Rebecca Louise Law schmückt den Norden mit Pflanzen  |  | Rebecca Louise Law in ihrer Installation „Florilegia“ | |
Die Landesmuseen Schleswig-Holstein präsentieren in dem mehrere Häuser umfassenden Projekt „State of Nature“ Blumen- und Getreideinstallationen von Rebecca Louise Law: Zwei Jahrzehnte im floralen Schaffen der britischen Künstlerin sind nun mit „The Field“ im Freilichtmuseum Molfsee, mit „Grain“ im Jüdischen Museum Rendsburg, mit „Honesty“ im Globushaus am Schloss Gottorf und mit dem Hauptwerk „Florilegia“ in der dortigen Reithalle auf der Schleswiger Museumsinsel erfahrbar. Die 1980 geborene Law ist für ihre immersiven Raumkreationen aus natürlichen Materialien bekannt und verwandelt die Umgebung in atmosphärische Erfahrungsräume, in denen die Besucher*innen der Natur unmittelbar begegnen. So sind die Pflanzen in ihrer vergänglichen Schönheit nicht nur visuell sinnlich, sondern verströmen auch den Duft getrockneter Blüten.
In Laws Installationen illustrieren die Blüten das Wachstum, den Wandel und die Vergänglichkeit der Natur. Hiermit verdeutlicht die Künstlerin unsere Verantwortung für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen. Der Ausstellungstitel „State of Nature“ ist vielschichtig zu verstehen: Einmal als Verweis auf den philosophischen Begriff des Naturzustands, ein Gedankenmodell, das danach fragt, wie der Mensch der Welt begegnet, bevor sie durch Regeln, Besitzansprüche und gesellschaftliche Ordnung überformt ist. Es geht nicht um einen historischen Urzustand, sondern eine Haltung der Unmittelbarkeit. Zugleich will Rebecca Louise Law Räume der Konzentration und des Staunens schaffen, damit für ökologische Zusammenhänge sensibilisieren, ohne zu belehren, und die enge Verbundenheit von Mensch und Natur sinnlich erlebbar machen.
In ihrer Kunst betont Rebecca Louise Law das Gemeinschaftliche und verwirklicht Ausstellungsprojekte, die sie häufig Menschen vor Ort einbindet. So haben sich seit 2024 über 320 Freiwillige in sogenannten Blomentüddel-Clubs getroffen, um Pflanzen aufzufädeln und so Teil des kreativen Prozesses zu werden. Für ihre Installation „The Field“ aus Hafer und Blumen in Molfsee haben Law und ihre Mitstreiter die Pflanzen eigens auf den Feldern des Museums angebaut, gemeinsam geerntet und anschließend verarbeitet. Derart verbindet das Werk Fragen nach Landschaft, Handarbeit und Nahrung miteinander. Im Jüdischen Museum Rendsburg verdeutlicht „Grain“ die stille Kraft von Weizen- und Getreideähren und greift kulturumspannende Themen der Dankbarkeit und Fürsorge auf. Die Arbeit „Honesty“ im Gottorfer Globushaus besteht aus tausenden schimmernden, perlenartig schwebenden Silberblättern, entfaltet barocken Glanz und schließt an den botanischen Reichtum des historischen Neuwerkgartens an. Für „Florilegia“ in der Gottorfer Reithalle hat Rebecca Louise Law rund eine Million getrockneter Blumen aus ihrer persönlichen Sammlung von England nach Schleswig verfrachtet, sie zu einem dichten hängenden Blumenwald arrangiert und durch Bilder und Keramikarbeiten zu einer Werkschau ergänzt.
Die Ausstellung „Rebecca Louise Law. State of Nature“ läuft bis zum 1. November. Die drei Häuser haben alle täglich außer montags geöffnet, das Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Schleswig von 11 bis 17 Uhr, das Freilichtmuseum Molfsee von 10 bis 18 Uhr und das Jüdische Museum in Rendsburg von 11 bis 16 Uhr. Das Kombiticket für Schau kostet 29 Euro, ermäßigt 25 Euro, für Kinder und Jugendliche 10 Euro und behält seine Gültigkeit bis zum Ausstellungsende. Der begleitende Katalog ist ab Mai für 27 Euro zu haben.
Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf
Schlossinsel 1
D-24837 Schleswig
Telefon: +49 (0) 4621 – 813 222
Freilichtmuseum Molfsee
Hamburger Landstraße 97
D-24113 Molfsee
Jüdisches Museum Rendsburg
Prinzessinstraße 7–8
D-24768 Rendsburg |