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Marktberichte |
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Die Alte Kunst beweist wieder ihre Zugkraft. Das konnte Sotheby’s nicht nur bei einem Rekordwert für Rembrandt, sondern auch bei vielen weniger bekannten Künstlern konstatieren  Ein Löwe für den guten Zweck

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 |  | Rembrandt, Rembrandt, Junger liegender Löwe, um 1640 | |
Rembrandt van Rijn sorgt häufig für Schlagzeilen. Vor allem die Zu- und Abschreibungen in seinem Œuvre füllen regelmäßig die Gazetten, wie zuletzt bei seiner Tronie „Alter Mann mit der Goldkette“ aus einer britischen Privatsammlung, die bisher als Kopie abqualifiziert, nun aber im direkten Kontakt mit dem Original im Art Institute of Chicago doch als ein eigenhändiges Kunstwerk eingestuft wurde. Darum musste sich Sotheby’s bei seiner „Masters Week“ in New York keine Sorgen machen. Denn Rembrandts Zeichnung „Junger liegender Löwe“ war für den großen niederländischen Barockmeister stets gesichert und gehörte seit 2005 zur renommierten „Leiden Collection“, die Thomas S. Kaplan und seine Gattin Daphne Recanati Kaplan seit über zwanzig Jahren zusammengetragen haben. Nun trennte sich Kaplan von dem lebensnah skizzierten Löwen zugunsten der von ihm mitbegründeten Naturschutzorganisation „Panthera“, die sich weltweit für den Bestand von Wildkatzen einsetzt. Mit einem Zuschlag bei den unteren anvisierten 15 Millionen US-Dollar profitieren nun die lebenden Artgenossen des ruhig und majestätisch lagernden Löwen auf dem lediglich postkartengroßen Format von dem Rekordwert für eine Zeichnung Rembrandts.
Darüber hinaus sorgte die „Masters Week“ Anfang Februar bei Sotheby’s in New York für weitere positive Überraschungen: Mit einem Gesamtumsatz der acht Einzelauktionen in Höhe von 94,8 Millionen US-Dollar wurde die obere Schätzpreissumme übertroffen, auch die losbezogene Verkaufsrate lag mit 85 Prozent in einem sehr guten Bereich, neue Spitzenwerte gab es in jeder Versteigerung, und mit den „Master Works on Paper from Five Centuries“ fuhr Sotheby’s bei 19,8 Millionen Dollar das beste Ergebnis für eine Zeichnungsauktion in seiner Geschichte ein. Weitere einträgliche Zuschläge gab es hier mit der detailgenauen Tuschezeichnung des mächtigen Wohnturms der Burg Hermannstein bei Wetzlar von Jan Breughel d.J. bei 50.000 Dollar (Taxe 30.000 bis 40.000 USD), mit Thomas Rowlandsons kolorierter Karikatur aus dem Ancien Régime am „Place des Victoires, Paris“ bei 45.000 Dollar (Taxe 25.000 bis 35.000 USD) oder mit Louis François Cassas’ spätklassizistischem, gelehrtem Aquarell, auf dem mehrere Archäologen bei der Akropolis in Athen ein Steinrelief eingehend studieren, bei 75.000 Dollar (Taxe 30.000 bis 50.000 USD).
Bekanntere Namen erzielten dann noch sechsstellige Werte, so Joseph Mallord William Turner mit seinem stimmungsvollen Aquarell „The Ruins of St Mary’s Chapel and the Entrance to Bishop Vaughan’s Chapel, St David’s Cathedral, Wales“ bei 130.000 Dollar (Taxe 50.000 bis 70.000 USD) oder Giovanni Antonio Canal mit seiner Studie eines ankernden kleinen Handelsschiffes bei 350.000 Dollar (Taxe 200.000 bis 300.000 USD). Einen Künstlerrekord stellte der Rokokomaler Gabriel François Doyen mit seinem großformatigen bewegten Rötelblatt „Der Triumph von Neptun und Amphitrite“ auf. Die Studie für eine seiner vier Allegorien im Speisesaal von Petit Trianon in Versailles schoss von 15.000 Dollar auf 180.000 Dollar. Daran schlossen sich unter anderem eine spätgotische flämische Madonna mit dem Jesusknaben in der einen und einem aufgeschlagenen Buch in der anderen Hand bei 70.000 Dollar (Taxe 30.000 bis 40.000 USD), Claude Lorrains zum wiederholten Mal angetretene Mythologie „Merkur bringt Apoll das Vieh von Admetus zurück“ von 1671 bei 75.000 Dollar (Taxe 50.000 bis 70.000 USD) oder John Robert Cozens’ blau getönter frühromantischer Blick über das weite Rhonetal nach Martigny für taxgrechte 80.000 Dollar an.
Sammlerinnenfreuden
Neben diesem regulären Zeichnungsangebot standen am 4. Februar bei Sotheby’s noch die „Master Drawings from the Collection of Diane A. Nixon“ mit 125 ausgesuchten Positionen von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert zum Verkauf, die bei einer hohen Zuschlagsquote von 94 Prozent nochmals 10,8 Millionen Dollar einfuhren und damit gut 3 Millionen Dollar über der Schätzpreissumme lagen. Höhepunkt dieser Auktion war das doppelseitige Rötelblatt, mit dem Mattia Preti die Figuren des Adrian Fortescue und des Juan d’Eguaras für seine hochbarocke Ausstattung der Malteserritterkirche St. John in Valletta vorbereitete. Aus 200.000 Dollar wurden hier 1,4 Millionen Dollar und damit der Höchstpreis für eine Zeichnung Pretis. Dahinter folgten Annibale Carraccis fein schraffierte Skizze eines Baums für 680.000 Dollar (Taxe 300.000 bis 400.000 USD), Jean-Antoine Watteaus flott mit Kreide hingestrichelter Mann beim Spielen einer Gitarre für 650.000 Dollar (Taxe 700.000 bis 1 Million USD) oder Giovanni Battista Tiepolos locker mit viel Wolken entwickelte Bibelszene „Die Verkündigung“ für 450.000 Dollar (Taxe 250.000 bis 350.000 USD). Sein Sohn Giovanni Domenico Tiepolo verbesserte sich noch deutlicher, als seine mystische Erscheinung der Jungfrau mit dem Kind, die dem staunend knienden heiligen Philip Neri mit Engeln aus den Wolken entgegentritt, für 360.000 Dollar an die Reihe kam (Taxe 80.000 bis 120.000 USD).
Den neuen Auktionsrekord in der Nixon-Sammlung erzielte Carel Fabritius. Seine einfühlsame Schilderung der Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen konnte 600.000 Dollar auf sich vereinen (Taxe 80.000 bis 120.000 USD). Aber auch sonst ließen sich die Werke aus der Sammlung der 2024 verstorbenen New Yorkerin Diane Allen Nixon, die ihre Kollektion unter anderem in The Morgan Library & Museum in New York und der National Gallery of Art in Washington präsentierte, oft gewinnbringend vermitteln, so die dramatische „Wildschweinjagd“ das Manieristen Hans Bol für 90.000 Dollar (Taxe 25.000 bis 35.000 USD) oder Cristofano Roncallis Kopf eines bärtigen aufblickenden Mannes, eine Rötelzeichnung nach der berühmten Laokoon-Gruppe aus den Vatikanischen Museen, für 70.000 Dollar (Taxe 15.000 bis 25.000 USD). In die Sechsstelligkeit stießen etwa Nicolò dell’Abates bewegt skizzierte Ostererzählung „Noli me tangere“ mit Christus und Maria Magdalena bei 170.000 Dollar (Taxe 80.000 bis 120.000 USD) und Domenico Campagnolas dicht aus Schraffuren und Linien entwickelte Hügellandschaft mit einer befestigten Stadt unter aufgehenden Sonne bei 120.000 Dollar vor (Taxe 25.000 bis 35.000 USD), während Baccio Bandinelli mit seiner figurenreichen Kreuzabnahme bei 180.000 Dollar etwas schwächelte (Taxe 200.000 bis 300.000 USD).
Bei den Neueren Meister aus Frankreich bewies Nixon ihr sicheres Gespür für Qualität, etwa bei Michel Martin Drollings ansprechendem Portrait eines jungen Mannes aus dem Jahr 1814, hinter dem der Directeur des Domaines in Rom, Gaspard Bonnet, vermutet wird. Es kletterte von 20.000 Dollar auf 50.000 Dollar. Eugène Delacroix freute sich über 95.000 Dollar für sein Aquarell der schroffen Meeresklippen von Fécamp in der Normandie (Taxe 60.000 bis 80.000 USD), François Bonvin über 60.000 Dollar für seinen mandolinespielenden Bohemien von 1853 (Taxe 20.000 bis 30.000 USD) und sein Halbbruder Léon Bonvin über 190.000 Dollar für sein in altmeisterlicher Manier entwickeltes Stillleben mit Wiesenblumen in einer Fayencevase vor schwarzem Hintergrund von 1858 (Taxe 60.000 bis 80.000 USD).
Auch die Symbolisten und Präraffaeliten waren gefragt. So gab Odilon Redon sein schwermütiges und trauriges Menschenbild „Le Prisonnier à la Lucarne“ erst bei 210.000 Dollar ab (Taxe 60.000 bis 80.000 USD), Edward Burne-Jones seine mythologische Studie von Phineus und seinen Gefolgsleute, die durch den Anblick des Medusenhauptes in Perseus’ Hand eben zu Steinen verwandelt werden, bei guten 150.000 Dollar (Taxe 50.000 bis 70.000 USD). Bei deutschen Künstlern wurde Diane Allen Nixon ebenfalls fündig und legte sich etwa Adolph von Menzels charaktervolles Bildnis eines älteren vornübergebeugten Mannes, das seinen Schätzwert jetzt auf 40.000 Dollar vervierfachte, oder Max Liebermanns nun 75.000 Dollar teure „Idylle“ mit einer jungen holländischen Kuhhirtin beim Stricken zu (Taxe 20.000 bis 30.000 USD).
Mit einer Seltenheit trumpfte Sotheby’s bei der „Masters Week“ auf: dem „Rothschild Vienna Mahzor“. Die reich illuminierte Handschrift, für am 5. Februar gar eine eigene Auktion reserviert war, wurde 1415 von einem jüdischen Schreiber namens „Moses Sohn von Menachem“ in Wien als Gebetbuch für die Feiertage Rosch ha-Schana und Jom Kippur erstellt. Mayer Amschel Rothschild erwarb das Manuskript 1842 in Nürnberg für die hohe Summe von 151 Goldgulden. Bis 1938, als die Nazi das Palais von Clarice und Alphonse von Rothschild in Wien plünderten, gehörte es dem österreichischen Zweig der angesehenen Bankiersfamilie. Erst nach einer Ausstellung im Jüdischen Museum Wien wurde es 2023 von der Österreichischen Nationalbibliothek an deren Erben restituiert. Sie erhielten dafür nun 5,2 Millionen US-Dollar, was das „Rothschild Vienna Mahzor“ zu einer der teuersten jüdischen Handschiften macht (Taxe 5 bis 7 Millionen USD).
Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Sotheby’s New York 945 Madison Avenue US-NY 10021 New York |
 | Telefon:+1 (212) 606 70 00 | Telefax:+1 (212) 606 71 07 |  |  | Startseite: www.sothebys.com |
31.03.2026 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching |  |
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 Gabriel François
Doyen, Allegorie der
Fischerei: Der
Triumph von Neptun
und Amphitrite |  | Taxe: 15.000 - 20.000 USD Zuschlag: 180.000,- USD Losnummer: 224 |  |  |  |  |  | 
 Jan Breughel d.J.,
Burg Hermannstein
bei Wetzlar, 1616 |  | Taxe: 30.000 - 40.000 USD Zuschlag: 50.000,- USD Losnummer: 207 |  |  |  |  |  | 
 John Robert Cozens,
The Approach to
Martigny, Rhone
Valley, Valais |  | Taxe: 80.000 - 120.000 USD Zuschlag: 80.000,- USD Losnummer: 227 |  |  |  |  |  | 
 Thomas Rowlandson,
Place des Victoires,
Paris |  | Taxe: 25.000 - 35.000 USD Zuschlag: 45.000,- USD Losnummer: 231 |  |  |  |  |  | 
 Flämisch, Madonna
mit Kind, um
1480/1500 |  | Taxe: 30.000 - 40.000 USD Zuschlag: 70.000,- USD Losnummer: 203 |  |  |  |  |  | 
 Louis François
Cassas, Archäologen
untersuchen ein
Relief bei der
Akropolis von Athen,
1821 |  | Taxe: 30.000 - 50.000 USD Zuschlag: 75.000,- USD Losnummer: 236 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni Antonio
Canal, Studie eines
Handelsschiffes |  | Taxe: 200.000 - 300.000 USD Zuschlag: 350.000,- USD Losnummer: 225 |  |  |  |  |  | 
 Claude Lorrain,
Merkur bringt Apoll
das Vieh von Admetus
zurück, 1671 |  | Taxe: 50.000 - 70.000 USD Zuschlag: 75.000,- USD Losnummer: 219 |  |  |  |  |  | 
 Joseph Mallord
William Turner, The
Ruins of St Mary’s
Chapel and the
Entrance to Bishop
Vaughan’s Chapel, St
David’s Cathedral,
Wales |  | Taxe: 50.000 - 70.000 USD Zuschlag: 130.000,- USD Losnummer: 230 |  |  |
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