DHM gibt Gemälde aus DDR-Enteignung zurück  |  | Adolf Jebens, Leopold von Ranke, 1876 | |
Das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin hat ein Portrait des Historikers Leopold von Ranke an die Familie von der Schulenburg restituiert. Das 1876 von Adolf Jebens gemalte Konterfei wurde zu Zeiten der Sowjetischen Besatzungszone zusammen mit Schloss Lodersleben in Querfurt enteignet. Raphael Gross, Präsident der Stiftung DHM, erklärte: „Für das DHM ist es ein wichtiges Anliegen, die Eigentumsverhältnisse und die Umstände der Erwerbung von Objekten in der Zeit der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR systematisch auf Enteignung hin zu überprüfen. Es freut mich deshalb sehr, dass es uns gelungen ist, die Herkunftsgeschichte des Gemäldes im Detail nachzuvollziehen und das Werk nun an seine rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben.“ Christoph von der Schulenburg, ein Nachfahre Rankes, dankte dem DHM für die Forschung in Eigeninitiative und die Bereitschaft, Sammlungsobjekte zurückzugeben, und sagte, dass das Gemälde von großer persönlicher Bedeutung sei.
Während der Provenienzrecherchen des Museum fiel auf der Rückseite des Portraits ein kleiner Zettel mit der Aufschrift „Lodersleben“ auf, der die Suche nach den Vorbesitzern des Gemäldes einleitete. Dokumente der Archive des DHM und des Landesarchivs Sachsen-Anhalt belegten die Übernahme des Ölbildes in das Museum für Deutsche Geschichte (MfDG), dem nationalen Geschichtsmuseum der DDR, aus dem Inventar des Schlosses Lodersleben in Querfurt. Das im Schulenburgischen Besitz befindliche Schloss war 1945 im Rahmen der Bodenreform verstaatlicht worden. Im Zuge der Wiedervereinigung gelangten dann die Sammlungen des MfDG 1990 in das 1987 gegründete DHM.
Leopold von Ranke, 1795 in Wiehe im Nordosten Thüringens geboren und 1865 in den Adelsstand erhoben, war Historiker, Hochschullehrer und einer der Gründerväter der modernen Geschichtswissenschaft. Ab 1824 lehrte Ranke an der Universität in Berlin und forschte unter anderem in den Archiven des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches in Wien. 1832 wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, 1841 erhob ihn König Friedrich Wilhelm IV. zum Historiografen des Preußischen Staates. Zu den Schülern Rankes an der Universität in Berlin gehörte auch der spätere König Maximilian II. Joseph von Bayern, der seinen Lehrer 1858 zum Präsidenten der frisch gegründeten Historischen Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannte. Aufgrund einer Sehbehinderung musste Ranke 1871 Lehrtätigkeit aufgeben, forschte jedoch privat bis zu seinem Tod 1886 in Berlin weiter. |