Blockbuster-Auktionen bei Sotheby’s in New York  |  | Mark Rothko, Brown and Blacks in Reds, 1957 | |
Bei den großen Mai-Versteigerungen erwartet Sotheby’s in New York wieder spektakuläre Zuschläge für Werke von der Moderne bis zur Gegenwart. Mit insgesamt 964 Positionen, die das Haus in sechs verschiedenen Auktionen aufgeteilt hat, liegt die untere Schätzpreissumme bei 690 Millionen US-Dollar und könnte damit das Ergebnis der letzten Saison vom Mai 2025 um 70 Prozent übertreffen. Den Auftakt der Verkaufsreihe bilden elf Werke aus der Sammlung des im Dezember 2025 verstorbenen Investmentbankers und Kunsthändlers Robert Mnuchin am 14. Mai, deren Gesamtschätzwert Sotheby’s auf 130 Millionen Dollar ansetzt. Mnuchin und seine Ehefrau Adriana favorisierten den Abstrakten Expressionismus. Highlight ist daher Mark Rothkos „Brown and Black in Reds“ aus dem Jahr 1957, dessen Wert Sotheby’s zwischen 70 und 100 Millionen Dollar beziffert. Das leuchtenden Hochformat zählt zu einer Gruppe von 15 monumentalen Leinwänden aus dem Jahr 1957 und gilt durch seine Farbplatte von Rot- und Brauntönen als wichtiger Wegbereiter für Rothkos Auftrag der berühmten Seagram Murals, die er ein Jahr später für das Four Seasons Restaurant in New York schuf. Neben Rothkos farbenfrohem, hellerem Gemälde „No. 1“, das auf 15 bis 20 Millionen Dollar angesetzt ist, favorisierte Mnuchin Franz Klines expressiven Schwarz-Weiß-Kontrast „Harleman“ von 1960 (Taxe 12 bis 18 Millionen USD) oder Jeff Koons’ silbern glänzende Stahlbüste „Louis XIV“, die den Sonnenkönig persifliert (Taxe 7 bis 10 Millionen USD).
Bei den 45 Losen der „Now & Contemporary“-Auktion steht Jean-Michel Basquiats „Museum Security (Broadway Meltdown)“ aus dem Jahr 1983 mit 45 Millionen US-Dollar an der Spitze. Das mit Beschriftungen um den zentralen Totenkopf überzogene Quadrat wird als Reflexion über Ruhm, Wert, Klasse und Ausbeutung interpretiert. Mit Worten wie „Priceless Art“ oder „Museum Security“ spielte Basquiat vermutlich auf den rasant steigenden Wert seiner Arbeiten an. Willem de Koonings bunte Fleckenschlacht „Untitled III“ von 1975 beziffert Sotheby’s auf 25 bis 35 Millionen Dollar. Andy Warhols Portrait „Brigitte Bardot“ aus dem Jahr 1974 stammt aus der Sammlung des Deutsch-Schweizers Gunter Sachs und stellt dessen kurzzeitige Ehefrau dar. Es soll zwischen 14 und 18 Millionen Dollar erwirtschaften.
Bei der Abendauktion mit moderner Kunst am 19. Mai startet Sotheby’s mit weiteren 44 Blockbustern ins Rennen, darunter Henri Matisses „La Chaise lorraine“ von 1919. In dem spartanischen Interieur, bestehend aus einem Holzstuhl, auf dem einige Früchte liegen, und dem blau-weißen floralen Dekorstoff im Hintergrund, greift Matisse eine Atmosphäre der Vertrautheit und Häuslichkeit auf, wobei Sotheby’s dafür stattliche 25 Millionen Dollar erwartet. Zudem steht Matisses „La Séance du Matin“, ein besser ausgestattetes Zimmer inklusive Portrait seiner malenden Muse Henriette Darricarrère, für 20 bis 30 Millionen Dollar zum Verkauf. Auch Pablo Picasso nimmt mit seinem kubistischen Gemälde „Arlequin (Buste)“ aus der Sammlung des italienischen Surrealisten Enrico Donati und seiner Ehefrau Adele mit 40 Millionen Dollar an der Abendauktion teil. Zudem besteht die Aussicht auf einen neuen Rekord für ein Werk auf Papier von Vincent van Gogh, wenn Sotheby’s den oberen Schätzpreis von 35 Millionen Dollar für die weite Sommerlandschaft „La Moisson en Provence“ aus dem Jahr 1888 erreicht. Der bisherige Rekord liegt bei 31,3 Millionen Euro und wurde vom Erzrivalen Christie’s im Jahr 2021 erzielt. |