René Groebli gestorben  |  | Der Schweizer Fotograf René Groebli ist gestorben | |
René Groebli ist tot. Der Schweizer Fotograf schied am 5. Mai in seiner Heimatstadt Zürich durch assistierten Suizid aus dem Leben. Er wurde 98 Jahre alt. Groebli litt zuletzt an einem neurologischen Versagen, das sich in Form von Schwindelanfällen äußerte und ihn körperlich stark beeinträchtigte. Den Tod gab seine Züricher Galerie Bildhalle bekannt. Sie würdigte ihn als einen „innovativen, experimentierfreudigen und bis zuletzt unermüdlich schaffenden Künstler und Menschen“. Sein Gesamtwerk habe die Schweizer und internationale Fotografie nachhaltig geprägt und bleibe als fester Bestandteil ihrer Geschichte präsent.
René Groebli kam am 9. Oktober 1927 in Zürich zur Welt. 1944 begann er eine Lehre als Fotograf. Schon ein Jahr später wechselte er an die dortige Kunstgewerbeschule, wo der angesehene Hans Finsler, Gründer und Leiter der ersten Fachklasse für Fotografie, sein Lehrer wurde. Diese Ausbildung brach er Mitte 1946 nach der Probezeit aber ab und erlernte den Beruf eines Dokumentarfilm-Kameramanns, den Groebli aber nie aktiv ausübte. Ab 1949 arbeitete er als Fotoreporter, zunächst für die Zeitung „Zürcher Woche“, später für die Londoner Agentur „Black Star“, die ihn nach Afrika und den Nahen Osten schickte. Seine Fotos wurden etwa in den internationalen Magazinen „Life“, „Illustrated“ und „Picture Post“ veröffentlicht. 1949 entstand auch seine erste künstlerische Fotomappe „Magie der Schiene“ mit fünfzehn Arbeiten in cineastischer Qualität, die Groebli als Hommage an das Reisen mit der damals noch rauchenden und dampfenden Eisenbahn im Eigenverlag „Kubus“ publizierte.
Ab 1953 gab er die Brotarbeit als Fotojournalist auf und trat zunehmend als Autorenfotograf mit eigenen Projekten in Erscheinung. Ein erster Meilenstein war hier 1954 der Bildband „Das Auge der Liebe“, der auf der Hochzeitsreise mit seiner Frau Rita entstand. Hiermit wollte René Groebli eine „romantische Stimmung“ der Liebe einfangen. Doch wurde die Betonung der Nacktheit in den Bildern während der 1950er Jahre von vielen noch zu direkt und sexualisiert empfunden. Erste internationale Erfolge stellten sich ein. So war Groebli ab 1955 neben seinen Schweizer Kollegen Werner Bischof, Robert Frank, Gotthard Schuh und Sabine Weiss in der legendären Ausstellung „The Family of Man“ im Museum of Modern Art in New York vertreten, die heute zum Weltdokumentenerbe zählt.
Doch mit künstlerisch motivierten Projekten ließ sich damals noch nicht genügend Geld verdienen. In der heraufziehenden Farbfotografie, die Groebli sowohl technisch als auch ästhetisch reizte, sah er eine neue Verdienstchance und gründete 1955 in Zürich ein eigenes Studio für kommerzielle Industrie- und Werbefotografie. Seine hervorragend ausgestatteten Räume avancierten mit einem immer größer werdenden Mitarbeiterstamm zu einem Zentrum angewandter Farbfotografie in der Schweiz und darüber hinaus. Viele namhafte Grafikdesigner, darunter Victor N. Cohen und Karl Gerstner, vergaben lukrative Aufträge an Groebli. Er gestaltete Anzeigen, Kalender, Broschüren, Messeauftritte oder Firmenschriften für international tätige Kunden und Marken wie Hoffmann-La Roche, Geigy oder Thomy.
Da ab den 1970er Jahren verstärkt junge Fotografen, darunter auch ehemalige Mitarbeiter Groeblis, eigene Studios eröffneten und der Konkurrenzdruck größer wurde, gab René Groebli die kommerzielle Werbefotografie auf, verkaufte sein Wohn- und Atelierhaus und zog nach Südfrankreich. Hier sichtete er sein bisheriges Werk und widmete sich wieder einer freien Fotografie, was etwa in die Fotobücher „Irland“, „Nudes“, „New York Melancholia“ oder „Die Muschel“ mündete. Zudem kümmerte es sich verstärkt um die Präsentation seiner Bilder, etwa im Centre de la Photographie in Genf, in den Brandenburgischen Kunstsammlung Cottbus oder in der Fotostiftung Schweiz. 1999 veranstaltete das Kunsthaus Zürich für ihn eine Retrospektive unter dem Titel „Bewegung – Experiment – Vision“. |