Institutionen warnen vor AfD-Kulturpolitik  |  | Das Bauhaus steht schon länger im Kreuzfeuer der AfD | |
Zahlreiche Kulturinstitutionen in Sachsen-Anhalt schlagen Alarm und warnen vor einer „neuen patriotischen Kulturpolitik“ der AfD in ihrem Bundesland. Anlass ist das jüngst verabschiedete „Regierungsprogramm“ der Partei, mit dem sie in den Wahlkampf zieht. In dem Beschluss der AfD sehen die Institutionen den Versuch, historisches Erinnern, Kunst und kulturelle Vielfalt an nationalistischen Leitbildern und Identitätsvorgaben auszurichten, und eine Gefährdung für die Freiheit der Kunst, die Offenheit kultureller Institutionen und die demokratisch verankerte Erinnerungskultur. Die darin festgelegten Prämissen würden den Kulturbegriff grundlegend verschieben: „Kultur wird nicht mehr als offener, pluraler Raum verstanden, sondern verengt sich deutlich. Sie wird Instrument zur Herstellung einer parteipolitisch definierten kollektiven Identität. Kultur erscheint in diesem Fall als Ausdruck einer ethnisch homogenen Volksgemeinschaft, deren angebliche ‚Identitätsstörung‘ durch eine ‚selbstbewusste deutsche Identität‘ überwunden werden soll. In dieser Ausrichtung treten Elemente einer völkisch-nationalistischen Kulturauffassung deutlich hervor.“
Die heute veröffentlichte Stellungnahme, die unter anderem die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, die Stiftung Bauhaus Dessau, das Theater Magdeburg, die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, das Kunstmuseum Moritzburg, die Franckeschen Stiftungen, das Technik Museum Magdeburg oder der Museumsverband Sachsen-Anhalt unterzeichnet haben, listet mehrere Bereiche auf, in denen die AfD die Institutionen stärker an die „kulturelle Identität“ binden will. So soll die Kulturförderung an nationale Identitätsbildung gekoppelt und als „antideutsch“ geltende Kunst ausgeschlossen werden. Insbesondere Theater sollen stärker „deutsche Stücke“ berücksichtigen. Selbst von Vereinen, die eine Landesförderung beantragen, werde zukünftig ein „glaubhaftes Bekenntnis“ zu einer „patriotischen Grundhaltung“ erwartet.
Auch im Umgang mit der künstlerischen Moderne zeige sich eine deutliche Abgrenzung der AfD. Das Bauhaus werde als Ausdruck von „Identitätslosigkeit“ dargestellt und ihm eine „#deutschdenken“-Kampagne entgegengesetzt, die moderne Strömungen delegitimiere und durch staatliche Leitbilder ersetze. Bei der bestehenden Erinnerungskultur sehe die Partei eine „Verewigung eines Schuldkomplexes“, der die „Möglichkeiten einer stabilen nationalen Identitätsbildung verbaut“ habe. Zur „Heilung“ dieser „Identitätsstörung“ werde eine stärkere Fokussierung auf die „guten Seiten der deutschen Geschichte“ gefordert. Damit verschiebt sich laut Organisatoren der Fokus von einer differenzierten, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden Erinnerungskultur hin zu einer selektiven Geschichtsdarstellung, in der die deutsche NS-Vergangenheit systematisch geschönt wird. Insgesamt folge diese Programmatik einem klar erkennbaren Muster: Erinnerung wird selektiv umgedeutet, Kunst normiert, Institutionen ab- und umgebaut und Förderung politisch instrumentalisiert. |