Solingen feiert 110 Jahre politischen Dada  |  | in der Ausstellung „‚Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!‘ Dada als politische Kunst zwischen den Weltkriegen“ | |
Das Zentrum für verfolgte Künste im Kunstmuseum Solingen feiert den 110. Geburtstag des Dada mit der Schau „‚Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!‘ Dada als politische Kunst zwischen den Weltkriegen“. Antibürgerlich, anarchistisch und pazifistisch übte Dada mit scharfem Blick und beißender Satire Gesellschaftskritik, hinterfragte geltende Werte sowie politische und soziale Zustände und Dynamiken, die zum Ersten Weltkrieg führten. 1916 gegründet, wird das Ende der Bewegung zwar in den frühen 1920er Jahren verortet, Künstler*innen wie George Grosz, Hannah Höch und John Heartfield kämpften jedoch mit ihrer Kunst auch gegen den Nationalsozialismus. Kuratorin Katharina Günther zeichnet Dada weniger als historische Avantgarde, sondern als Antwort auf Krieg, Ideologie und den Verlust demokratischer Werte. Mit Werken von Johannes Baader, Hugo Ball, Erwin Blumenfeld, Paul Citroen, Otto Dix, Marta Hegemann, Franz Jung, Kurt Schwitters oder Sophie Taeuber-Arp geht es auch um die politischen, sozialen und ideengeschichtlichen Kontexte. Das Fortleben der Strömung verdeutlichen zeitgenössische Musiker wie Blixa Bargeld und Rocko Shamoni oder auch Simon Wachsmuths Videoarbeit „From Heaven High“ aus dem Jahr 2025.
Dada ist eine bunte und laute Kunst, die mit ihrer Vielfältigkeit besticht: Unterschiedliche Stile wie auch Genres, darunter Literatur, Lyrik, Bühnenstücke, Gemälde, Grafik, Collagen und Fotografien. Der gemeinsame Nenner in dieser Vielfalt bildet das Politische, das sich durch alle Arbeiten zieht und auf unterschiedliche Art und Weise ihren Ausdruck findet. Es wundert daher nicht, dass Dada unter den Nationalsozialisten als „entartet“ galt, etwa wenn man sich die gezielt politische und karikaturhaft Überspitzung auf Georg Scholz’ Lithografie „Wucherbauernfamilie“ aus dem Jahr 1920 ansieht. Günther erklärt die Situation und Ziele der Strömung näher: „Dada ist aufregende, innovative Kunst, aber auch ein Appell. Die pazifistisch eingestellten Dadaist*innen zweifelten bereits den Sinn des Ersten Weltkriegs an. Arbeitslosigkeit und Armut prägten die neue Weimarer Republik, das Bürgertum war träge im Denken und Handeln. Machtstrukturen aus dem Kaiserreich waren erhalten geblieben und einige wenige machten sich die Taschen voll. Dada klagte an und forderte das Publikum zum Hinsehen, Reflektieren und Verstehen auf.“
Die Ausstellung „‚Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!‘ Dada als politische Kunst zwischen den Weltkriegen“ läuft bis zum 13. September. Das Zentrum für verfolgte Künste ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Personen unter 18 Jahren kommen kostenlos in die Ausstellung. Der begleitende zweisprachige Katalog kostet im Haus 35 Euro.
Zentrum für verfolgte Künste im Kunstmuseum Solingen
Wuppertaler Straße 160
D-42653 Solingen
Telefon: +49 (0)212 – 25 81 40 |