Berlin entdeckt Brigitte Meier-Denninghoff  |  | Brigitte Meier-Denninghoff, München 1957 | |
Mit der Ausstellung „Brigitte Meier-Denninghoff. Skulpturen und Zeichnungen 1946-1970“ würdigt die Berlinische Galerie erstmals nach über 50 Jahren wieder das eigenständige Schaffen der mehrfachen Documenta-Teilnehmerin, vielfachen Preisträgerin oder auf der venezianischen Biennale präsentierten Künstlerin. Nach der 1955 erfolgten Eheschließung mit dem Schauspieler Martin Matschinsky, den Brigitte Meier-Denninghoff während ihrer Tätigkeit am Theater Darmstadt kennenlernte, arbeitete das Paar eng künstlerisch zusammen und trat ab 1970 als Künstlerduo „Matschinsky-Denninghoff“ auf, wobei das bereits zuvor entstandenen Œuvre des weiblichen Teils rückwirkend zum Gemeinschaftswerk erklärt wurde. Ab diesem Zeitpunkt verschmolzen der beiden nach außen hin zu einer Einheit; die Künstlerin nahm den Namen Brigitte Matschinsky-Denninghoff an. Nach Auswertung des in der Berlinischen Galerie verwahrten dokumentarischen und künstlerischen Nachlasses versucht Kuratorin Stefanie Heckmann anhand einer Auswahl von 20 Plastiken, 26 Grafiken und vier Skizzenbüchern, das Werk und die konkrete Urheberschaft neu zu bewerten.
Maßgeblich geprägt wurde die an den Akademien in Berlin und München studierte Bildhauerin von Henry Moore und Antoine Pevsner, in deren Ateliers sie zeitweise als Assistentin arbeitete. Deutlich tritt das in frühen Werken zu Tage, mit denen die Schau einsetzt. Eine kleine Pferdefigur aus Terrakotta von 1946 oder das Holzrelief „Wald“ von 1948 zeigen ebenso wie Wachs- und Buntstiftzeichnungen oder Aquarelle mit organischen Ausformungen die Inspiration von Natur, Landschaften und Gebirge. Plastische, zwischen Wandrelief und Bild pendelnde Arbeiten fertigte Brigitte Meier-Denninghoff in den 1950er Jahren aus dünnen Messingstäben, die sie mit Zinn aneinander lötete. Mit den zwischen Natur und Technik schwingenden, mit Licht und Schatten spielenden Werken setzte sie sich als eine der wenigen deutschen Bildhauerinnen international durch. Die enge Verbindung von zeichnerischem und plastischem Schaffen demonstrieren großformatige Grafit- und Kohleblätter aus den 1960er Jahren. Sie zeigen eine surreal anmutende Welt in starken Hell-Dunkel-Kontrasten und konzentrieren sich auf die Wirkung von Formen im Raum.
Ihre Skulpturen entwickelte Meier-Denninghoff weiter zu lebendigen und kraftvoll-dynamischen Formen, indem sie dünne Messingstäbe mit Lötzinn verband und zu geschlossenen und gebogenen Röhren zusammenfügte. Ende der 1960er Jahre experimentierte sie mit eingefügten scharfkantigen Quadern, die die energiegeladenen Züge bändigen sollten. Die zeichnerischen Entwürfe können eindeutig der Künstlerin zugeordnet werden, treten jedoch unter gemeinsamen Namen auf. Zu den originellsten Entwürfen gehört eine nicht ausgeführte Skulptur für das Internationale Congress Centrum Berlin in der Form eines ausgreifenden, baumähnlichen Kandelabers. Technik und Formensprache der Künstlerin blieben auch in dem nach 1970 unter gemeinsamer Signatur firmierenden Werk maßgeblich. Einzige gemeinsame Arbeit des Paares in der Ausstellung ist die Plastik „Mitternacht“ von 1991, bei der dünne Metallstäbe zu fließenden Raumgebilden erwachsen. Es war die Zeit, in der von Berlin aus Matschinsky-Denninghoffs prägnante raumgreifende Werke im öffentlichen Raum die Welt eroberten.
Die Ausstellung „Brigitte Meier-Denninghoff. Skulpturen und Zeichnungen 1946-1970“ ist bis zum 8. August zu sehen. Die Berlinische Galerie hat täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Wienand Verlag erschienen, der den Nachlass des Künstlerduos erstmals auswertet und im Museum 29,80 Euro kostet.
Berlinische Galerie
Alte Jakobstraße 124-128
D-10969 Berlin
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