Original oder Kopie: Rembrandts „Alter Mann mit Goldkette“  |  | Rembrandt van Rijn, Alter Mann mit Goldkette, 1631 | |
Seit 1922 gehört Rembrandt van Rijns „Alter Mann mit Goldkette“ aus dem Jahr 1631 zu den Pretiosen des Art Institute of Chicago. Seit letztem Herbst hängt eine Werkstattkopie aus einer britischen Sammlung daneben, die nun Spekulationen um ihre Urheberschaft ausgelöst hat. So will der Kunsthistoriker Gary Schwartz darin keine Arbeit eines Mitarbeiters, sondern eine eigenhändige Wiederholung Rembrandts sehen. Der Niederländer amerikanischer Herkunft und Autor mehrerer Publikationen zu Rembrandt macht dafür unter anderem die hohe malerische Qualität und das Fehlen von Korrekturen verantwortlich. Daher könne das Werk nicht von einem Schüler gemalt worden sein. Zudem sei es in der niederländischen Barockmalerei durchaus üblich gewesen, dass Meister Kopien eigener Werke anfertigten. Laut einer Studie des Hamilton Kerr Institute der Universität Cambridge stimmen Leinwand und Farbpigmente der kleineren Wiederholung mit den Materialien überein, die Rembrandt verwendete.
In Rembrandts Œuvre gibt es seit jeher Fragen zur Authentizität der Werke. Lange Zeit galt der 2021 verstorbene Ernst van de Wetering als die Autorität in Sachen Echtheit und Eigenhändigkeit des Barockmeister. 47 Jahre lang arbeitete der niederländische Kunsthistoriker am Rembrandt Research Project, das 1968 damit startete, das Werkverzeichnis von Abraham Bredius aus dem Jahr 1935, der Rembrandt 624 Gemälde zuschrieb, durchzugehen und mehr als die Hälfte davon zu streichen. Später nahm Wetering 70 Werke dann wieder in Rembrandts Korpus auf. Erst im März haben Kunstexperten des Amsterdamer Rijksmuseums „Die Vision des Zacharias im Tempel“ von 1633 als wieder aufgetauchtes Original Rembrandts bestätigt. Die aktuelle Diskussion wird wohl den britischen Sammler Sir Francis Newman freuen, dessen Urgroßvater den „Alten Mann mit Goldkette“ 1898 in der renommierten Londoner Kunsthandlung Agnews als authentisches Werk Rembrandts kaufte. Auch in Deutschland wird das Gemälde Station machen. Ab September präsentiert das Herzogliche Museum in Gotha es in der Ausstellung „Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke“. |