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Das flanierende Paar / Max Stern

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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Neumeister offeriert in seiner kommenden Versteigerung wieder den bewährten Querschnitt durch Kunst und Antiquitäten vom Mittelalter bis zur Gegenwart, hat diesmal aber gerade bei den Skulpturen viele und außergewöhnliche Stücke zu bieten

Heilsbotschaft kompakt



Anton Hiller,  Torso, 1970

Anton Hiller, Torso, 1970

Wie sieht die Kunst von Anton Hiller aus? Wer sich damit beschäftigen will, kann sich jetzt ins Auktionshaus Neumeister nach München aufmachen. Dort kommen aus dem Nachlass des Bildhauers fast 100 Skulpturen und Papierarbeiten zum Aufruf, die einen aufschlussreichen Überblick über sein Schaffens geben. Das Leben des 1893 in München geborenen Künstlers durchmaß fast ein Jahrhundert. Entsprechend begann seine Karriere in der Weimarer Republik, überstand die Zeit des Nationalsozialismus als Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste und setzte sich in der jungen Bundesrepublik ab 1946 als Professor für Bildhauerei an der Akademie für Bildende Künste München fort. Nach dem Besuch der Städtischen Bildhauerschule in München hatte Hiller 1913 dort sein Studium bei Hermann Hahn begonnen, der die neoklassizistische Tradition Adolf von Hildebrands weit ins 20. Jahrhundert trug. Unterbrochen durch Kriegsdienst, konnte Hiller sein Studium an der Münchner Akademie allerdings erst 1923 abschließen. In dieses Jahr datiert seine formbewusste Aktfigur „Die Sitzende“, die noch von den Ideen seines Lehrers gekennzeichnet ist. Die Gipsfigur in einem verinnerlichten melancholischen Habitus soll 3.000 bis 4.000 Euro einspielen.


Am anderen Ende der langen künstlerischen Entwicklung von Anton Hiller, der mit Toni Stadler und Heinrich Kirchner zu den wichtigsten Vertreter der Münchner Bildhauerschule in der Nachkriegsepoche zählt, steht etwa seine goldene Bronzeskulptur „Der Wächter“, den er 1973 auf drei übereinander gestaffelte geometrische Formen reduziert hat. Dennoch bleibt die menschliche Gestalt erkennbar, die Dreh- und Angelpunkt in Hillers Kunst ist. Dient sie in den frühen Arbeiten noch mehr Ausdrucksträger, etwa bei seiner elegischen Terrakottaschöpfung der „Daphne“ um 1924 (Taxe 500 bis 600 EUR) oder der rotbraun getönten, ins sich versunkenen Zementfigur „Weiblicher Torso“ von 1929 (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR), wird sie im Laufe seines Schaffens immer mehr zum Auslöser für Gestaltungsfragen der Abstraktion, was etwa in seiner „Sitzenden“ von 1964/66, bei der Hiller die Arme, Beine und Brüste nur noch rudimentär an den Rumpfquader appliziert hat (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR), oder der „Formkomposition“ von 1966 sinnfällig wird, in der sich das Vorbild des weiblichen Körpers noch ausmachen lässt, durch den Brüstekranz aber auch vegetabile Erinnerungen wach werden (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR).

Dazwischen tummeln sich etwa noch eine füllige „Weibliche Figur mit erhobenem Arm“ von 1930 (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR), ein aufgerichteter „Adam“ mit Zeigegestus um 1944 (Taxe 800 bis 1.200 EUR), das schon weiter stilisierte „Mädchen mit Blume“ von 1947 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) oder ein ruhiger „Reiter“ von 1951 (Taxe 200 bis 300 EUR). Einen bronzenen „Orpheus“ mit Harfe hat Anton Hiller 1958 dann schon recht blockhaft ausformuliert (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR) und trägt die Idee bis zu seiner „Blockfigur“ von 1973 weiter, die er aus drei hölzernen, versetzt aufeinander gestellten Quadern gebildet hat (Taxe 800 bis 1.200 EUR). Die ein Jahr ältere schlanke „Statuette“ lässt dagegen an eine aufgeschnittene Orgelpfeife denken (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Während eine „Halbfigur“ von 1965 noch erkennbar weiblich konnotiert ist (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR), ist dies bei seiner „Frauenfigur“ von 1972 (Taxe 1.800 bis 2.500 EUR) und bei dem „Torso“ von 1970 nicht mehr ersichtlich (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Auch bei den Arbeiten auf Papier zeigt sich Hillers zunehmende Tendenz zur Ungegenständlichkeit, angefangen bei zwei Rückenaktzeichnungen und dem Aquarell seiner Frau aus Studienzeiten (Taxe 500 bis 700 EUR) über immer kompakter und massiger werdende Pferde- und Köperstudien aus den 1960er Jahren (Taxen bis 1.200 EUR) bis zu zwei freien, dicht mit Bleistift schraffierten Formfindungen aus den 1970er Jahren (Taxe je 700 bis 900 EUR).

Über den Hiller-Nachlass hinaus ist die Auktion bei Neumeister mit bildhauerischen Arbeiten gut bestückt. Aus der Gotik gibt es etwa eine rheinische „Maria mit Kind“ um 1420/30 in elegantem s-förmigem Schwung, die den nackten Jesusknaben auf ihrem linken Arm hält und ihm mit der rechten Hand eine Weintraube reicht (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Der in Konstanz tätige Heinrich Yselin wird für eine versunken betende heilige Jungfrau ohne konkrete Attribute (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR) und zusammen mit seiner Werkstatt für eine Geburt Christi mit der knienden Gottesmutter und dem Esel um 1490/50 verantwortlich gemacht (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Schon deutlichere Renaissanceanklänge zeichnen einen auf einer Bank sitzenden heiligen Johannes den Täufer des Münchner Meisters von Rabenden um 1515/20 aus, der mit seiner Hand auf das Lamm deutet (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Sogar Veit Stoß ist mit von der Partie, stellt die virtuos geschnitzte Kleinplastik eines Gekreuzigten um 1520/30 zur Verfügung und bringt mit halbgeschlossenen Augen, auf die Brust gesenktem Kopf und spannungsvoll überstreckten Gliedmaßen die Leiden Christi expressiv zum Ausdruck (Taxe 16.000 bis 20.000 EUR).

Recht ungewöhnlich ist eine Darstellung der Trinität, die Neumeister der im Oberschwäbischen tätigen Bildhauerfamilie Hegenauer, wohl Felizian Hegenauer oder seinem Sohn Johann Wilhelm Hegenauer, zuweist: Jesus am Kreuz wird von seinem Vater an den Handgelenken gehalten und liebevoll in Empfang genommen, während unter ihm die Geistestaube schwebt; über der Schädelstätte windet sich am Kreuzesstamm die Schlange, die aber schon von einer kleinen Gottesmutter besiegt scheint. In dieser aus dem mittelalterlichen Gnadenstuhl entwickelten Ikonografie kulminiert die christliche Heilsbotschaft: Erbsünde und Tod sind durch die gläubige Zustimmung Marias im Zeichen der Dreifaltigkeit überwunden (Taxe 5.500 bis 7.000 EUR). Die weltliche Macht repräsentiert dann eine prunkvolle Reliefplatte, die wahrscheinlich in Frankreich am Ende 17. Jahrhunderts aus Elfenbein geschnitzt wurde. Denn im Zentrum reitet Ludwig XIV. auf seinem Ross und ist von vier Szenen aus seinem Leben in reicher ornamentaler Rahmung umgeben. Es könnte sich aber auch um ein historistisches Artefakt vom Ende des 19. Jahrhunderts handeln (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).

Skulptural bleibt es im frühen 19. Jahrhundert mit der spätklassizistischen Marmorskulptur „Mädchen in nachdenklicher Pose“ von Heinrich Berges aus dem Jahr 1833, die mit reduzierter Schätzung von 7.000 bis 9.000 Euro erneut bei Neumeister antritt, aber auch mit einer Uhr. Denn der berühmte Bronzier Pierre François Feuchère griff bei seiner Empire-Pendule „Psyche, die Amor krönt“ 1819 auf Modelle von Claude Michallon zurück und rahmte mit den beiden zärtlich einander zugewandten mythologischen Wesen das runde Uhrwerk in einem Marmorsockel (Taxe 9.500 bis 12.000 EUR). Tierisch wird es mit Joseph Wackerle und seinen Majolikakreationen des „Papageis mit Kirschzweig“ auf einem Früchtekorb (Taxe 4.000 bis 4.500 EUR) und des „Haubenkakadus mit Blumenkorb“ (Taxe 2.000 bis 2.200 EUR), die der Münchner Bildhauer um 1910 unter anderem für die Brüsseler Weltausstellung entwarf und im Weinrestaurant des Deutschen Hauses präsentierte. Ein Jahr später gingen die exotischen Vögel in einer etwas kleineren Fassung bei Nymphenburg in den allgemeinen Verkauf. Bei der Chryselphantine-Figur einer exaltierten Tänzerin in langem, perlenbesetztem Kleid und passender Kappe unter dem Titel „Shimmer“ spricht vieles für den Art Déco-Bildhauer Demetre Chiparus. Ganz gesichert ist das nicht, weswegen nur 3.000 bis 4.000 Euro auf dem Preisschild stehen. Als jüngerer Kollege Anton Hillers tritt dann noch Fritz Koenig mit seiner berühmten Kugelkaryatide vor dem ehemaligen World Trade Center aus New York von 1968 in Erscheinung. Die bei Neumeister erhältliche, mit zehn Zentimetern Höhe handliche Version ist einer von nur sechs Güssen in Silber und soll 12.000 bis 15.000 Euro erwirtschaften.

Die Auktion beginnt am 25. März um 15 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum 23. März möglich. Der Internetkatalog listet alle Objekte unter www.neumeister.com.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



23.03.2026

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Heinrich Yselin, Heilige Jungfrau, um 1490/1500
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Joseph Wackerle, Papagei mit Kirschzweig, um 1909
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Felizian Hegenauer oder Johann Wilhelm Hegenauer, Kruzifix mit Darstellung der
 Trinität, Mitte 18. Jahrhundert
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Anton
 Hiller, Torso, 1970
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Anton Hiller, Figur, freie Komposition

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Anton Hiller, Drei Körperstudien, 1965

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Taxe: 30.000 - 35.000 

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Taxe: 8.000 - 12.000 

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Felizian Hegenauer, Felizian Hegenauer oder Johann Wilhelm Hegenauer, Kruzifix mit Darstellung der Trinität, Mitte 18. Jahrhundert

Felizian Hegenauer, Felizian Hegenauer oder Johann Wilhelm Hegenauer, Kruzifix mit Darstellung der Trinität, Mitte 18. Jahrhundert

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Anton Hiller, Die Sitzende, 1923

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Anton Hiller, Jüngling, 1958/60

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Anton Hiller, Mädchen mit Blume, 1947

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Fritz Koenig, Kugelkaryatide N. Y., 1968

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