Erste europäische Truitt-Retrospektive in Düsseldorf  |  | in der Ausstellung „Anne Truitt. Pionierin der Minimal Art“ | |
Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen richtet Anne Truitt derzeit die erste umfassende Einzelausstellung in Europa aus. Dafür hat Kuratorin Vivien Trommer 120 Exponate der US-Amerikanerin aus den Jahren 1961 bis 2004 in K20 am Düsseldorfer Grabbeplatz zusammengetragen und will mit ihnen aufzeigen, wie die 1921 in Baltimore geborene Künstlerin innerhalb ihres männlich geprägten Umfelds Skulptur neu dachte. Obwohl Truitt zeitlebens in den USA kunstkritische und institutionelle Anerkennung erfuhr, ist sie bis heute in Europa weniger bekannt als ihre männlichen Kollegen der Minimal Art. Die Düsseldorfer Retrospektive will Truitts Position als eine Pionierin der Strömung herausarbeiten und erlaubt eine Neubewertung aus der Perspektive der Künstlerin, die der Minimal Art mit dem Einsatz von Farbe eine poetische, persönliche und sinnlich erfahrbare Seite verlieh, die ihr Schaffen von dem ihrer männlichen Kollegen unterscheidet.
Nach einem Psychologiestudium und ersten beruflichen Schritten als Krankenschwester und wissenschaftliche Assistentin in der psychiatrischen Forschungsabteilung des Massachusetts General Hospital studierte Anne Truitt zwischen 1944 und 1951 Aktzeichnen und Bildhauerei an unterschiedlichen Orten der USA bei Franz Denghausen, Alexander Giampietro, Octavio Medellín und Peter Lipman-Wulf. Ihre erste Personale fand 1963 in der legendären André Emmerich Gallery in New York statt. Als sich die Minimal Art gerade herausbildete, schockierte Truitt das Publikum damals mit klaren Formen, seriellen Objekten und industriell produzierten Materialien. Die Schau polarisierte die Kunstwelt: Truitt war die erste Künstlerin, die das Wandbild als freistehende Skulptur im Raum platzierte. „Was ich eigentlich versuchte, war, Bilder von der Wand zu nehmen, Farbe um ihrer selbst willen in drei Dimensionen zu entgrenzen“, sagte Truitt rückblickend im Jahr 1974. Mit dem Einsatz von Farbe und Form als Bedeutungsträger für ihre Erfahrungen und Gefühle verzichtete sie auf die Kälte der industriellen Minimal Art. So feierte der einflussreiche Kunstkritiker Clement Greenberg Truitt bereits 1967 als Pionierin der Minimal Art.
Wesentlich für ihre künstlerische Entwicklung war Truitts Besuch der Schau „American Abstract Expressionists and Imagists“ von 1961 im New Yorker Guggenheim Museum, wo sie erstmals auf die monochromen Bildwelten von Barnett Newman und Ad Reinhardt traf. Die Farbfeldmalerei war ihr Schlüsselerlebnis und führte im selben Jahr zu ihrem ersten Werk „First“: Eine Konstruktion, die an einen hölzernen Lattenzaun erinnert, die Truitt mit weißer Farbe bestrich. Es folgte ein Schaffensrausch; bis 1963 entstanden weitere 35 große Skulpturen in hellweißen oder dunklen Farbtönen, von denen etwa die schwarz-rote Stützenkonstruktion „Hardcastle“ von 1962 in Düsseldorf zu sehen ist. Zum ersten Mal seit den 1960er Jahren wird in K20 wieder Truitts in Japan produzierte Metallskulptur „Summer Run“ von 1964 öffentlich präsentiert. Hinzu kommen ihre großformatigen und langgestreckten Malereien, darunter „Echo“ von 1973 und „Ojibwa“ von 1993. Ein eigenes Kapitel bilden ihre „Arundel Paintings“, die 1975 bei ihrer ersten Präsentation im Baltimore Museum of Art die Presse irritierten, weil die Weiß-auf-Weiß-Malerei als zu reduziert empfunden wurde. Ein koloristischer Gegenpol sind ihre tiefschwarzen Leinwände „Pith“, die Truitts Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 in New York wiedergeben.
Die Ausstellung „Anne Truitt. Pionierin der Minimal Art“ läuft bis zum 2. August. K20 hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, jeden ersten Mittwoch im Monat bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 16 Euro, ermäßigt 14 Euro bzw. 5 Euro; für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr ist er frei. Der begleitende Katalog kostet im Museum 35 Euro, im Buchhandel 40 Euro.
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen – K20
Grabbeplatz 5
D-40213 Düsseldorf
Telefon: +49 (0)211 – 83 81 204 |