KAWS, Kunst und Comic in Wien  |  | KAWS, Time off, 2021 | |
In der Schau „Art & Comix“ der Albertina Modern geht es derzeit darum, wie die Comic-Kultur die bildende Kunst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beeinflusst hat. Dazu präsentieren die Kuratoren Angela Stief und Florian Waldvogel 192 Werke und rücken dabei das Schaffen von Brian Donnelly, alias KAWS, in den Mittelpunkt ihrer Auswahl, die um die Wechselwirkungen zwischen Bildergeschichten, Cartoons und Kunst kreist. In einer Ästhetik, die aus dem Comic hervorgeht, spielen der grafische Impuls, die rasche Zeichnung, alttägliche Sujets, die Emotionen fiktiver Figuren, die Verbindung von Bild und Text sowie das Erzählen von Geschichten eine zentrale Rolle. KAWS Skulpturen treten in Wien die Arbeiten von 28 weiteren Künstler*innen gegenüber, die unterschiedliche stilistische Elemente des Comics aufgreifen, darunter Öyvind Fahlström, Cosima von Bonin, Futura 2000, H.C. Westermann, Eliza Douglas, A.R. Penck, Peter Saul, Jean-Michel Basquiat, Ad Reinhardt oder Sue Williams.
Comics existieren in vielen Kulturen als zugängliche Form der visuellen Erzählung in Wort und Bild. Dank ihrer universellen und leicht verständlichen Formensprache richten sie sich grenzüberschreitend an alle Altersgruppen und Gesellschaftsschichten. Ab den 1960er Jahren hinterfragten etwa Roy Lichtenstein und Keith Haring in ihrer Kunst die Grenze zwischen Hoch- und Populärkultur. Joyce Pensato wandte sich Ende der 1980er Jahre konsequent den Cartoonfiguren zu, wobei Micky Maus zu ihrem zentralen Motiv wurde. In vereinfachter Form entwickelt sie ihre Gestalten, die sie ausdrucksstark auf die Leinwand bannt, so 1997 auch Donald Duck, der jedoch nicht mit klaren Konturen auftritt, sondern mit tropfender schwarzer Farbe etwas schief und leicht verändert auseinanderzufließen scheint. Die einst fröhliche Gestalt wird zu einem andersartigen emotional aufgeladenen Wesen mit Brüchen.
KAWS arbeitete in den 1990er Jahren als Graffiti-Künstler, übermalte Plakate und Werbung im öffentlichen Raum, indem er die Gesichter auf Postern mit seinen typischen Markierungen, den durchkreuzten Augen, versah. Besonders bekannt ist er für seine überdimensionierten figurativen Skulpturen aus verschiedenen Materialien wie Bronze oder Holz. Seine „Companions“, wie er manche von ihnen nennt, zeigt er selbstbewusst, schüchtern oder traurig. Die bemalte Bronze „Time off“ von 2021 gibt ein schwarzes krümelmonsterhaftes Wesen mit rosa Nase und übergroßen weißen Cartoonaugen in lagernder Pose wieder, so als ob KAWS einen liegenden selbstbewussten weiblichen Akt zitiert, den er in die Welt der Comics und Fellpuppen übersetzt hat. Das Resultat ist eine gewisse Befremdung und Rätselhaftigkeit. Im selben Jahr erscheint dieses Krümelmonsterwesen als eine Art Teddybär in der Arbeit „Share“: Als kleine hängende Puppe wird es von einem anderen Fantasiewesen, das ein modifiziertes, aber klar erkennbares Mickey Maus-Zitat ist, an der Hand festgehalten.
Die Ausstellung „KAWS. Art & Comix“ läuft bis zum 27. September. Die Albertina Modern hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 17,90 Euro, ermäßigt 15,90 Euro. Für Kinder unter 19 Jahren ist er kostenlos. Der Katalog zur Ausstellung ist in Deutsch und Englisch für 34,90 Euro erhältlich.
Albertina Modern
Karlsplatz 5
A-1010 Wien
Telefon: +43 (0)1 – 534 830 |