Hasselblad-Preis für Zanele Muholi  |  | Zanele Muholi erhält den Hasselblad Award 2026 | |
Zanele Muholi hat schon zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Nun kommt eine weitere dazu: Die Hasselblad Foundation in Göteborg verleiht Muholi heuer ihren renommierten Fotopreis, der mit 2 Millionen Schwedischen Kronen, rund 185.000 Euro, dotiert ist und als eine der wichtigsten Auszeichnungen auf dem Gebiet der Fotografie gilt. Die Südafrikanerin gelte als eine der einflussreichsten zeitgenössischen Fotografinnen, deren Wirkung weit über die Kunstwelt hinausreicht, führte die Jury aus und weiter: „Mit ihren Porträts würdigt sie die Präsenz, Vielfalt und Würde der schwarzen LGBTQIA+-Gemeinschaft in Südafrika und dem Rest der Welt. Geboren 1972 während des Apartheid-Regimes, ist sie sich der Kraft des Erzählens angesichts systematischer Gewalt sehr bewusst. Muholis Fotografien sind formal überzeugend und nutzen Komposition, Farbe, Graustufen und Beleuchtung, um eine virtuose Bildsprache zu schaffen, die sowohl Stärke als auch Verletzlichkeit ausstrahlt. Die Porträts stellen Personen mit direktem und würdevollem Blick in den Vordergrund, hinterfragen Vorurteile und Diskriminierung und kreieren gleichzeitig alternative visuelle Geschichten. Aktivismus und die Arbeit mit der Gemeinschaft sind ein wesentlicher Bestandteil ihrer Praxis. Dabei verbindet Muholi die politische Dringlichkeit mit einer formalen Meisterschaft, was sie zu einer zentralen Figur in der globalen queeren Bildkultur macht.“
Die aus Umlazi stammende Zanele Muholi stellt den Menschen ins Zentrum ihres Schaffens und verknüpft die einzelnen Portraits oft mit Berichten über den Alltag ihrer Akteur*innen. Dies ermöglicht den Dargestellten unterschiedlicher sexueller Präferenzen eine visuelle Selbst-Repräsentation von großer, mitunter bewusst herausfordernd wirkender Souveränität. Zanele Muholi erreicht diesen hohen Grad an Präsenz durch Geste, Mimik, Habitus und Posen, die sie oft dem klassischen Repertoire der Studiofotografie entlehnt. Der Verweis auf Zugehörigkeit zur Lesben- und Schwulenszene ergibt sich durch die Requisiten, Kleidung und Haltung, ohne jedoch das Subjekt als Opfer zu stilisieren. Muholi feiert vielmehr die Schönheit, den Stolz und die Würde schwarzer Menschen. Dabei versteht sie sich weniger als Künstlerin denn als „visuelle:r Aktivist:in“. So nimmt sie etwa auch Überlebende von Gewaltverbrechen in den Blick, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung misshandelt wurden.
Zur Verleihung des Hasselblad Award sagte Zanele Muholi: „Dieser Preis gehört nicht nur mir allein. Ich nehmen ihn zusammen mit den vielen Gesichtern, Namen und Schicksalen an, die mir ihre Geschichten anvertraut haben. Von Umlazi bis zu jedem Ort, an dem schwarze LGBTQIA+-Menschen weiterhin für ihr Recht auf ein Leben in Freiheit kämpfen, bestätigt diese Anerkennung, dass unsere Existenz es wert ist, gesehen zu werden – nicht als Statistik, nicht als Schatten, sondern als vollwertige Menschen. Seit Jahren geht es in meiner Arbeit um Sichtbarkeit und Widerstand. Es geht darum, ein Archiv zu schaffen, damit niemand sagen kann: ‚Wir haben es nicht gewusst.‘ Wenn mir diese Ehre zuteilwird, nehme ich sie im Namen meiner Gemeinschaft entgegen, im Namen derer, die ausgelöscht wurden, derer, die noch hier sind, und derer, die sich noch nicht in ihrer Würde ernstgenommen sehen.“ |