Rembrandt-Auktion geht bei Karl & Faber in die zweite Runde  |  | Rembrandt, Halbbekleidete Frau, am Ofen sitzend, 1658 | |
Das Münchner Auktionshaus Karl & Faber versteigert in der kommenden Woche zum zweiten Mal Objekte aus einer sorgfältig kuratierten Privatsammlung mit Rembrandt-Grafiken. Die Blätter der Auktion „Rembrandt van Rijn – Impressions of Genius“ beeindrucken nicht nur durch ihre hervorragende Druckqualität und ihren bemerkenswerten Erhaltungszustand, sondern auch durch ihre Seltenheit auf dem internationalen Kunstmarkt. Rembrandt war nicht nur ein bedeutender Maler des Goldenen Zeitalters der Niederlande, sondern laut Auktionshaus auch einer der innovativsten Grafiker der Kunstgeschichte. Mit einer Kombination von Radierung, Kaltnadelradierung und Kupferstich nutzte er bei seinen mehr als 300 Grafiken das Potenzial der einzelnen Druckzustände aus. In seinem „radikal modernen Ansatz“ überarbeitete er so nicht nur einzelne Details, sondern ganze Kompositionen, Lichteffekte und Stimmungen. Dies wird besonders bei der großformatigen Radierung „Die große Kreuzabnahme“ ersichtlich, die ein seltenes Thema in der niederländischen Kunst aufgreift. Vom Himmel scheinende Lichtstrahlen setzen vor dem dunklen Hintergrund die Abnahme des toten Christus vom Kreuz dramatisch in Szene (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR).
Eine ähnliche Technik wendet Rembrandt bei der Aktdarstellung „Halbbekleidete Frau, am Ofen sitzend“ an: die ruhige Szene zeigt ein weibliches Modell, dessen helle Haut sich deutlich von ihrer Kleidung und dem restlichen dunkel gehaltenen Interieur abhebt (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Mit Clement de Jonghe portraitiert Rembrandt hingegen einen Kollegen und Freund, weshalb die Darstellung einen größeren Wert auf die konkrete Wiedergabe seines äußeren Erscheinungsbilds und seines Auftretens legt. Mit vergleichsweise dezent entwickelten Schatten wird besonders das detailliert ausgearbeitete Gesicht des Verlegers in Szene gesetzt. Das restliche Bild ist eher skizzenhaft ausgeführt, was den Fokus auf die Mimik de Jonghes verstärkt (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Auch die Landschaft waren Thema in einigen Grafiken Rembrandts, wie „Die Landschaft mit dem viereckigen Turm“, das „Panorama von Bloemendaal mit dem Landgut von Saxenburg“ oder „Die Hütten am Kanal, mit dem Blick auf Ouderkerk“ dar. Sie sollen zwischen 30.000 und 60.000 Euro einspielen.
In der ebenfalls am 21. Mai stattfindenden Auktion „Alte Meister & Kunst des 19. Jahrhunderts“ sorgt vor allem Carl Spitzweg für die visuellen Glanzpunkte. Unerfüllte Hoffnungen zwischen den Geschlechtern nehmen in seinem Schaffen einen breiten Raum ein. Oft malte er Hagestolze, den abgefangenen Liebesbrief, den ewigen Hochzeiter oder auch einen älteren Jäger in einem Gebirgstal, der einer jungen Sennerin erwartungsvoll nachblickt (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Bei dem nächtlichen Ständchen, das ein „Quartett“ in den Gassen einer alten Stadt schmettert, ist ebenfalls nicht erkennbar, an wen es sich richtet: Der kaum erleuchtete Fenstererker bleibt leer (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Ganz auf sich gestellt und in einer beschaulichen Einsamkeit gefangen sind Spitzwegs „Zeitungsleser im Garten“ (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) und „Der Adlerjäger“ in einer engen Schlucht (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). In diese Preislagen dringt bei den Gemälden nur noch Franz Ludwig Catel mit seiner südlichen Küstenszene „Die glückliche Heimkehr des Fischers“ mit einer Schätzung von 80.000 bis 100.000 Euro vor.
Die Auktionen finden am 21. Mai ab 10 Uhr statt. Die Vorbesichtigung läuft bis zum 20. Mai täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr.
Karl & Faber
Amiraplatz 3
D-80333 München
Telefon: +49 (0)89 – 22 18 65 |