Eine Auktion der Superlative: Die Newhouse Collection bei Christie’s  |  | Constantin Brancusi, Danaïde, 1913 | |
Christie’s hat wieder einmal einen großen Fisch an Land gezogen und versteigert als Teil seiner Spring Marquee Week in New York die Sammlung des vor neun Jahren verstorbenen S.I. Newhouse, der von dem amerikanischen Magazin Art News häufig als einer der 200 bedeutendsten Kunstsammler weltweit gelistet wurde. Die Höhepunkte bilden Werke von Jackson Pollock und Constantin Brancusi, die zusammen mit 14 anderen Arbeiten von Henri Matisse, Pablo Picasso, Piet Mondrian, Joan Miró oder Andy Warhol rund 450 Millionen Dollar einbringen sollen.
Samuel Irving Newhouse Jr. wurde 1927 in New York geboren und übernahm gemeinsam mit seinem Bruder Donald die Leitung von Advance Publications, einer der größten Mediengruppen der Vereinigten Staaten, die sein Vater Samuel Irving Newhouse Sr. Aufgebaut hatte. Hierbei stand er an der Spitze von Condé Nast, dem Verlag renommierter Magazine wie Vogue oder Vanity Fair. Abseits seines verlegerischen Wirkens galt Newhouse als einer der bedeutendsten Kunstsammler seiner Zeit. Der Kunstberater Tobias Meyer beschreibt den Aufbau der Sammlung als langjährigen und äußerst präzisen Prozess: Über Jahrzehnte hinweg suchte Newhouse gezielt nach Werken höchster Qualität und formte durch sorgfältiges Kaufen und Verkaufen eine Kollektion von außergewöhnlicher Dichte.
Vor der Versteigerung am 18. Mai werden die Werke im Rockefeller Center bei Christie’s präsentiert. Die Hängung folgt einer chronologischen Ordnung und soll die Entwicklung zentraler künstlerischer Strömungen nachvollziehbar machen. Zu den Höhepunkten zählt „Number 7A, 1948“, ein monumentales Gemälde von Jackson Pollock. Entstanden während einer dreijährigen Phase intensiver künstlerischer Produktion, entwickelte Pollock in dieser Zeit seine ikonischen Drip-Paintings, die heute als Schlüsselwerke der amerikanischen Nachkriegskunst gelten. Zudem handelt es sich mit über drei Metern Breite um das größte Drip-Painting, das jemals bei einer Auktion angeboten wurde. Christie’s beziffert den Wert daher im Bereich von 100 Millionen US-Dollar. Ein weiterer Höhepunkt ist die Bronzeskulptur „Danaïde“ von Constantin Brancusi. Das Porträt seiner Muse Margit Pogány zeigt einen stark vereinfachten Kopf, dessen Formen Brancusi mithilfe von schwarzer Patinierung und Blattgold verdeutlichte. Von den insgesamt sechs Abgüssen der Skulptur befindet sich nur dieses Exemplar noch in Privatbesitz. Nun soll das Porträt ebenfalls im Bereich von 100 Millionen Dollar auf das Auktionspult kommen.
Pablo Picasso nimmt mit vier Werken an der Auktion teil, unter anderem mit dem „Homme à la guitare“ aus dem Jahr 1913. In dem farbenfrohen, kubistischen Gemälde greift er eines seiner wiederkehrenden Motive auf und erwartet dafür stattliche 35 bis 55 Millionen Dollar. Auch die kubistisch zerklüftete Bronzeskulptur „Tête de femme“, ein Porträt von Picassos erster Lebensgefährtin Fernande Olivier, gehört zu der Sammlung und soll 40 bis 60 Millionen Dollar erwirtschaften. Mit dem farbenprächtigen Interieur „robe noire et robe violette“ von Henri Matisse haben die Sammler die Chance, ein weiteres Spitzenwerk der Klassischen Moderne für eine Summe zwischen 30 und 50 Millionen Dollar zu ersteigern. Gegenteilig wirken die Mixed-Media-Kunstwerke „Figure 2“ und „Gray Target“ von Jasper Johns, die mithilfe von Texturen und präzise gesetzten Farbunterschieden ihre Motive auf einer monochromen Leinwand erscheinen lassen. Die zwei Arbeiten sollen 10 bis 15 Millionen Dollar respektive 20 bis 30 Millionen Dollar einspielen. |