Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 19.05.2026 Auktion 1286: Schmuck & Uhren

© Kunsthaus Lempertz

Anzeige

Das flanierende Paar / Max Stern

Das flanierende Paar / Max Stern
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Kult der Schönheit: Godwin, Wilde und das Aesthetic Movement in Berlin

Edward William Godwin, Buffet, 1867

Das Berliner Bröhan-Museum behandelt in der Ausstellung „Edward W. Godwin und Oscar Wilde. Dandys Dekadenz Moderne“ zwei bedeutende Akteure des „Aesthetic Movement“, das maßgeblich zu der Entstehung der gestalterischen Moderne beigetragen hat. Ausgehend von der beispielhaften Verbindung von Kunst, Design und Lebensstil, die Godwin und Wilde kultivierten, beleuchtet das Kuratorenteam Tobias Hoffmann, Fabian Reifferscheidt und Theresa Augustin die ästhetischen und gesellschaftlichen Grundlagen dieser Bewegung sowie ihre Einflüsse auf die Entwicklung des Designs, die sich weit über das 19. Jahrhundert und einzelne Disziplinen erstreckten. Anhand zahlreicher Leihgaben wird der Künstler so als „Dandy zwischen Dekadenz und Moderne“ thematisiert.

Die intellektuell fundierte Bewegung des Ästhetizismus, die etwa von 1890 bis 1920 andauerte, identifizierte das Streben nach Schönheit und Geschmackserhöhung als Hauptziel der Kunst. Ähnlich wie beim Dandytum war es das Ziel, das Leben zum Kunstwerk zu machen. Alle Bereiche wie Habitus, Ausdrucksweise, Kleidung, Wohnung und Lebensweise sollten sich durch eine extreme Verfeinerung und Manieriertheit vom Leben der breiten Masse unterscheiden. Einer ihrer bedeutendsten Anhänger war der Architekt und Möbeldesigner Edward William Godwin, der 1833 in Bristol geboren wurde und Ruhm durch seine progressiven, teilweise radikalen Entwürfe erlangte. Während sich seine früheren Werke stark an der Gotik orientierten, war Godwin einer der ersten Designer, der das europäische Gestaltungsrepertoire durch japanische Einflüsse erweiterte, was zu der Entstehung des anglo-japanischen Stils führte. Die meist ebonisierten, klar gegliederten und ornamentlosen Möbel dieser Stilrichtung werden als frühe Beiträge zur Entwicklung des modernen Designs in Europa gesehen.

Godwins Buffetschrank aus dem Jahr 1867, der auch der Teil Ausstellung ist, spiegelt die charakteristischen Merkmale dieses Stils anschaulich wider: Das dunkle Möbelstück besteht aus einem Sideboard und einem Aufsatz mit zwei weiteren Fächern. Eindrucksvoll ist hierbei die große Aussparung im Zentrum des Möbelstücks. Godwin übernahm hiermit vor allem den Gedanken der Leere aus der japanischen Gestaltung. Während vorherige Möbel weitaus kompakter waren, arbeitete der Architekt hier mit einer offeneren Konstruktion, die durch die beinahe freischwebenden Schrankfächer auch das Prinzip von Tragen und Lasten betont. Weitere Inspirationen fand Godwin in antiker und frühgotischer Architektur, archäologischen Funden, im Schaffen Shakespeares, der Industrie und Wissenschaft sowie seiner eigenen Fantasie.

Im viktorianischen England wurde Inneneinrichtung zunehmend als Medium der Selbstrepräsentation angesehen, was Edward William Godwin in seinen Möbelstücken aufgriff. Vorgefundene Formen veränderte, steigerte, reduzierte oder kombinierte er seinen eigenen Bedürfnissen entsprechend neu. Im Kontext der viktorianischen Gestaltung sind seine Designs ausgesprochen ungewöhnlich. Godwin schuf diese „Art Furniture“ für ein ebenso hochgebildetes Publikum, das seine subtilen Bezüge auf außereuropäische Kulturen erkannte und zugleich wohlhabend genug war, um solche Stücke zu erwerben. Godwin war zusätzlich als Kostümbildner, Autor, Archäologe, Antiquar und Innenraumgestalter tätig, weshalb sein Werk sowohl disziplinäre Grenzen als auch soziale Konventionen überschritt.

Der brillante Schriftsteller Oscar Wilde, 1854 in Dublin geboren, wurde von einem Bewunderer zu einem engen Freund und Sinnesgenossen Godwins, weil sie das Verlangen nach einer Ästhetisierung des Alltags teilten. Aufgrund seiner Sprachgewandtheit und seines extravaganten Auftretens wurde er im sittsamen England gleichzeitig bewundert und verleumdet. Als „Prophet des Ästhetizismus“ schrieb und predigte er über seine Überzeugungen, beispielsweise in dem Vorwort zu seinem Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“. Durch seinen öffentlich inszenierten Lebensstil prägte Wilde den viktorianischen Zeitgeist zwischen Dandytum und Dekadenz, was mit Godwins Überzeugungen harmonierte.

Das künstlerische Werk beider Männer ist von ihrer umfassenden Bildung und starker Wissbegier in den Bereichen der Architektur, Kunst- und Kulturgeschichte bestimmt. In ihrer Freundschaft und Arbeit inspirierten sie sich gegenseitig, wobei die gemeinsam gestaltete Wohnung von Wilde in der Londoner Tite Street als Höhepunkt gesehen wird. Radikal war ihr Bruch mit dem damals gängigen Einrichtungsstil, indem sie etwa das Speisezimmer in verschiedenen Weißtönen strichen und darin weiß lackierte Möbel platzierten. Die Ausstellung verbildlicht die Verbindung der beiden Künstler durch Godwins Möbel-, Interieur- und Architekturentwürfe, die von Aphorismen Wildes begleitet und kommentiert werden, wobei durch ästhetizistische Mittel ihre gestalterische Haltung visualisiert werden soll.

Die Ausstellung „Edward W. Godwin und Oscar Wilde. Dandys Dekadenz Moderne“ läuft bis zum 30. August. Das Bröhan-Museum hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6 Euro, für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist er kostenfrei. Der Katalog aus Wienand Verlag kostet im Museum 28 Euro.

Bröhan-Museum
Schlossstraße 1a
D-14059 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 326 906 00


16.04.2026

Quelle: Kunstmarkt.com/Lara Schauer

Zurück

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an




Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 17

Seiten: 1  •  2

Events (1)Adressen (1)Kunstsparten (2)Stilrichtungen (2)Variabilder (10)Künstler (1)

Veranstaltung vom:


02.04.2026, Edward W. Godwin und Oscar Wilde. Dandys Dekadenz Moderne

Bei:


Bröhan-Museum

Kunstsparte:


Möbel

Kunstsparte:


Design

Stilrichtung:


Jugendstil

Stilrichtung:


Moderne Kunst

Variabilder:

Edward William Godwin, Plate No. 6 in „Art Furniture“, 1877
Edward William Godwin, Plate No. 6 in „Art Furniture“, 1877

Variabilder:

Edward William Godwin, Sitzbank mit Korbgeflecht, 1875
Edward William Godwin, Sitzbank mit Korbgeflecht, 1875

Variabilder:

Edward William Godwin, Vitrine, um 1875
Edward William Godwin, Vitrine, um 1875








News vom 07.05.2026

Sophie Haslinger leitet Fotomuseum Winterthur

Sophie Haslinger leitet Fotomuseum Winterthur

Musée d’Orsay zeigt Beutekunst

Musée d’Orsay zeigt Beutekunst

René Groebli gestorben

René Groebli gestorben

News vom 06.05.2026

Neumeister schließt

Neumeister schließt

Die Entwicklung homosexueller Identitäten im 19. Jahrhundert

Die Entwicklung homosexueller Identitäten im 19. Jahrhundert

Kjartansson bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen

Kjartansson bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen

Manifesta stellt neues Leitungsteam vor

Manifesta stellt neues Leitungsteam vor

News vom 05.05.2026

Bahc und Pietschmann erhalten Preise der Stiftung Kunstfonds

Bahc und Pietschmann erhalten Preise der Stiftung Kunstfonds

Schweiz restituiert Hodler-Landschaft

Schweiz restituiert Hodler-Landschaft

Bild und Ton: Wiener Ausstellung zu Vally Wieselthier

Bild und Ton: Wiener Ausstellung zu Vally Wieselthier

Iran sagt Teilnahme an der Biennale in Venedig ab

Iran sagt Teilnahme an der Biennale in Venedig ab

 zur Monatsübersicht



Anzeigen

Marktspiegel

News

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus - Auktionshaus Neumeister in München

Auktionshaus Neumeister stellt Geschäftsbetrieb ein
Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Kunsthaus Lempertz - Alexander Kips, Monumentale königliche Prunkvase, KPM Berlin 1895

Die Lempertz-Jubiläumsauktion bringt eine Prunkvase nach Berlin zurück
Kunsthaus Lempertz





Copyright © '99-'2026
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce