrock Preis für Skulptur, 2022 mit dem Goldenen Löwen der Biennale in Venedig für ihr Lebenswerk und 2025 mit dem Goslarer Kaiserring. |