Selber Ikone wider Willen: Fritz Klee im Porzellanikon  |  | Fritz Klee, Dose, 1918 | |
Das Porzellanikon der Stadt Selb erinnert derzeit an den Architekten, Grafiker und Kunstgewerbler Fritz Klee, der eine wichtige Rolle in der Selber Kultur- und Porzellangeschichte spielte. In der Ausstellung „Fritz Klee – Ein Selber wider Willen?“ beleuchtet Kuratorin Petra Werner das Leben des Künstlers näher, der eher unfreiwillig von München in den damaligen Provinzort zog und sich dennoch innerhalb von drei Jahrzehnten zu einer zentralen Figur des kulturellen Lebens der Stadt entwickelte. In der Ausstellung hat sie rund 150 Exponate aus eigenen Beständen sowie aus privaten und musealen Sammlungen versammelt und präsentiert noch nie gezeigte Skizzen und kolorierte Originalentwürfe sowie Stücke mit handgemalten Verzierungen. Zu den Highlights zählen unter anderem frühe Porzellane aus der Zeit um 1909/10 wie die erste Vase, die Klee an der Fachschule für Porzellanindustrie schuf, oder Wandmasken, Marionetten sowie Handpuppenköpfe, die Klee dem Münchner Stadtmuseum geschenkt hatte.
Fritz Klee, geboren 1876 in Würzburg, arbeitete nach seinem Architekturstudium an der Technischen Hochschule München zunächst beim örtlichen Stadtbauamt. 1907 wurde ihm die Leitung der neu zu gründenden Fachschule für Porzellanindustrie in Selb angetragen, was Klee zunächst ablehnte. Nach langen Gesprächen und dem Versprechen, nach drei Jahren nach München zurückkehren zu können, nahm er die Aufgabe an und leitete die Institution bis 1938. Klee entwarf die Fachschule im Jahr 1913, jedoch verzögerte sich ihr Bau durch den Ersten Weltkrieg, weshalb er erst 1921 abgeschlossen wurde. Sein Design entwickelte die Fachschule Selb zu einer modernen Ausbildungsstätte, indem er Gestaltung, technische Ausbildung und industrielle Praxis miteinander verband. Das Porzellanikon beschreibt Klees architektonische Handschrift als Verbindung von funktionaler Klarheit mit einem Gespür von regionaler Identität, wodurch seine Bauwerke wie die Fachschule für Porzellan oder das Selber Bahnhofsgebäude das Stadtbild bis heute prägen. Diese nachhaltige Wirkung zeigt sich nicht zuletzt in der Benennung der Professor-Fritz-Klee-Straße in Selb, die 1984 nach seinem Tod erfolgte.
Auch in der Porzellanwelt war Fritz Klee ein wichtiger Akteur. Bereits 1916 erwarb die Porzellanfabrik Paul Müller seine figürlichen Entwürfe und Zierartikel. Diese Modelle bildeten den Grundstock der Hutschenreuther Kunstabteilung, nachdem 1918 Hutschenreuther den Konkurrenten übernommen hatte. Die künstlerische Leitung lag von da an bis 1922 in den Händen von Klee. Seine Entwürfe stehen künstlerisch auf der Höhe ihrer Zeit. Die Formen schmückte er mit gezielt gesetzten Akzentfarben sowie geometrischen Ornamenten in Gold und Schwarz, wobei er das Weiß des Porzellans als Ausdrucksträger wahrte. Ein Déjeuner, bei dem Klee goldene Linienführung und grün-schwarze Verzierungen zusammenbrachte, wurde auf der Gewerbeausstellung in München im Jahr 1912 vorgestellt und erhielt positive Resonanz seitens des Publikums und der Presse. Gewagter arbeitete Klee hingegen bei einem sonnengelben Teeservice, das seine Initialen in roter Schrift trägt. Der Künstler entwarf auch andere Porzellanobjekte wie ausdrucksvolle Masken, die er sowohl als Wandobjekt als auch als Applikation an Dosen, Vasen und Figuren anbrachte. Eine weitere Begabung Klees war die Unterglasurmalerei, die die Besucher an einigen Ausstellungsstücken wie dem Wandteller mit Bauernhaus aus dem Jahr 1910 begutachten können.
Die Ausstellung „Fritz Klee – Ein Selber wider Willen?“ ist bis zum 15. November zu sehen. Das Porzellanikon hat dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 4 Euro und jeden Sonntag 1 Euro.
Porzellanikon – Staatliches Museum für Porzellan
Werner Schürer-Platz 1
D-95100 Selb
Telefon: +49 (0)9287 – 918 000 |