Verschollene Kirchner-Lithografie kehrt nach Jena zurück  |  | Ernst Ludwig Kirchner, Kopf Professor Graef, 1915 | |
Eine Lithografie des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner ist überraschend auf dem Kunstmarkt wieder aufgetaucht und konnte für die Stadt Jena gesichert werden. Dabei handelt es sich um das Portrait von Botho Graef aus dem Jahr 1915, auf dessen Rückseite noch Graefs Lebenspartner Hugo Biallowons zu sehen ist. Wie Erik Stephan, Leiter der Kunstsammlung Jena, mitteilte, konnte die Grafik mit Unterstützung dreier Stiftungen erworben werden. Sie gehörte zu einer umfassenden Schenkung, die Kirchner 1918 nach dem Tod Graefs dem Jenaer Kunstverein überließ.
Der 1857 geborene Archäologe und Kunsthistoriker Botho Graef, der seit 1904 an der Universität Jena lehrte, gehörte zu den engen sowie frühen Freunden und Förderern Ernst Ludwig Kirchners. Als Graef im Jahr 1917 starb, übereignete Kirchner dem Jenaer Kunstverein, in dem der Kunsthistoriker als Mentor fungierte, die Botho-Graef-Stiftung. Sie umfasste 260 Holzschnitte, Radierungen und Lithografien. Dieses einmalige Konvolut an Grafiken des Expressionisten wurde wie ein Großteil der Sammlung des Jenaer Kunstvereins durch die nationalsozialistische Aktion „Entartete Kunst“ im Jahr 1937 beschlagnahmt, zerstreut und teilweise zerstört. Der Ankauf des Blattes erweitert daher nicht nur die Kunstsammlung Jena, sondern lenkt den Blick zugleich auf Kirchners Verbundenheit zu Graef, Biallowons und ihrem Freundeskreis moderner Kunst in Jena. |