Musée d’Orsay zeigt Beutekunst  |  | Das Musée d’Orsay präsentiert seine Bestände an Beutekunst | |
Das Musée d’Orsay in Paris hat einen neuen Raum eingerichtet, in dem unter dem Titel „À qui appartiennent ces œuvres?“ Kunstwerke präsentiert werden, die gerade auf ihre Provenienz und frühere Eigentümerschaft erforscht werden. Der Konservator François Blanchetière und Ines Rotermund-Reynard, Leiterin der Provenienzforschung des Hauses, haben dort Arbeiten versammelt, die während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich gestohlen oder zu niedrigen Preisen aufgekauft wurden und bis heute nicht an die rechtmäßigen Erben der früheren Besitzer zurückgegeben werden konnten, und thematisieren anhand von dreizehn Exponaten die Beutekunst der Nazis und des Vichy-Regimes gegenüber der Juden in Frankreich. Dazu gehören etwa Pierre-Auguste Renoirs Portrait „Madame Alphonse Daudet“ von 1876, Edgar Degas’ rund drei Jahre jüngere Gesellschaftsszene „Le Souper au bal (d’après Menzel)“ oder eine der zahlreichen Landschaften „La Montagne Sainte-Victoire“ von Paul Cézanne. Das Museum beherbergt aktuell 225 Werke, deren Eigentümer und genaue Provenienz unklar sind. In dem Saal „Wem gehören diese Werke?“ sollen daher die „besitzerlosen“ Arbeiten rotieren und bestenfalls ein Restitutionsverfahren auslösen.
Mehr als 100.000 Kulturgüter aus jüdischem Eigentum gelten als Raubgut. Diese wurden während der Besetzung Frankreichs durch Nazis gekauft oder geplündert. Letztlich konnten Dreiviertel der Werke nach Ende des Zweiten Weltkriegs restituiert werden, allerdings blieben 15.000 Objekte ohne identifizierbaren Eigentümer. Die meisten davon veräußerte der französische Staat Anfang der 1950er Jahre, etwa 2.200 wurden nach Kriterien der künstlerischen Qualität ausgewählt und in die Obhut der Nationalmuseen gegeben. Diese Werke wie auch die Organisation werden als „Musées Nationaux Récupération“ (MNR), als „Nationalmuseen der Rückführung“, bezeichnet. In den vergangenen dreißig Jahren konnte das Musée d’Orsay 15 Werke der MNR restituieren. Weitere Pariser Museen, die MNR-Objekte beherbergen, sind der Louvre oder das Centre Pompidou. |