Oscar Murillo, Monet und eine partizipative Malaktion in Potsdam  |  | in der Ausstellung „Oscar Murillo. Kollektive Osmose“ | |
In seiner aktuellen Schau „Kollektive Osmose“ im Minsk Kunsthaus in Potsdam stellt Oscar Murillo seine abstrakten Arbeiten in einen Dialog zum Œuvre Claude Monets und partizipativen Projekten des Publikums und eröffnet damit eine vielschichtige Meditation über Sichtbarkeit, Landschaft und die politischen Implikationen künstlerischen Tuns. Dazu präsentiert die von Anna Schneider, Daniel Milnes und Luisa Bachmann kuratierte Ausstellung Gemälde der Serien „Surge“, „Scarred Spirits“ und „Disrupted Frequencies“, in denen sich der 1986 geborene Kolumbianer unter anderem mit dem Leben, Werk und der Rezeption von Monet auseinandersetzt. Ein Augenleiden des Impressionisten führte dazu, dass er bis zu einer Operation immer mehr sein Augenlicht verlor, was Veränderungen in der Komposition und Farbgebung seiner Gemälde zur Folge hatte. Murillo erkennt in dieser Wahrnehmungsverschiebung Monets ein Sinnbild für die konditionierten und unvollständigen Sehweisen in unserer Gesellschaft, zugleich aber auch das Potenzial, neue Realitäten hervorzubringen.
Murillo erprobt in seiner Gemäldeserie „Surge“ diese Dunkelheit als Spekulationsraum für eine neue Lesart des Impressionismus und thematisiert damit die politische Dimension des Sehens und des Nicht-Sehens. Der im Ausstellungstitel verwendete Begriff der Osmose beschreibt, wie sich Wasserpartikel durch eine semipermeable Membran von einer weniger konzentrierten zur konzentrierteren Lösung bewegen, bis sich ein Gleichgewicht einstellt. Murillo nutzt dieses Konzept, um seiner Vision einer universellen menschlichen Gemeinschaft und Gleichheit Ausdruck zu verleihen. So erlaubt etwa die Ausstellung im Museum Durchlässigkeit und einen Austausch zwischen Innen und Außen, zwischen Museum und Stadtraum.
Nach Ansicht Murillos ist Kunst eine Form der Kommunikation, ein Hinterlassen von Spuren. Beim „Social Mapping“ lädt er daher Teilnehmende dazu ein, auf großen Leinwänden zu zeichnen. Diese Arbeiten werden an anderen Orten bei Ausstellungen als „Collective painting“ von Besucher*innen übermalt. Im Minsk sind Leinwände und dokumentarisches Material zu sehen, die bei diesen Prozessen entstanden. Ab dem 25. April beginnt die entsprechende partizipative Malaktion „Kollektive Osmose“ im Minsk. In einer ersten Zusammenarbeit mit dem Museum Barberini, das wie das Minsk zur Hasso Plattner Foundation gehört, zeigt Murillo dort sein neues Triptychon „Surge (social cataracts)“ in der Sammlung impressionistischer Malerei. Umgekehrt treten im Minsk drei Werke aus Monets Serien zum Londoner Parlamentsgebäude, zu den
Getreideschobern und zu den Seerosen in Giverny in einen Dialog mit Murillos „Frequencies“.
Die Ausstellung „Oscar Murillo. Kollektive Osmose“ läuft bis zum 9. August. Das Kunsthaus hat täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro; das Kombiticket mit dem Museum Barberini 20 Euro, ermäßigt 12 Euro. Der Katalog aus dem Prestel Verlag kostet 34 Euro.
Das Minsk – Kunsthaus in Potsdam
Max-Planck-Straße 17
D-14473 Potsdam
Telefon: +49 (0)331 – 23 60 14 699 |