Erstmals „Ernst von Siemens Preis für Kunst und Handel“ vergeben  |  | Bei der Verleihung des „Ernst von Siemens Preises für Kunst und Handel“ | |
Ernst von Siemens Kunststiftung hat eine neue Auszeichnung aufgelegt, die das gelungene Zusammenwirken von Kunsthandel und Museen fördert, und ihn erstmals an das Städel Museum und Wolfgang Wittrock vergeben. Am vergangenen Freitag wurde dem Frankfurter Museum und dem ehemals in Düsseldorf und Berlin tätigen Kunsthändler auf der Kunstmesse TEFAF in Maastricht der mit 100.000 Euro dotierte „Ernst von Siemens Preis für Kunst und Handel“ überreicht. Er würdigt ihre „beispielhafte und vertrauensvolle Zusammenarbeit beim Ankauf von Max Beckmanns ‚Selbstbildnis mit Sektglas‘“, so die Jury. Gleichzeitig will die Stiftung auch an weitere bedeutende Museumsankäufe, wie Ernst Ludwig Kirchners „Potsdamer Platz“ für die Berliner Nationalgalerie, Beckmanns „Reise auf dem Fisch“ für die Staatsgalerie Stuttgart oder Pablo Picassos „Femme au violon“ für die Münchner Pinakothek der Moderne erinnern, die ebenfalls Wolfgang Wittrock vermittelte.
Vor dem Erwerb von Beckmanns Selbstbildnis aus dem Jahr 1919 hing das Gemälde seit 2011 als Leihgabe im Städel Museum. Direktor Philipp Demandt trat frühzeitig mit dem Wunsch an die Erben des Krefelder Sammlers Hermann Lange heran, das Bild fest in den Städel-Bestand zu übernehmen. Es sei dem Enthusiasmus und der behutsamen Vermittlung von Wolfgang Wittrock zu verdanken, dass nach intensiven Gesprächen die Eigentümer durch ein großzügiges Entgegenkommen den Weg für Anfragen an institutionelle und private Förderer ebneten. Schließlich konnte das Städel im Jahr 2020 Beckmanns „Selbstbildnis mit Sektglas“ durch die Unterstützung der damaligen Kulturstaatsministerin Monika Grütters, des Städelschen Museums-Vereins, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Kulturstiftung der Länder sowie fünf privater Mäzene ankaufen.
Die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Museen beim Ankauf oder der Restaurierung von Kunstwerken unterstützt, Ausstellungen fördert oder Publikationen finanziert, hebt mit der neuen Auszeichnung den Kunsthandel als wichtigen Partner von Museen hervor und zeichnet herausragende Kooperationen zwischen den Museen und dem Kunsthandel aus, bei denen es durch wissenschaftliche Forschung oder Mäzenatentum auf Seiten des Kunsthandels zur Identifikation, Erwerbung oder Rückführung bedeutender Kunstwerke in öffentliche Sammlungen kommt. Zugrunde liegt die Beobachtung, dass im Handel oft auch jene kunsthistorische Forschung geleistet wird, die heute im Museum aus Zeit-, Personal- oder Geldknappheit nicht mehr möglich ist. Dieser Preis möchte den Kunsthandel dazu animieren, mäzenatisch gegenüber Museen zu agieren und freigiebig Wissen und Informationen zu teilen, zeitaufwändige Untersuchungen zum Zustand oder Echtheit von Werken zu ermöglichen, tiefergehende Provenienzrecherchen zu unterstützen und Verständnis für die komplexen Finanzierungsfindungen aufzubringen. Die beiden Preisträger bringen das Preisgeld 2027 in ein geplantes Forschungs- und Ausstellungsprojekt des Städel Museums ein. |