Rudi-Seitz-Kunstpreis für Max Geisler  |  | Der Rudi-Seitz-Kunstpreis 2026 geht an Max Geisler | |
Max Geisler hat den Rudi-Seitz-Kunstpreis 2026 erhalten. Der 1990 in Frankfurt am Main geborene und heute in Berlin lebende Künstler darf sich nun über ein Preisgeld von 5.000 Euro freuen. Für Geisler sprach sich der Frankfurter Galerist Andreas Greulich aus, der das Schaffen des Preisträgers seit Jahren verfolgt: „Ich habe Max Geislers Arbeit 2019 bei der Ausstellung ‚And This is Us‘ im Frankfurter Kunstverein zum ersten Mal gesehen – und bin buchstäblich in seine Installation geraten. Man betrat keinen Ausstellungsraum, man lief in etwas hinein. Das war einer jener seltenen Momente, in denen Verwirrung und ästhetischer Schock zusammenfallen und echte Begeisterung auslösen. Seitdem verfolge ich sein Werk. Geisler hat eine unverwechselbare Sprache entwickelt: Bild und Raum entstehen bei ihm im selben Akt, die Zerstörung ist das Malen. Er ist genau der Künstler, dem dieser Preis nützt – und den dieser Preis verdient.“
Geisler denke Malerei vom Raum her, so Greulich weiter. „Seine Arbeiten sind nicht Bilder, die an der Wand hängen – sie greifen in den Raum ein, schaffen Situationen, verändern die Wahrnehmung dessen, was vor und hinter der Bildfläche passiert.“ Max Geisler, der an der Hochschule für Gestaltung Offenbach bei Gunter Reski und Adam Jankowski studiert hat, arbeitet an der Schnittstelle von Malerei, Skulptur und Architektur und kreiert begehbare Bildräume, die einer scheinbar paradoxen Logik folgen: Er baut sie, um den Eindruck der Zerstörung zu erwecken. Dazu errichtet Geisler Trockenbauwände nicht immer nach handwerklichen Maßstäben. Immer wieder bricht er die Wände auf, reißt sie durch und überzieht die zerstörten Flächen mit Farbe aus der Spraydose. Das Armierungsgewebe, sein zentrales Material, erzeugt zusammen mit Farbe einen Moiré-Effekt: Man weiß nicht mehr, ob man eine Wand oder ein Bild sieht, Struktur oder Fläche, Architektur oder Malerei.
In der Corona-Pandemie entstanden Zeltarbeiten. Dabei griff Geisler auf handelsübliche Wurfzelte zurück, bemalte und deformierte sie und schuf derart Werke, die zwischen Wandobjekt und freier Skulptur pendeln. Das Zelt ist für Geisler das Provisorium schlechthin und verweist auf die großen Massenbewegungen des 20. und 21. Jahrhunderts: Tourismus und Flucht, Arbeits- oder Klimamigration. Bei Geisler wird es zur Skulptur, deren Herkunft noch erkennbar ist, aber vollständig außer Kraft gesetzt wurde. In den jüngeren Arbeiten ist Geislers Kunst zurückhaltender geworden: Die großen Farbgesten treten zurück, die Farbe Weiß und die Leere haben die zentralen Positionen übernommen. Auch seine abstrakten Gemälde, die an etwas Gesehenes oder Natürliches erinnern, enthalten zahlreiche Leerstellen. Geisler versteht sie als Zwischenzustände, die von Orten und Begegnungen, von den Spuren der Menschen, vom Innen und Außen, von Zerstörung und Wiederaufbau berichten.
Die Frankfurter Malakademie e.V. und die Friedrich Wilhelm Meyer-Stiftung e.V. vergeben den Rudi-Seitz-Kunstpreis alle zwei bis drei Jahre an Künstlerinnen und Künstler, die eine eigenständige vielversprechenden künstlerische Position entwickelt haben, einen Bezug zu Frankfurt aufweisen und deren Werk noch am Beginn einer breiteren öffentlichen Wahrnehmung steht. Er erinnert an Rudi Seitz, der als Kulturvermittler der Frankfurter Kunstszene zeitlebens Künstlerinnen und Künstler förderte. Max Geisler ist der sechste Preisträger. Neben dem Preisgeld erhält Geisler auch die Katalogpublikation „What was left“. |