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Der Mythos Étretat in Frankfurt

Claude Monet, Étretat. Die Felsnadel und das Felsentor von Aval, 1885

Die spektakulären Kreidefelsen von Étretat zogen seit dem frühen 19. Jahrhundert zahlreiche Künstler in ihren Bann und tun dies immer noch. Maler wie Eugène Delacroix, Henri Matisse, Jean-Baptiste Camille Corot, Gustave Caillebotte, Eugène Boudin oder Jean Francis Auburtin reisten in das einstige Fischerdorf in der Normandie, um das Wechselspiel von Licht, Meer und den markanten Felsformationen festzuhalten. Das Städel Museum in Frankfurt am Main widmet dieser Faszination nun die Ausstellung „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“. Rund 170 Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und historische Dokumente zeigen, wie unterschiedlich Künstler den Ort von detailreichen Naturstudien bis hin zu Monets flüchtigen Impressionen wahrnahmen und damit das Bild der Küstenstadt nachhaltig prägten.

Durch die Gegenüberstellung mehrerer künstlerischer Positionen von der Romantik bis zur zeitgenössischen Kunst, unter anderem vertreten durch die deutschen Künstler Johann Wilhelm Schirmer und Elger Esser, wird die anhaltende Begeisterung deutlich, die der Ort bis heute ausübt. Eugène Isabey war mit seinen Landschaftsaquarellen einer der Ersten, die Étretat künstlerisch dokumentierten. Johann Wilhelm Schirmer fokussierte sich in seinen Ölstudien hingegen besonders auf eine detaillierte Darstellung der Natur, worauf Elger Esser in seinen nostalgischen, menschenleeren Fotografien direkt Bezug nimmt. Eugène Modeste Edmond Le Poittevin thematisierte in seinem Panorama „Seebad in Étretat“ von 1866 dann den frühen Badetourismus und feierte mit seinen Gemälden im Pariser Salon große Erfolge, die den Küstenort vor allem beim städtischen Publikum beliebter werden ließen.

Von besonderer Bedeutung sind die berühmten Wellenbilder Gustave Courbets, denen ein eigener Raum innerhalb der Ausstellung gewidmet ist. Ausgangspunkt für seine 20 Werke war ein Sturm, den der Maler 1869 an der Küste beobachtete. Bei den Naturdarstellungen der Klippen und der rauen Wellen nutzte Courbet ein Palettmesser, um die Farbe aufzutragen, was eine unebene raue Oberfläche erzeugte und die damaligen Regeln der akademischen Malerei brach. Auch Claude Monet war von der französischen Küste angetan und schuf rund 80 Gemälde, mehrere Pastelle und eine Reihe von Zeichnungen während seiner Zeit in Étretat. Um sich von den anderen Künstlern abzuheben, fokussierte er sich beim Malen im Freien auf die unmittelbare Wiedergabe seiner Eindrücke der Natur. Hierbei arbeitete er an mehreren Gemälden gleichzeitig, um unterschiedliche Wetter- und Lichteffekte festzuhalten. Seine Schaffensphase in Étretat sollte entscheidend für die Kunstwelt sein: er entwickelte nicht nur seine serielle Arbeitstechnik, sondern auch seine rhythmischen Pinselstriche und die feine Abstimmung der Farbwerte auf der Leinwand, die exemplarisch für den Impressionismus stehen. Die Kuratoren Alexander Eiling und Eva Mongi-Vollmer präsentieren in Frankfurt allein 24 Werke von Monets Auseinandersetzung mit Étretat.

Die Ausstellung „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“ läuft vom 19. März bis zum 5. Juli. Das Städel Museum hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 19 Euro, ermäßigt 17 Euro; Kinder unter zwölf Jahren erhalten kostenlosen Zugang. Zur Ausstellung erscheinen sowohl ein Begleitheft für 9,50 Euro, als auch ein Katalog zum Museumspreis von 44,90 Euro.

Städel Museum
Schaumainkai 63
D-60596 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69 – 60 50 980


19.03.2026

Quelle: Kunstmarkt.com/Lara Schauer

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