Malerstar Georg Baselitz gestorben  |  | Georg Baselitz ist mit 88 Jahren gestorben | |
Georg Baselitz ist tot. Laut der Galerie Thaddeus Ropac ist Maler, Grafiker und Bildhauer, der zu den wichtigsten deutschen Künstlern der Gegenwart zählt, heute friedlich eingeschlafen. Er wurde 88 Jahre alt. Er sei ein Gigant und ein wegweisender Erneuerer der zeitgenössischen Kunst, der während seiner gesamten Karriere einen tiefgreifenden Einfluss auf seine Künstlerkollegen und die internationale Kunstwelt ausübte, würdigte die Galerie den Verstorbenen. „Seine Kunstwerke, die in den bedeutendsten Museumssammlungen weltweit zu finden sind, werden sein Vermächtnis weiterführen.“
Geboren wurde Baselitz am 23. Januar 1938 als Hans-Georg Kern im sächsischen Deutschbaselitz, heute ein Ortsteil der Stadt Kamenz bei Bautzen. Später wählte er seinen Künstlernamen in Referenz auf seinen Geburtsort. 1956 begann er ein Studium der Malerei an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Ost-Berlin bei Herbert Behrens-Hangeler und Walter Womacka. Schon hier zeigte sich seine eigene Persönlichkeit, die ihn in Konflikt mit der vorherrschenden DDR-Kunstdoktorin des Sozialistischen Realismus brachte. So wurde Baselitz nach nur zwei Semestern wegen „gesellschaftspolitischer Unreife“ exmatrikuliert. Danach setzte er sein Studium an der West-Berliner Hochschule der bildenden Künste bei Hann Trier fort und verließ 1958 ganz die DDR.
1962 beendete er sein Studium. Ein Jahr später sorgte er mit einer ersten Einzelausstellung in der Berliner Galerie Werner & Katz für Furore. Seine dort präsentierten Bilder „Die große Nacht im Eimer“ und „Der nackte Mann“ waren explizit sexuell aufgeladen und wurden von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, worauf ihm ein Gerichtsprozess drohte. Später gab Baselitz freimütig zu, dass es sich dabei um einen inszenierten Skandal handelte. Da seine Kunst auf Ablehnung stieß, wollte er damit Interesse und Aufmerksamkeit wecken.
Die ablehnende Haltung in weiten Teilen der Kunstwelt war damals kein Wunder. Herrschte doch in den 1950er und 1960er Jahren die ungegenständliche Kunst vor, der Baselitz nun so gar nicht folgte. Zusammen mit Künstlerkollegen wie Markus Lüpertz oder Eugen Schönebeck baute er eine neue figurative Kunst mit neoexpressiven Zügen auf und verfasste dazu mehrere künstlerische Manifeste. In seinen Malereien pflegte er teilweise eine Ästhetik des Ekels und der Gewalt, in der martialische Helden ihren Platz fanden. In seiner Werkreihe der „Heldenbilder“ setzte er sich mit dem männlichen Heldentum auseinander und schuf desolate, kaputte und zerlumpte Typen, die so gar nicht in die illusorischen und größenwahnsinnigen Ideale des Dritten Reiches und der DDR passen wollten.
Ab Mitte der 1960er Jahre fing Georg Baselitz an, seine Motive in Streifen zu zergliedern und neu zusammenzufügen; seine sogenannten „Frakturbilder“ entstanden. Das mündete 1969 in das erste Gemälde, dessen Sujet auf dem Kopf stand. Derart setzte Baselitz sich mit formal-ästhetischen Problemen auseinander und wollte klassische Sehgewohnheiten aufbrechen. Mit diesen kraftvollen figurativen Schöpfungen wurde Georg Baselitz weltberühmt. In den Jahren 1972, 1977 und 1982 nahm er an der Documenta in Kassel teil, 1980 gestaltete er den deutschen Pavillon bei der Biennale in Venedig. Heute hängen seine Werke in fast allen bedeutenden Museen der Welt.
1977 erhielt Baselitz einen Ruf an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, wo er ein Jahr später eine Professur antrat. 1983 wechselte er an die Kunstakademie in Berlin, und 1986 wurde ihm der Kaiserring der Stadt Goslar überreicht. 1987 folgte die Verleihung der Medaille eines „Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres“ durch den französischen Kulturministers Jack Lang, 2004 der Praemium Imperiale, 2009 die Aufnahme in die Bayerische Akademie der Schönen Künste und 2019 in die französische Académie des Beaux-Arts. Er hatte unzählige Ausstellungen in den wichtigsten Kunstzentren, unter anderem 1983, 1984 und 1991 im Museum of Modern Art in New York, 1995 im Guggenheim Museum in New York, 2007 in den Hamburger Deichtorhallen, 2011 im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, 2016 im Städel in Frankfurt oder 2023 im Kunsthistorischen Museum in Wien. |