Charlotte Perriand-Retrospektive in Salzburg  |  | in der Ausstellung „Charlotte Perriand. Moderne leben: Design, Fotografie, Architektur“ | |
Das Museum der Moderne in Salzburg widmet Charlotte Perriand auf dem Mönchsberg die erste umfassende Retrospektive in Österreich und stellt unter dem Titel „Moderne leben: Design, Fotografie, Architektur“ das visionäre Werk der Französin vor, die zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Architektur- und Designgeschichte des 20. Jahrhunderts zählt. In dieser Kooperation mit den Kunstmuseen Krefeld, der Fundació Joan Miró in Barcelona und den Archives Charlotte Perriand haben die Kuratorinnen Katharina Ehrl und Barbara Herzog 217 Exponate vereint und sie in acht Kapitel unterteilt, die einen Bogen über Perriands gesamtes Schaffen schlagen. Neben seltenen Originalmöbeln treten auch erstmals ausgestellte Fotografien und Archivdokumente sowie originalgetreue Rekonstruktionen an die Besucher*innen heran.
Charlotte Perriand, 1903 in Paris geboren, verband Architektur, Design, Kunst und Fotografie zu einem umfassenden Gestaltungskonzept. Diese Synthese wurde zu einem Leitmotiv ihres Schaffens. Ihre Arbeiten sah die an der École de l’Union Centrale des Arts Décoratifs ausgebildete Möbeldesignerin und Schülerin von Henri Rapin als Teil größerer Lebenszusammenhänge und als Ausdruck politischer Haltung. Ihr gesellschaftliches Engagement und ihr steter Wunsch waren es, Lebensräume für alle Menschen nachhaltig zu verbessern. Perriand entwickelte früh eine eigenständige minimalistische Formensprache, nutzte neue, unübliche Materialien und kam dank ihres Erfindungsreichtums zu Lösungen, die ästhetisch, praktisch, funktional und darüber hinaus auch noch bequem waren. Ihre Fähigkeiten führten dazu, dass sie bereits mit 24 Jahren im Studio von Le Corbusier und Pierre Jeanneret als Leiterin der Abteilung Inneneinrichtung arbeitete. Während ihrer zehnjährigen Tätigkeit war sie dort für zahlreiche Möbel- und Interieurprojekte verantwortlich, etwa den Sessel „Grand Confort“; viele davon zählen heute zu den Ikonen des modernen Designs und sind begehrte Sammlerstücke.
Eine zentrale Architektur der Schau ist die originalgetreu gebaute Rekonstruktion der alpinen Schutzhütte „Refuge Bivouac“ von 1933. Sie entstand im Rahmen eines Forschungsprojekts von Studierenden der TU München in Kooperation mit der Fachhochschule Salzburg und wird im Bestand des Salzburger Museums bleiben. Weitere Raumkonstruktionen wie das „Équipement intérieur d’une habitation“ von Corbusier, Jeanneret und Perriand machen das Werk der französischen Architektin interaktiv erfahrbar. Beim Möbeldesign besticht etwa das Buchregal „Nuage“ mit seiner geometrischen Klarheit und Farbtupfen, die ein wenig an Piet Mondrian denken lassen. 1940 konnte Perriand nach Japan ausreisen und dort zwei Jahre lang arbeiten, bevor sie in Vietnam ins Exil musste. Hierbei erforschte sie unter anderem asiatische Webetechniken und studierte das 1906 von Okakura Kakuzo publizierte „Das Buch vom Tee“, das sie stark beeinflusste. 1946 kehrte sie nach Frankreich zurück und erhielt Aufträge für mehrere Design- und Bauprojekte, darunter ein weitläufiges Skiresort Les Arcs in den Savoyer Alpen zwischen 1967 und 1982.
Die Ausstellung „Charlotte Perriand. Moderne leben: Design, Fotografie, Architektur“ läuft bis zum 13. September. Das Museum der Moderne auf dem Mönchsberg hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 15 Euro, ermäßigt 12 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre ist er frei. Die begleitende Publikation „Charlotte Perriand. Die Kunst des Wohnens“ ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet im Museum 46 Euro.
Museum der Moderne Salzburg – Mönchsberg
Mönchsberg 32
A-5020 Salzburg
Telefon: +43 (0)662 – 84 2220 403 |