Zandvliets Naturabstraktionen in der Kunsthalle Darmstadt  |  | Robert Zandvliet, Paradaidha: Pons, 2023 | |
Mit einer neuen Serie von Farbfeldmalereien bespielt Robert Zandvliet ab diesem Wochenende die Kunsthalle Darmstadt. Für die Schau „Paradaidha“ haben der 1970 geborene Niederländer und Kunsthallen-Direktor León Krempel Werke ausgewählt, in denen der Themenkreis Landschaft, Natur und Garten im Mittelpunkt steht. „Paradaidha“ leitet sich aus dem Altpersischen für „umhegen“ und „ummauern“ ab und bezeichnete die formalen persischen Gartenanlagen des Mittelalters mit Wasserläufen, Bäumen und Mauern, die als Symbol für Harmonie und Schöpfung galten. Auch das Wort „Paradies“ hat hier seinen Ursprung. In der Ausstellung treten die neun großformatigen Bilder der neuen Werkreihe mit früheren Gemälden und Monotypien Zandvliets, etwa der hellen kleinteiligen Punkte- und Stricheabstraktion „Lavender Mist“ aus dem Jahr 2010, in einen Dialog, sodass „Paradaidha“ den Facettenreichtum eines über lange Zeit gewachsenen Themenstrangs zeigt.
Für die Darmstädter Schau hat Robert Zandvliet im vergangenen Jahr das über sechs Meter breite Gemälde „Ager“ geschaffen, in dem er wiederum die Grenze zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion auslotet und die Erinnerung an ein wogendes Feld von Grasbüscheln evoziert. Laut Krempel erfahre ein dicht vor dem Gemälde stehender Betrachter seine Wirkung nachgerade körperlich, als bewege er sich, einem kräftigen Wind ausgesetzt, über einen Grasacker. Diese Empfindung wird aber gestört, denn Zandvliet verzichtet fast vollständig auf naturalistische Details. Der Maßstab bildet nur die Breite des von ihm verwendeten Quastes ab. Den Topos des Verlorenen Paradieses greift Zandvliet nicht auf; doch suggeriert sein Hochformat „Porta“ von 2022, vor einem verschlossenen Gatter zu stehen und nicht in den Garten Eden zu kommen. Erst aus der Nähe öffnet sich das Bild, indem es Strukturen und Stellen unbemalt belassener Leinwand erkennen lässt. Somit weicht die Illusion der Faktizität des Farbauftrags.
Die Ausstellung „Robert Zandvliet. Paradaidha“ läuft vom 29. März bis zum 30. August. Die Kunsthalle Darmstadt hat mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6 Euro. Die umfangreiche Publikation „Monolith“ aus dem Verlag Jap Sam Books, die die Ausstellung begleitet, kostet 55 Euro.
Kunsthalle Darmstadt
Steubenplatz 1
D-64293 Darmstadt
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