Kunstwerk von Shahbazi für Schweizerische Nationalbibliothek  |  | Shirana Shahbazi wird ihr Werk „Sedimente“ für die Schweizerische Nationalbibliothek gestalten | |
Die Schweizerische Nationalbibliothek in Bern soll im Rahmen ihrer Gesamtsanierung ein neues Kunstwerk erhalten. Gewinnerin des Kunst am Bau-Wettbewerbs ist Shirana Shahbazi mit ihrem Projekt „Sedimente“. Darin verbindet die Züricher Künstlerin institutionelle Aufgaben wie Sammlung, Erhalt und Vermittlung mit einer Reflexion der Architektur als „gebautes Gedächtnis“ aus der Zeit des Neuen Bauens. Shahbazi will in den Lesesälen abstrakte Kompositionen an den Wänden anbringen, die mit rechteckigen und quadratischen Strukturen Motive von Büchern und Regalen sowie architektonische Strukturen aufgreifen. Um das Freilegen von Wissens- und Zeitschichten zu verbildlichen, will sie dafür die Sgraffito-Technik nutzen. Hierbei werden mehrere Schichten farbiger Putze und Anstriche auf eine Wandfläche aufgetragen, um später das Motiv in die oberen Lagen einzuritzen. Shahbazis Vorschlag überzeugte die Jury insbesondere durch seine denkmalpflegerische Sensibilität. Den Innenbereich des achtstöckigen Bücherturms bewertet das Preisgremium als geeigneten Ort für eine Intervention. Er mache das Weiterbauen am Bestand sichtbar, ohne ein zusätzliches Narrativ zu erzeugen. Die Ausführung als Sgraffito greife die handwerkliche Qualität des historischen Betonbaus auf und überführe ihn in die Gegenwart. Somit sei Shahbazis Arbeit als Markierung der aktuellen Transformation lesbar.
Der Wettbewerb wurde im August 2025 vom Schweizerischen Bundesamt für Bauten und Logistik zusammen mit der Eidgenössischen Kunstkommission und im Einvernehmen mit dem Bundesamt für Kultur gestartet. Eingeladen wurden sieben Künstler*innen aus der Schweiz, neben Shahabzi auch Francis Baudevin, Cédric Eisenring, Alex Hanimann, Lauren Huret, Bea Schlingelhoff und Anaïs Wenger. Gesucht wurde ein Werk, das „Austausch und Diskussion fördert und die Nationalbibliothek in ihrer Rolle als Ort der Kulturvermittlung stärkt“. Zugleich soll die Arbeit sensibel in das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1931 integriert werden und Bezug auf die bestehende Architektur und bereits vorhandene Kunst am Bau-Arbeiten nehmen. Die Sanierung und Erweiterung der Nationalbibliothek sollen ab dem Jahr 2027 durchgeführt werden.
Shirana Shahbazi, geboren 1974 in Teheran, studierte von 1995 bis 2000 Fotografie an der Fachhochschule Dortmund und der Züricher Hochschule der Künste und ist besonders für ihre konzeptionellen Werke bekannt, die Fotografie, Plakatmalerei oder Seidenteppiche in traditioneller persischer Knüpftechnik umfassen. Ihre oftmals politischen Arbeiten wurden sowohl in Deutschland als auch international bereits mehrfach ausgestellt, zum Beispiel ihre Installation „Die Verkündigung“ 2003 auf der Biennale in Venedig. 2002 erhielt Shahbazi den Fotopreis der Deutschen Börse, 2019 den Prix Meret Oppenheim. |