Französische Zeichnungen der Aufklärung in Stuttgart  |  | Michel-François Dandré-Bardon, Männlicher Halbakt mit ausgestrecktem linkem Arm, um 1725 | |
Mit ihrer aktuellen Schau „Generation 1700 “ widmet sich die Staatsgalerie Stuttgart dem Zeichenunterricht an der Königlichen Akademie in Paris. Anlass für die Ausstellung ist das 75jährige Bestehen des „Institut français Stuttgart“, das in diesem Jahr gefeiert wird. Im Fokus steht das Zeichnen nach dem lebenden Modell zwischen Disziplin, Wissenschaft und künstlerischer Entwicklung. Dafür präsentiert Kuratorin Nora Belmadani 70 Zeichnungen und Druckgrafiken aus dem 18. Jahrhundert, viele von ihnen erstmals öffentlich, und konzentriert sich dabei auf die Epoche der französischen Aufklärung.
Das 18. Jahrhundert war in Frankreich von gravierenden gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt: Das Bürgertum befreite sich vom Absolutismus, Gedanken der Aufklärung gewannen an Beliebtheit. Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wurden populär. Das hatte auch Auswirkungen auf die Kunst, und so wurde das Zeichnen selbst zum Medium der Befreiung. Junge Künstler der prestigeträchtigen „Académie royale de peinture et de sculpture“ in Paris studierten nicht mehr nur die menschliche Anatomie, um die Muskulatur und Struktur des Körpers zu verstehen, sondern nutzten ihn, um mit rationaler Erkenntnis einen Ausdruck von individuellen Ideen zu vermitteln.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht Michel-François Dandré-Bardon als einer der bedeutendsten Künstler der französischen Aufklärung. Er wurde 1700 in Aix-en-Provence geboren und ging 1719 an die Königliche Akademie nach Paris, wobei das Zeichnen dort als wichtige Grundlage aller Künste galt. Mit 53 Jahren wurde Dandré-Bardon selbst Professor an der Kunstschule. Durch sein Verständnis und feines Gespür für Bewegungen und Stofflichkeit arrangierte er den menschlichen Körper in dramatisch komponierten Studien. Seine Werke verbildlichen, wie die strengen Regeln der Akademie Basis für künstlerische Entfaltung waren. Die Staatsgalerie bietet sich für die Ausstellung besonders an, da das Haus einen der größten Grafikbestände von Dandré-Bardon in Europa besitzt. Daneben hat Nora Belmadani Werke seiner Zeitgenossen wie Carle Vanloo, Charles-Joseph Natoire und Nicolas Guibal ausgewählt.
Die Ausstellung „Generation 1700 – Zeichnen an der Königlichen Akademie in Paris“ läuft bis zum 30. August. Die Staatsgalerie Stuttgart hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro. Mittwochs ist der Eintritt für alle frei.
Staatsgalerie Stuttgart
Konrad-Adenauer-Straße 30-32
D-70173 Stuttgart
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