Bildhauer, Vegetarier und Hochadel: Paolo Troubetzkoy in Mailand  |  | in der Ausstellung „Paul Troubetzkoy. Lo scultore della Belle Époque“ | |
Die Galleria d’Arte Moderna in Mailand präsentiert derzeit die Ausstellung „Paul Troubetzkoy. Lo scultore della Belle Époque“ und widmet sich darin einem der prominentesten Bildhauer an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert. Die von Omar Cuccinello kuratierte Retrospektive vereint etwa 80 Exponate, darunter Skulpturen und Gemälde, und führt durch das Leben und Wirken des 1866 am Lago Maggiore geborenen Kosmopoliten. In Italien ausgebildet, wählte der Sohn eines russischen Diplomaten und einer amerikanischen Opernsängerin Paris zu seiner Heimat, avancierte hier zu einem der erfolgreichsten Portraitisten der Belle Époque und der höheren Gesellschaft sowie zu einer der führenden Figuren der internationalen Kunstszene, dessen Berühmtheit bis nach Russland und in die USA reichte. Seine wohl bekannteste Arbeit ist sein Reiterstandbild des Zaren Alexander III. in St. Petersburg.
Paolo Troubetzkoy war bekannt für seine Fähigkeit, das Wesen seines Gegenübers in seinen Bildwerken kongenial einzufangen. So verewigte er Adelige, Freunde und Intellektuelle, darunter den Schriftsteller Gabriele D’Annunzio, Mitglieder der amerikanischen Familien Rockefeller und Vanderbilt, den Tenor Enrico Caruso, den Komponisten Giacomo Puccini, den Maler Giovanni Segantini und seinen engen Künstlerfreund Joaquín Sorolla y Bastida. Der Autodidakt war stark von Auguste Rodin beeinflusst, was sich etwa in der für den Impressionismus unruhigen Oberfläche seiner Arbeiten zeigt. Paolo Troubetzkoy arbeitete ohne vorbereitende Studien; daher erzeugen seine Bronzearbeiten oft den Eindruck des Unmittelbaren. So wirken seine Skulpturen partiell skizziert, während er andere Teile intensiver und im Detail ausarbeitete. Hierzu zählt etwa seine Wiedergabe des Schriftstellers Leo Tolstoi, den er 1899 traf und stark von ihm beeindruckt war. So wurde Troubetzkoy auf Anraten Tolstois Vegetarier, zu der damaligen Zeit ein eher ungewöhnliches Ansinnen.
Indem der Bildhauer die Oberfläche seiner Skulpturen aus Marmor, Bronze oder Gips roh beließ und etwa auf das Polieren verzichtete oder die Modellierungsspuren nicht entfernte, fängt sich das Licht auf den Arbeiten und erzeugt Reflexe, Spiegelungen oder einen Kontrast aus matten und schimmernden Oberflächen. Neben seinen Büsten und Figuren sind auch Troubetzkoys Tierskulpturen, Tänzerinnen der Ballets Russes oder ein berittener Indianer auf einem Mustang in Mailand zu sehen. Die Auseinandersetzung mit Cowboys und Indianern entwickelte sich ab 1890, nachdem Troubetzkoy eine Vorstellung von Buffalo Bills bekanntem Zirkus in Mailand besucht hatte. Der Bildhauer selbst wurde 1908 von Ilja Repin malerisch auf der Leinwand verewigt.
Die Ausstellung „Paul Troubetzkoy. Lo scultore della Belle Époque“ läuft bis zum 28. Juni. Die Galleria d’Arte Moderna hat dienstags und mittwochs von 10 Uhr bis 17 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr und von Freitag bis Sonntag bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 16 Euro, ermäßigt 12 Euro.
Galleria d’Arte Moderna
Via Palestro 16
IT-20121 Mailand |