Galerist Bruno Bischofberger gestorben  |  | Bruno Bischofberger im Kreis seiner Künstlerfreunde | |
Bruno Bischofberger ist tot. Am Wochenende starb der Schweizer Galerist und Sammler im Alter von 86 Jahren. Das teilte seine Galerie zuerst über ihren Instagram-Account mit. Auf ihrer Website heißt es: „Mit ihm verliert die Schweiz eine grosse Persönlichkeit der internationalen Kunstwelt. Er prägte ab den 1960er Jahren nicht nur die Schweizer Galerienszene, sondern verschaffte sich auch international früh einen Namen. Mit seiner unersättlichen Passion für die Kunst und Kultur, seinem unvergleichlich breiten Wissen, seinem kritischen Auge, seiner Zielstrebigkeit und Überzeugung war Bischofberger weit mehr als nur ein Kunsthändler, er war ein brillanter Künstler auf seine Art, Visionär, Pionier, Lehrer und Mäzen. Ohne ihn schriebe sich die Kunstgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts anders“, so die Galerie.
Bischofberger wurde am 1. Januar 1940 in Zürich geboren, wo er ab 1958 Kunstgeschichte, Archäologie und Volkskunde studierte, mit darauffolgenden Studienjahren in Bonn und München. 1963 eröffnete er seine ersten Räume in Zürich. Bereits zwei Jahre später stellte er Werke von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, Robert Rauschenberg, Tom Wesselmann und James Rosenquist in der Schau „Pop Art“ aus und war damals einer der ersten Händler, die sich in Europa um die Pop Art kümmerten. In den 1970er Jahren zeigte Bischofberger neben der amerikanischen Pop Art auch bedeutende Vertreter des Minimalismus, der Land Art und der Konzeptkunst, darunter Sol LeWitt, Donald Judd, Dan Flavin, Bruce Nauman und On Kawara. Joseph Kosuth, LeWitt, Flavin und Nauman schafften eigens für die Galerie konzipierte Installationen. In den 1980er Jahren erweiterte Bischofberger sein Programm um aufstrebende Künstler der neoexpressionistischen Bewegungen, wie Jean-Michel Basquiat, George Condo, Francesco Clemente und Julian Schnabel. Auch durch Publikationen über sie trug Bischofberger zur internationalen Sichtbarkeit und wesentlich zur Rezeption seiner Künstler bei.
Besonders bekannt war Bruno Bischofberger für seine enge Freundschaft zu Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat. Bereits 1966 traf der Schweizer erstmals Warhol und besuchte den Künstler seitdem mehrmals jährlich in New York, wobei er ein Vorkaufsrecht auf alle künftigen Arbeiten des Pop Art-Pioniers erhielt. Bischofberger regte Warhol unter anderem dazu an, Portraits mit Festpreis und Normformaten für seine Kunden auszuführen, was zunächst zur wichtigsten Einnahmequelle Warhols wurde. Auch von dem Schweizer Galeristen fertigte der Pop Art-Künstler ein solches Portrait an. Neben Warhol pflegte Bischofberger zu Basquiat eine enge Verbindung, wobei er weltweit als dessen exklusiver Kunsthändler agierte. 1984 regte er die beiden zu gemeinsamen Arbeiten an. Sowohl Warhol als auch Basquiat besuchten den Galeristen mehrfach in der Schweiz.
Bruno Bischofberger arbeitete nicht nur mit Kunst, sondern hatte auch privates Vergnügen an ihr. So sammelte er mit seiner Frau Christina Design, Fotografie sowie Volkskunst und Werke der prähistorischen Steinkunst. Neben Arbeiten von Künstlern, mit denen Bischofberger eng kooperierte, etwa einem großen Teil des fotografischen Werks Warhols, finden sich prähistorische Äxte, Gefäße, Skulpturen sowie volkskundliche Objekte aus Österreich, Deutschland und der Schweiz in seiner Sammlung. Auch für gute Architektur konnte sich Bischofberger. So lebte er mit seiner Familie in einem von Ettore Sottsass entworfenen Haus über dem Zürichsee. Auch für seine neuen Galerie- und Sammlungsräume in Männedorf bei Zürich hat sich er sich mit Baier Bischofberger Architects, das Büro seiner Tochter Nina, ein futuristisches Konzept ausgedacht. Das Vermögen des Kunsthändlers schätzt die Schweizer Zeitschrift Bilanz auf rund 650 Millionen Franken, womit er zu den 300 reichsten Schweizern zählt. |