Fanny Harlfinger-Zakucka und die Frauenkunst in Krems  |  | Fanny Harlfinger-Zakucka, Spielzeug, 1918 | |
Die Landesgalerie Niederösterreich macht ab dem Wochenende auf eine vergessene Künstlerin und ihr Umfeld aufmerksam und rückt Fanny Harlfinger-Zakucka in den Mittelpunkt ihrer neuen Ausstellung. Anlass ist die Gründung der progressiven Künstlerinnenvereinigung „Wiener Frauenkunst“ im Jahr 1926, deren Initiatorin die vielseitig begabte Harlfinger-Zakucka, eine entschiedene Kämpferin für die Sichtbarkeit weiblicher Positionen, war. Dafür hat Kuratorin Sabine Fellner in Krems zahlreiche, teils verloren geglaubte Werke der Universalkünstlerin zusammengetragen, die als Malerin, Grafikerin, Illustratorin und Kunstgewerblerin tätig war, stellt weitere expressionistische Malerinnen und Keramikerinnen sowie innovative Bildhauerinnen und Architektinnen vor, darunter Bettina Ehrlich-Bauer, Margarete Hamerschlag, Hilda Jesser, Gabi Lagus-Möschl, Frieda Salvendy, Marianne Seeland, Maria Likarz oder Liane Zimbler, und gibt damit einen Einblick in den Kampf der weiblichen Kunstszene um Emanzipation und Anerkennung in der Zwischenkriegszeit.
Im niederösterreichischen Mank, einer Kleinstadt nahe Melk, 1873 geboren, studierte Fanny Harlfinger-Zakucka von 1899 bis 1903 an der „Kunstschule für Frauen und Mädchen“ unter Adolf Boehm und Ludwig Michalek, dann an der Wiener Kunstgewerbeschule. Bereits zum Studienende schuf sie avantgardistische Farbholzschnitte und brach als Frau in die damals reine Männerdomäne des Möbeldesigns ein. 1908 stellte sie auf der legendären „Kunstschau“ aus, die von einer Gruppe um Gustav Klimt und Josef Hoffmann organisiert wurde, und nahm auch an den Präsentationen der von Egon Schiele gegründeten „Neukunstgruppe“ teil. Stets am Pulsschlag der Moderne schuf sie Illustrationen für die Zeitschriften „Ver Sacrum“, „Der liebe Augustin“ und „Die Fläche“ sowie für Kinderbücher. Im Zuge ihrer kunstgewerblichen Arbeit kooperierte sie mit der Wiener Werkstätte. Als Entwerferin für Innendekorationen wurde für das innovative Design ihres Kinderzimmers 1929 mit einem Ehrenpreis von der Gemeinde Wien ausgezeichnet. Harlfinger-Zakuckas Kreation überzeugte durch Möbel in einem lebendigen Zitronengelb, durchzogen von einem auffälligen roten Gittermuster. Diese Möbelstücke waren nicht nur funktional, sie dienten sowohl zur Aufbewahrung als auch zum Spielen.
1926 trennten sich unter ihrer Leitung fortschrittlich gesinnte Künstlerinnen von der „Vereinigung der bildenden Künstlerinnen Österreichs“, um die „Wiener Frauenkunst“ zu gründen. Ihre programmatischen Schauen vertraten den Anspruch, Innenarchitektur, Malerei und Kunstgewerbe im Sinne der damals virulenten Idee des Gesamtkunstwerks miteinander in Beziehung zu setzen und eine Durchdringung des Alltags zu erreichen. Die Gruppe entwickelte nicht nur neue raumkünstlerische Arrangements, sondern auch das bis dahin unbekannte Format der Themenausstellung und des Ausstellungskatalogs, der theoretische Texte beinhaltet, und setzte neue Maßstäbe im Ausstellungsdesign. Dies macht die Schau in Krems durch Holzschnitte, Gemälde, Spielzeug und Mobiliar von Harlfinger-Zakucka, Emailarbeiten von Maria Cyrenius und Maria Schwamberger-Riemer, Gemälde von Broncia Koller-Pinel, Helene Funke und Helene von Taussig sowie Keramiken von Dina Kuhn, Erna Kopriva und Susi Singer sichtbar.
Die Ausstellung „Wiener Moderne. Weiblich. Widerständig – Fanny Harlfinger-Zakucka und die Wiener Frauenkunst“ läuft vom 11. April bis zum 10. Januar 2027. Die Landesgalerie Niederösterreich hat dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, respektive 5 Euro. Für Kinder bis sechs Jahre ist er frei. Der Ausstellungskatalog aus dem Müry Salzmann Verlag kostet 29,90 Euro.
Landesgalerie Niederösterreich
Museumsplatz 1
A-3500 Krems an der Donau
Telefon: +43 (0)2732 – 90 80 10 |