Hagen bringt Rupprecht Geiger und Emil Schumacher zusammen  |  | in der Ausstellung „Rupprecht Geiger. Farbe – Licht – Energie“ | |
Schon der Titel der Schau „Rupprecht Geiger. Farbe – Licht – Energie“ im Emil Schumacher Museum Hagen lässt Kunstkenner an die Varianten strahlend leuchtender Farbfelder und -räume denken, die der Münchner Künstler modulierend in Rechtecken oder Kreissegmenten auf den Betrachter einwirken lässt. Da stellt sich unmittelbar die Frage nach der Verbindung der beiden befreundeten Maler Rupprecht Geiger und Emil Schumacher. Das Schaffen beider zeigt sich abstrakt, doch höchst verschieden: Dem gestisch-expressiven, informellen Bildern Schumachers steht nun im Obergeschoss des Museums Geigers Ausdruckskraft der reinen Farbe gegenüber. Bei näherem Augenschein offenbaren sich die Wurzeln der beiden Hauptvertreter gegenstandsloser Kunst nach 1945 in Deutschland in der Landschaft, die sie aber auf unterschiedliche Weise abstrahieren. Diese Gemeinsamkeit führte zu einer starken gegenseitigen Wertschätzung und dem Austausch von Werken.
Ausgangspunkt der von Julia Geiger, der Enkelin des Künstlers, und Museumsdirektor Rouven Lotz kuratierten Werkübersicht aus 70 Exponaten bildet in der Mitte des Saales ein Kabinett mit frühen Arbeiten des 1908 in München geborenen, ausgebildeten Architekten, der in den 1920er Jahren zeitweise in Spanien lebte. Von recht neusachlich inspirierten Zeichnungen in einem Jugendtagebuch von 1923 über düstere, mit bedrohlichen Wolken aquarellierte Felder und Hügelgegenden während seiner Kriegseinsätze in Polen, Russland, der Ukraine und Griechenland im Jahr 1941, eine von surrealen Landschaften durchzogene Phase um 1947 bis hin zu selten gezeigten Grafitzeichnungen aus dem Jahr 1949, in dem Geiger als Mitbegründer der Gruppe ZEM 49 auftrat, sind hier kompakt die Anfänge der ersten Schaffensphasen vereint. Um dieses Zentrum versammeln sich chronologisch die weiteren Tendenzen nachfolgender Jahrzehnte, die nach Aufgabe seiner von 1949 bis 1962 ausgeübten Profession als Architekt voll aufblühten.
Deutlich wird, wie sehr Rupprecht Geiger dabei spezifischen Fragestellungen nachging. Besonders im Fokus standen dabei das Verhältnis von Fläche und Form, Farbe und Umgebung, von Kontrast und Modulation. Er konzentrierte sich auf formale Reduktionen von Rechteck, gedrückten Kreisen oder das Oval. Dabei intensivierte er die Wirkung der Farbe, besonders der Farbe Rot, die als farbiges Licht oder energetisches Feld erfahrbar wird. Das Rot stellt bei ihm nichts dar, sondern tritt als unmittelbare Wahrnehmung mit hoher Präsenz, körperlicher Spürbarkeit oder räumlicher Wirksamkeit auf. In der Form von modulierenden Farbflächen aus Tagesleuchtpigmenten trieb Geiger diese Idee auf die Spitze, lässt das ovale oder runde Bildformat optisch wellen und den Betrachter bei allzu intensiven Hinsehen in Unsicherheit fallen. Farbe verstand der im gesegneten Alter von fast 102 Jahren 2009 in München verstorbene Künstler als geistige Energie, als „Licht in reiner Potenz“, dem er zur Erfahrbarkeit verhelfen wollte. „Rot ist Leben, Energie, Potenz, Macht, Liebe, Wärme, Kraft. Rot macht high“, sagte Geiger 1975.
Die Ausstellung „Rupprecht Geiger. Farbe – Licht – Energie“ ist bis zum 7. Juni zu sehen. Das Emil Schumacher Museum hat täglich außer montags von 12 bis 18 Uhr geöffnet; aufgrund dringender Sanierungsarbeiten bleibt das Haus vom 21. bis einschließlich 23. April geschlossen. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4,50 Euro; für Personen unter 18 Jahren ist er frei. Der Katalog kostet im Museum 30 Euro.
Emil Schumacher Museum Hagen
Museumsplatz 1-2
D-58095 Hagen
Telefon: +49 (0)2331 – 30 60 066 |