Pritzker Prize für Smiljan Radic Clarke  |  | Smiljan Radic Clarke darf sich über den Pritzker Prize 2026 freuen | |
Der Pritzker Prize, der Nobelpreis für Architektur, geht heuer an Smiljan Radic Clarke. Der Chilene darf sich nun über ein Preisgeld von 100.000 US-Dollar freuen. In der Begründung der Jury heißt es unter anderem: „Mit einem Werk, das sich an der Schnittstelle von Ungewissheit, materiellen Experimenten und kulturellen Traditionen vor Ort positioniert, zieht Smiljan Radic die Fragilität jedem ungerechtfertigten Anspruch auf Gewissheit vor. Seine Gebäude wirken provisorisch, instabil oder bewusst unvollendet, fast so, als stünden sie kurz vor dem Verschwinden, und bieten doch einen strukturierten, optimistischen und von stiller Freude geprägten schützenden Raum, der die Verletzlichkeit als einen wesentlichen Bestandteil der gelebten Erfahrung annimmt.“
Smiljan Radic Clarkes Bauten stehen vor allem in seinem Heimatland Chile, wo er 1965 in Santiago de Chile zur Welt kam und seit 1995 sein eigenes Architekturbüro führt. Aber auch mit einem temporären Pavillon für die Serpentine Galleries in London trat er 2014 hervor. Dort baute Radic Clarke eine offene, halbtransparente, ringartige Struktur, die auf großen Felsbrocken lagerte und wie ein überdimensionierter Donut wirkte. Noch ephemerer war der Ausstellungsraum „Guatero“, den er 2023 für die XXII. Chilenische Architekturbiennale schuf: Die weiche, geschwungene und instabile pneumatische Form, die wiederum an ein Kissen erinnerte, basierte mit ihrer silbrig glänzenden Stoffhaut auf dem Druck von Luft.
Mehr Festigkeit gewann Radic Clarke dem Quader des Teatro Regional del Biobío am Ufer des Flusses Bío Bío in Concepción ab. Dafür modulierte er eine halbtransparente gefaltete Gebäudehülle, die das Licht gekonnt bricht und nachts von innen heraus leuchtenden. Einen weiteren auf den Ort bezogenen Entwurf kreierte er 2006 für das Restaurant Mestizo in Santiago de Chile. Dort ließ er das Gebäude halb in den Boden ein, das auf diese Art und mit seiner offenen Struktur als Erweiterung der Landschaft erscheint, und stellte das weit auskragende Dach auf Steine aus einem nahegelegenen Steinbruch.
Bei der Casa Pite an der chilenischen Küste setzte Smiljan Radic Clarkes die Materialien Beton, Stein, Holz und Glas ebenfalls in bewusster Beziehung zueinander, bettete das Haus in das felsige Gelände ein und untersuchte die Beziehung zwischen Wohnen und Landschaft. Dicke Betonwände rahmen die Weite des Ozeans, niedrige Decken und schattige Schwellen führen zu offenen Plattformen, Tiefe und Proportionen der Räume mildern Wind, Licht und den Blick aufs Meer. Laut Jury demonstriere die Casa Pite Radic Clarkes Fähigkeit, Offenheit in Intimität zu verwandeln, wodurch die Architektur als Vermittler zwischen elementaren Kräften und menschlichem Maßstab fungiert. |