Museum Wiesbaden erweitert Jawlensky-Sammlung  |  | Alexej von Jawlensky, Bahnhof-Füssen im März, 1905 | |
Das Museum Wiesbaden hat das Gemälde „Bahnhof-Füssen im März“ von Alexej von Jawlensky erworben. Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Hessischen Kulturstiftung konnte die Landschaft aus dem Jahr 1905 für 350.000 Franken aus dem Nachlass des Malers angekauft werden. Durch den Erwerb dieses seltenen Frühwerks konnte nun eine Bestandslücke geschlossen werden, die sowohl für den Künstler als auch für die deutsche Kunstgeschichte einen bedeutenden Wendepunkt markiert. Da der Expressionist ab 1921 bis zu seinem Tod in Wiesbaden lebte, setzt das Museum einen Forschungsschwerpunkt auf sein Œuvre, wodurch es mittlerweile die weltweit bedeutendste Jawlensky-Sammlung mit 116 Arbeiten beherbergt.
Alexej von Jawlensky experimentierte im Laufe seiner Karriere mit verschiedenen Stilrichtungen. Anfangs war seine Kunst dem Realismus verpflichtet, um 1900 ging er zum Impressionismus über, bevor er sich, inspiriert von Vincent van Gogh und Paul Cézanne, dem Expressionismus und der Abstraktion zuwandte. Der „Bahnhof-Füssen im März“ gehört zu den zwölf bekannten Füssen-Bildern, die genau diesen Wechsel erfahrbar machen. Während seines zweiwöchigen Aufenthalts in der Allgäuer Stadt im Frühjahr 1905 beschäftigte sich Jawlensky intensiv mit der Malerei van Goghs, was anhand des flächigen Aufbaus der Landschaft, der Nutzung des Pinselduktus als eigenständiges gestalterisches Mittel und der klareren Farbgebung deutlich wird. Laut Roman Zieglgänsberger, Kustos der Klassischen Moderne am Museum Wiesbaden, sind einige der in Füssen entstandenen Bilder noch dem Impressionismus zuzuordnen, während andere bereits diese neue Auffassung zeigen. Hiermit war Jawlensky der erste deutschsprachige Maler, der Stilelemente van Goghs in seiner Kunst implementierte. Der „Bahnhof-Füssen im März“ deutet nicht nur eine Neuerung Jawlenskys Karriere, sondern auch für die deutsche Kunstgeschichte an.
Timon Gremmels, Hessischer Minister für Kunst und Kultur, betonte die Wichtigkeit des Neuzugangs: „Mit dem Ankauf des Gemäldes ‚Bahnhof-Füssen im März‘ erweitert das Museum Wiesbaden seine herausragende Jawlensky-Sammlung um ein ganz wesentliches Werk, das aus einer Schaffensphase des Künstlers stammt, die bislang hier nicht vertreten war. Ein Erwerb aus dieser Größenordnung ist in Zeiten, in denen die Haushaltslage so angespannt ist wie aktuell, alles andere als selbstverständlich.“ Zugleich bedankte sich Gremmels bei den Unterstützern, die den Ankauf möglich gemacht haben. Im Herbst 2027 soll das Kunstwerk eine zentrale Rolle in der Ausstellung „Alexej von Jawlensky. Privat“ spielen, in der das Museum den Künstler und sein Schaffen neu präsentieren möchte. |