Neumeister schließt  |  | Katrin Stoll zieht sich aus dem Auktionswesen zurück und schließt das Auktionshaus Neumeister | |
Ende Oktober wird das Münchner Auktionshaus Neumeister seinen Geschäftsbetrieb einstellen. Katrin Stoll, die geschäftsführende Gesellschafterin des Hauses, begründet ihre Entscheidung mit Änderungen in ihrer Lebensplanung. Da Sondierungsgespräche nicht zielführend waren, ihre Kinder andere berufliche Wege eingeschlagen haben und die Auflösung der privaten Eigentümer- und Erbengemeinschaft innerhalb ihrer Familie ansteht, hat sie sich zu diesem Schritt aus privaten Gründen entschlossen. Die Räumlichkeiten des Auktionshauses in der Barer Straße und auch weitere Liegenschaften wurden bereits verkauft.
Der ausgebildete Jurist Rudolf Neumeister übernahm 1958 das Auktionshaus Weinmüller und legte damit den Grundstein für sein eigenes Unternehmen. In den nächsten Jahrzehnten wurde Neumeister ein integraler Bestandteil des deutschen Versteigerungswesens. Mit gotischen Skulpturen, Augsburger Silber, Barockmöbeln oder Meißner Porzellan lockte der Geschäftsmann nicht nur eine breite Klientel an, sondern konnte auch prominente Persönlichkeiten wie König Hussein und Kronprinz Hassan von Jordanien für sich gewinnen. 1983 trat Neumeisters Tochter Katrin Stoll in das Familienunternehmen ein und übernahm 2008 die Geschäftsanteile ihrer beiden Schwestern. Die 1962 geborene Stoll führte neue betriebswirtschaftliche Strukturen ein, erstellte eine Digitalisierungsstrategie und modernisierte das Geschäft für das 21. Jahrhundert. Mit Objekten aus der Moderne, Nachkriegs- und Gegenwartskunst sowie Noble Sales und Sonderauktionen sorgte sie für Aufsehen.
Neben dem geschäftlichen Zweck legte Katrin Stoll besonderes Augenmerk auf die Provenienzforschung, die sich zu einem essenziellen Teil des Unternehmens entwickelte. Ihre Aufarbeitung der Firmengeschichte hinsichtlich des Vorgängers Adolf Weinmüller in der Nazi-Zeit war ein Meilenstein in der deutschen Provenienzforschung. Dazu ließ sie ein Konvolut von annotierten Auktionskatalogen aus Weinmüllers Münchner und Wiener Versteigerungen, die 2013 in einem Stahlschrank bei Neumeister entdeckt wurden, in Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle für Provenienzforschung in Berlin und der Kommission für Provenienzforschung in Wien durch das Zentralinstitut für Kunstgeschichte digitalisieren und transkribieren. So lässt sich nun die Besitzergeschichte von knapp 94 Prozent der rund 34.500 Objekte, die Weinmüller zwischen 1936 und 1944 angeboten hatte, nachvollziehen und steht für Restitutionsgesuche zur Verfügung.
Trotz ihrer stets engagierten Arbeit schließt Stoll nun das Kapitel des Auktionshauses Neumeister: „Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen. Meine Zeit bei Neumeister, nunmehr 43 Jahre, war eine Phase meines Lebens, die mich unglaublich bereichert hat. Durch die Kunst, aber auch durch die wunderbaren Menschen, die ich in dieser Zeit kennen und schätzen lernen durfte. Ich bedanke mich bei allen Freunden des Hauses und vor allem bei meinen geschätzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, denen ich für ihren weiteren beruflichen Weg alles Gute wünsche.“ Die letzte Versteigerung wird im Juni stattfinden. Sämtliche noch bestehenden Abläufe, Verpflichtungen und Verträge sollen vor der Schließung vollständig beendet werden. Für die Sommerauktion hat Katrin Stoll hinsichtlich der Versteigerungsobjekte einige spektakuläre Überraschungen angekündigt. |