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Das Kultum, das Zentrum für Gegenwart, Kunst und Religion der Diözese Graz-Seckau, untersucht in der Schau „Gott hat kein Museum“ Perspektiven von Transzendenz und Religion in der Kunst der Gegenwart

Wann wird Gott zurückkehren?



Maaria Wirkkala, aus der Serie „Sharing“, 2011

Maaria Wirkkala, aus der Serie „Sharing“, 2011

Seit geraumer Zeit ist in der Gegenwartskunst ein verstärktes Interesse an Religion und Religiosität zu beobachten. Künstlerinnen und Künstler greifen religiöse Themen, Narrative und Symbolwelten auf, ohne sich von diesen vereinnahmen zu lassen. Vielmehr werden Glaubensbilder, Rituale und Dogmen einer zeitgenössischen Befragung unterzogen. Insbesondere die katholische Kirche öffnet sich zunehmend für aktuelle künstlerische Ausdrucksformen, etwa durch Initiativen des Vatikans unter Papst Franziskus, der mit der Eröffnung einer neuen Galerie für zeitgenössische Kunst den Dialog zwischen Kunst, Spiritualität und Glauben in modernen Kontexten fördern wollte. Auch die wiederholte Präsenz des Vatikans auf der Biennale in Venedig, zuletzt im Frauengefängnis auf der Giudecca, Ausstellungen wie „The Problem of God“ im Düsseldorfer Ständehaus, das seit Jahren anspruchsvoll konzipierte Programm im Kolumba, dem Kunstmuseum der Erzdiözese Köln, oder Präsentationen wie „Du sollst dir kein Bild machen“ im Wiener Künstlerhaus sowie „Echoes. Skin Contact“ im Haus der Kunst in München zeigen: Kunst und Kirche begegnen einander heute in Formen von Spiritualität, Kritik und Neudeutung. Religiöse Motive werden genutzt, um Fragen des Glaubens, der Sinnsuche, der Moral oder gesellschaftlicher Entwicklungen aus zeitgenössischer Perspektive zu reflektieren.


Gerade in aktuellen Ausstellungen wird deutlich, dass die Schnittstelle von zeitgenössischer Kunst und Religion längst nicht mehr vorrangig von ästhetischen Fragestellungen geprägt ist. Stattdessen rücken komplexe Konzepte und gesellschaftskritische Diskurse in den Vordergrund. Künstlerinnen und Künstler bedienen sich klassischer religiöser Symbole und christlicher Bildsprache, um gegenwärtige Themen sichtbar zu machen, Glaubenssätze zu hinterfragen oder tradierte Sehgewohnheiten aufzubrechen. Sie untersuchen das Zusammenspiel von Körper, medialer Realität und Spiritualität in einer digitalisierten Welt und widmen sich Fragen von Transformation, Verbundenheit und Transzendenz.

Das Kultum, seit 1975 im historischen Minoritenkloster am Grazer Mariahilferplatz beheimatet, gilt als eine der profiliertesten Institutionen an der Schnittstelle von zeitgenössischer Kunst und Religion im deutschsprachigen Raum. Seit Jahrzehnten erforscht das Haus die Präsenz und Transformation religiöser Motive in der Gegenwartskunst – nicht im Sinne klassischer Sakralkunst, sondern als Auseinandersetzung mit existenziellen, gesellschaftlichen und philosophischen Fragestellungen. Anlässlich seines 50jährigen Bestehens zeigt das Kultum noch bis Juli eine umfangreiche Jubiläumsausstellung. Unter dem Titel „Gott hat kein Museum“ versammelt die von Johannes Rauchenberger kuratierte Schau über 300 Arbeiten steirischer und internationaler Künstlerinnen und Künstler aus der eigenen Sammlung sowie aus Leihgaben. Sie beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Glauben, Wissen und radikaler Bestreitung und stellt die zentrale Frage: „Wie kommt Religion in der Kunst der Gegenwart vor?“

Aus Ausstellungen vergangener Jahre hat Rauchenberger zentrale Werke zusammengetragen. Ausgangspunkt war die Überlegung, wie ein Museum für Kunst und Gegenwart aussehen könnte, das sich nicht der Bestandssicherung verpflichtet fühlt, sondern gezielt nach Bildern sucht, die sich an Religion reiben und sie mitunter auch verändern. Der Ausstellung ging bereits vor zehn Jahren ein Buchprojekt voraus, das nun die konzeptuelle Grundlage der Präsentation bildet. In zehn thematisch gegliederten Abteilungen, von „Heiligen Räumen“ über „Körper und Geist(er)“ bis zu „Christlicher Fundamentalismus“ und „Wunder & Widersprüche“, spürt die Schau einer Leerstelle im Museumsbetrieb nach, die sich letztlich nicht schließen lässt: einem Museum für Gott. Seine Codes, seine Ikonografie, die Widersprüche seiner Bilder, der (Aber-)Glaube seiner Zeuginnen und Zeugen, die Herausforderungen gegenwärtiger fundamentalistischer Strömungen, der Wunsch nach einer Versöhnung von Wissen und Glauben sowie die Poetik der „letzten Dinge“ entfalten sich in unterschiedlichsten künstlerischen Positionen auf drei Etagen, bis hinauf in den Dachboden des alten Klosters.

Der Schriftzug der Ausstellung ist den „Buchstabenbildern“ des Wiener Künstlers Michael Endlicher entlehnt, der in den Räumen des Minoritenklosters mehrfach Spuren hinterlassen hat, etwa vor der Klausur der Minoritenbrüder im zweiten Stock mit dem franziskanischen Gruß „Pax et Bonum“ oder mit einer permanenten Rauminstallation im Stiegenhaus. Der verwinkelte Klosterbau mit seinen unterschiedlich großen Räumen, Kammern und Zellen bietet ein wechselvolles Szenario für Gemälde, Skulpturen, Fotografien und Installationen. Diese sind teils dicht gehängt, meist jedoch sensibel auf die räumlichen Gegebenheiten abgestimmt. In einem kleinen versteckten Kämmerchen schreckt man beim Eintreten unweigerlich auf: Ein altes Handy klingelt auf einem Tisch, neben einem leuchtenden Heiligenschein und einem Blatt Papier mit der Aufschrift „Will be back in five minutes“, unterzeichnet mit „God“. „Draft for an Altar“ nennt der österreichische Künstler Werner Reiterer seine 2009 entstandene Installation. Der Altarentwurf verweist gleichermaßen auf Präsenz und Absenz Gottes und provoziert Fragen: Wann wird Gott zurückkehren? Wie lange ist er schon fort? Hat er eine Nachricht hinterlassen? Soll man abheben oder zurückrufen? Reiterer konfrontiert sein Publikum mit alltäglichen Gegenständen, deren Wahrnehmung er durch die gezielte Verschiebung tradierter Bedeutungszusammenhänge konsequent unterläuft.

Eine weiße Oberfläche, strukturiert durch wellenartige Erhebungen, die sich reliefartig mehr oder weniger deutlich abzeichnen: So sieht das Wort „Gott“ aus, wenn es in Zeit, Frequenz und Intensität zerlegt wird. Das Künstlerduo 0512 mit Martin Mathy und Steffen Strassnig generierte das Wort „Allah“ mit einer synthetischen Stimme und fächerte es mittels akustischer Analyse in ein dreigliedriges Koordinatensystem auf. Der ästhetische Ertrag eines Sonagramms knüpft an die Möglichkeit abstrakter Gottesdarstellung an. So erzeugt das Duo mit zeitgenössischen Mitteln eine ornamentale Skulptur von eindringlicher Präsenz.

Anna und Bernhard Blume liefern mit „Prinzip Grausamkeit“, einer 70teiligen Serie aus Polaroids und Texten, eine präzise wie witzig-groteske Reflexion über den „Sinn des Lebens“. Auch das 2018 entstandene Gemälde „The Earth is literally …“ des israelisch-österreichischen Duos Markus Muntean und Adi Rosenblum thematisiert jugendliche Sinnsuche. An einem „Nicht-Ort“, einem Verkehrsknotenpunkt, stehen junge Menschen wie isolierte Statisten eines zeitgenössischen Theaterstücks. Ihre Blicke und Handlungen driften auseinander und erzeugen eine Atmosphäre von Lethargie, Gleichgültigkeit und Melancholie. Der für ihre Bildsprache charakteristische weiße Bildrand gibt Raum für einen englischen Satz, der hier auf die Spiegelmetapher verweist: „The earth is literally a mirror of thoughts…“ – eine poetische Reflexion über Wahrnehmung, Tod und Existenz.

Unter den mehr als 300 Arbeiten stammen viele von Künstlerinnen, darunter von Bettina Rheims, Maaria Wirkkala und Claudia Schink, die sich unter anderem mit frühchristlichen Märtyrerinnen und der sexuellen Codierung ihrer Körper in Heiligenlegenden auseinandersetzt. Dorothee Golz ist mit dem digitalen Gemälde „Das Abendmahl“ von 2012 vertreten, in dem sie Leonardo da Vincis ikonisches Motiv in die Gegenwart überträgt. Historische Figuren werden durch zeitgenössische Personen in moderner Kleidung ersetzt, während Komposition und psychologische Dynamik erhalten bleiben. Golz arbeitet mit einer doppelten Filterung: Die durch den Blick der Alten Meister bereits interpretierte Wirklichkeit wird erneut durch digitale Bildbearbeitung transformiert. So untersucht die Künstlerin, wie religiöse Bildformeln und Kernbotschaften in einer säkularisierten, mediatisierten Welt fortbestehen oder neu gelesen werden können. Beeindruckend ist eine Videoarbeit von Petra Sterry aus dem Jahr 2010, die der Frage nachgeht: „Wie lange dauert das ewige Leben?“ – vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Bestrebungen zur künstlichen Lebensverlängerung, bei denen die Dimension der Transzendenz oft verlorengeht.

Der albanische Künstler Adrian Paci thematisiert in seiner fotografisch dokumentierten Performance „Home to Go“ Migration und Heimat. Anstelle eines Kreuzes trägt er ein Hausdach auf dem Rücken und damit das Symbol seiner Emigration nach Italien. Das Dach wird zur Ruhestätte, zur Last, schließlich beinahe zum Flügel. In subtiler Anknüpfung an die Ikonografie des kreuztragenden Christus und des schwer auf der Erde stehenden Engels entfaltet sich ein vielschichtiger Bedeutungsraum: Ist das Dach Heimat oder Bürde? Schutz oder Erinnerungslast? Paci eröffnet mit eindringlichen Bildern einer konkreten Biografie einen universellen Erfahrungsraum, der Fragen nach Herkunft, Verlust und Transformation berührt.

„Das Nichts ist indiskutabel“: Das Triptychon von Leo Zogmayer variiert den berühmten siebten Satz aus Wittgensteins „Tractatus Logico-Philosophicus“. Durch die alphabetische Reihung der Wörter wird die syntaktische Ordnung aufgelöst, der Satz verwandelt sich in ein offenes, poetisches Bild: „Darüber Kann Man | Man Muss Nicht | Reden Schweigen Wovon“. Die neue Rhythmik eröffnet einen erweiterten Deutungsraum, in dem theologisches und philosophisches Denken fortgesetzt, aber auch bewusst unterbrochen werden kann. Die formale Anlehnung an das Triptychon verstärkt den Bezug zur religiösen Bildtradition und macht das Werk zu einem bildnerischen Nachdenken über Gott und das Unsagbare.

In der Gesamtschau erweist sich „Gott hat kein Museum“ als vielschichtige kulturkritische Reflexion darüber, wie das Sakrale in einer mediatisierten Welt überhaupt noch darstellbar ist. Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen von expliziter Gottesbestreitung über ironische Dekonstruktion bis hin zu ernsthaften Formen von Glauben und existenzieller Suche und bestätigt das Kultum einmal mehr als zentralen Ort des Dialogs zwischen Kunst, Religion und Gegenwart.

Die Ausstellung „Gott hat kein Museum. Aspekte von Religion in der Kunst der Gegenwart“ ist bis zum 11. Juli zu sehen. Das Kultum hat dienstags bis samstags von 11 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Kontakt:

Kultum. Zentrum für Gegenwart, Kunst und Religion in Graz

Mariahilferplatz 3

AT-8020 Graz

Telefon:+43 (0316) 71 11 33



05.04.2026

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Bettina Rheims und Serge Bramly, La maison de Nazareth, avril 1997
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Adrian
 Paci, Home to Go, 2001
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Michael Endlicher, Herzmary, 2024
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Claudia Schink, Das Christentum, 1996
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Werner Reiterer, Draft for an Altar, 2009
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Petra Sterry, Das ewige Leben, 2010
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Bettina Rheims und Serge Bramly, La maison de Nazareth, avril 1997

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Adrian Paci, Home to Go, 2001

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Martin Mathy und Steffen Strassnig, Sonagramm des Wortes „Allah“, 2008/10

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Anna und Bernhard Blume, Prinzip Grausamkeit, 2004

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Dorothee Golz, Madonna als Mutter und Hausfrau, 2016

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