Düsseldorf präsentiert Hauptteil der Scharf Collection  |  | in der Ausstellung „Monet – Cézanne – Matisse. The Scharf Collection“ | |
Sie ist die große Unbekannte unter den prestigeträchtigen deutschen Privatsammlungen, die Scharf Collection. Unter dem etwas zu kurz gegriffenen Titel „Monet – Cézanne – Matisse“ zeigt das Museum Kunst Palast in Düsseldorf nun einen Großteil des weit über diese prominenten Namen hinausgehenden Bestands, der bislang eher nur ausschnitthaft durch singuläre Leihgaben ins Rampenlicht der Öffentlichkeit trat. Unter der Kuratorenschaft von Kathrin DuBois sind nun rund 180 Werke der über vier Generationen hinweg aufgebauten Sammlung vereint, die unter anderem in der Villa von René und Christiane Scharf in Oberstdorf hängen. Die Anfänge der Kollektion gehen zurück auf Otto Gerstenberg (1848-1935), seines Zeichens langjähriger Generaldirektor der Victoria-Versicherung in Berlin. Seine Tochter Margarethe ehelichte den Physiker Hans Georg Scharf und rettete die Kollektion größtenteils während des Zweiten Weltkrieges. Ihre Söhne Dieter und Walther führten die Sammlertätigkeit fort. Walther Scharfs Sohn René, der von 1984 bis 2003 für das Auktionshaus Christie’s und das Museum of Modern Art arbeitete und dann als Kunsthändler in New York tätig war, erweiterte die Sammlung um Werke der klassischen Moderne und der Gegenwart.
Die Victoria-Versicherung des Sammlungsgründers Otto Gerstenberg ist zwischenzeitlich in die Ergo-Gruppe aufgegangen, deren Hauptquartier direkt neben dem Museum Kunst Palast steht. Durch den engen Bezug zu Düsseldorf erklärt sich die dortige Ausstellungsstation, die mit einem von Max Liebermann gemalten Porträt Gerstensbergs beginnt. Diese einzige Leihgabe hängt normalerweise im Versicherungsquartier nebenan. Davon ausgehend entspannt sich ein chronologischer Parcours über elf Säle und zehn Kapitel hinweg, in den einzelne Künstlerräume eingeflochten sind. Stimmungsvolle Sujets von Gustave Courbet, Jean-Baptiste Camille Corot oder Eugène Delacroix stehen am Anfang und leiten in die Abkehr der Malerei von der naturgetreuen Nachahmung ein. Ein seltenes frühes Gemälde von Claude Monet zeigt noch die realistische Illustration eines Bauernhofes, bevor hochkarätige Arbeiten von Edgar Degas, Pierre-Auguste Renoir, Pierre Bonnard oder Paul Cézanne die Epochen des Impressionismus und Postimpressionismus vermitteln.
Gerstenbergs Hinwendung zur Kunst des damaligen Erzfeindes Frankreich mag ebenso überraschen wie zahlreiche Grafiken und Güsse von Honoré Daumier. Herausragender Korpus der Kollektion ist das nahezu vollständige grafische Werk von Henri de Toulouse-Lautrec, von dem in Petersburger Hängung die berühmten Werbeplakate oder die Mappe „Elles“ mit der Darstellung stiller Momente aus dem Alltag von Prostituierten ausgebreitet sind. Henri Matisse ist mit den Papierschnitten aus dem Künstlerbuch „Jazz“ präsent. Herausragende Gemälde von Fernand Léger leiten zu neuen Formen des Kubismus über, ergänzt um Werke von Pablo Picasso, Juan Gris oder Georges Braque. Nach dem Zweiten Weltkrieg öffnete sich die Sammlung damaligen französischen Positionen von Maurice Estève, Charles Lapicque oder Jean Bazaine. René und Christiane Scharf führen diese Tradition bis in die Gegenwart fort. Zu den neueren Erwerbungen gehören internationale Positionen, etwa von Robert Longo oder Sean Scully, aber auch solche der Berliner Kunstszene, wofür Jonas Burgert, Martin Eder oder Katharina Grosse mit ihren Arbeiten die Vielfalt der zeitgenössischen Malerei im Umgang mit Farbe und Form aufzeigen.
Die Ausstellung „Monet – Cézanne – Matisse. The Scharf Collection“ ist bis zum 9. August zu besichtigen. Das Museum Kunst Palast hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 16 Euro, ermäßigt 12 Euro; für Personen unter 18 Jahren ist er frei. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 39,90 Euro, im Buchhandel 48 Euro kostet.
Museum Kunst Palast
Ehrenhof 4-5
D-40479 Düsseldorf
Telefon: +49 (0)211 – 566 42 100 |