Fotografinnen des Bauhauses in Berlin  |  | Gertrud Arndt, Selbstporträt im Atelier, 1926 | |
In Zusammenarbeit mit dem Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung macht das Museum für Fotografie in Berlin in der Schau „Neue Frau, Neues Sehen“ auf das umfangreiche Wirken von Fotografinnen am Bauhaus aufmerksam. Dazu hat Kristin Bartels, Kuratorin der Ausstellung und Sammlungsleiterin am Bauhaus-Archiv, circa 300 Lichtbilder ihres Hauses zusammengeführt und dabei kunst- und medienhistorische Fragen zu Themen wie Autorschaft, Sichtbarkeit und gesellschaftlicher Teilhabe gesetzt. Den Gästen der Schau werden viele Motive bekannt sein, die Namen der Künstlerinnen eher weniger. Dies will die Ausstellung ändern und das Werk der 29 Bauhaus-Fotografinnen, darunter Irene Bayer-Hecht, Irena Blühová, Barbara Crane, Ise Gropius, Etel Mittag-Fodor, Lony Neumann oder Ré Soupault, würdigen. Die Künstlerinnen thematisierten ihre Umgebung, hielten viele Motive in teils neuen und ungewohnten Perspektiven fest. Die Sujets reichen von gegenständlichen Architekturbildern über Stillleben bis zur abstrakten experimentellen Ausprägungen. Ein Schwertpunkt der Schau liegt auf der Portraitfotografie, etwa wie sich die Fotografinnen selbst und ihre Kommilitoninnen vor dem Hintergrund eines gewandelten Frauenbilds inszenierten. Hinzu kommen Lichtbilder des New Bauhaus der 1940er Jahre aus dem Institute of Design in Chicago, außerdem zeitgenössische Werke der Fotografinnen Kalinka Gieseler, Caroline Kynast und Sinta Werner, die sich mit den Positionen ihrer Vorgängerinnen auseinandersetzen.
Während der Weimarer Republik, einer Zeit des gesellschaftlichen und kulturellen Aufbruchs, wandelte sich die Rolle der Frau und stellte tradierte Werte infrage: 1918 wurde das Frauenwahlrecht eingeführt und damit eine neue politische Teilhabe möglich; zudem strebten immer mehr Frauen berufliche Selbstverwirklichung und ökonomische Freiheit an. Hier tat sich die Fotografie als Chance auf, da sie neben künstlerischer Freiheit und einem eigenen Einkommen auch zu einem Mittel der Selbstermächtigung avancierte. Die Zahl der Fotografinnen stieg stetig an. Daher bot auch das Bauhaus in Dessau ab 1929 eine Fotoklasse an. Etwa der Hälfte der Studierenden dieses Kurses waren Frauen. Bereits vorher spielten Fotografinnen eine wichtige Rolle für das Bauhaus: So bewarben etwa Profis wie Paula Stockmar, das von Frauen geleitete Atelier Hüttich-Oemler oder Lucia Moholy bereits die Produkte und Werke der einflussreichen Kunst-, Design- und Architekturschule.
Mit der Verbreitung der Kleinbildkamera ab 1925 interessierten sich immer mehr Studenten am Bauhaus für das Medium. Viele Studentinnen beobachten ihre Umgebung durch die Kameralinse, so lichtete sich Marianne Brandt unter anderem in ihrem Atelier mehrfach ab, darunter 1928/29 aus der Vogelperspektive und verzerrt als Spiegelung auf drei Kugeln. Grit Kallin-Fischer betonte in ihrem „Selbstporträt mit Zigarette“ um 1928 die für das Neue Sehen so wichtige Diagonale. Gertrud Arndt experimentierte 1930 in ihrem „Maskenfoto Nr. 16“ mit Stofflagen als Masken und Doppelbelichtung. Ivana Meller-Tomljenovic nahm im selben Jahr das Foto „Auf dem Bau“ auf und dokumentierte damit einen Arbeiter, der in luftiger Höhe auf einem unfertigen Gebäude steht und von vertikalen, diagonalen und horizontalen Bauelementen gerahmt wird. Im modernen männlichen Kurzhaarschnitt trennte sich Florence Henri in ihrem „Selbstporträt im Spiegel“ von 1928 in Brusthöhe von ihrem Unterkörper ab, legte aber als Reminiszenz an ihre Weiblichkeit zwei Metallkugeln vor den Spiegel.
Die Ausstellung „Neue Frau, Neues Sehen. Die Bauhaus-Fotografinnen“ läuft bis zum 4. Oktober. Das Museum für Fotografie Berlin hat täglich außer montags von 11 bis 19 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 6 Euro und ist für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei.
Museum für Fotografie
Jebensstraße 2
D-10623 Berlin
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