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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Mit Lempertz in die Welt der schönen Ausstattungsstücke: Das Kölner Auktionshaus versteigert Kostbarkeiten vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert für das stilvolle Wohnen

Der Verwandlungskünstler



David Roentgen, Verwandlungstisch, Neuwied um 1775/80

David Roentgen, Verwandlungstisch, Neuwied um 1775/80

„Wer einen künstlichen Schreibtisch von Röntgen gesehen hat, wo mit einem Zug viele Federn und Ressorts in Bewegung kommen, Pult und Schreibzeug, Brief- und Geldfächer sich auf einmal oder kurz nacheinander entwickeln, der wird sich eine Vorstellung machen können, wie sich jener Palast entfaltete, in welchen mich meine süße Begleiterin nunmehr hineinzog.“ Kein geringerer als Johann Wolfgang von Goethe setzte mit diesen Worten in seinem Roman „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ einem Tischler ein literarisches Denkmal. In der Tat galt und gilt David Roentgen als Meister der Verwandlungsmöbel. Neben der Auswahl edler Holzfurniere und deren exzeptioneller Verarbeitungsqualität macht stets auch die technische Raffinesse seine Schöpfungen aus, die zu ausgeklügelten Ergebnissen führt. Ein Höhepunkt seiner Arbeit ist so ein klassizistischer Verwandlungstisch, in dem Roentgen um 1775/80 die Register seines Könnens zog. Hier verschmelzen perfekte Ausführung und höchster künstlerischer Anspruch mit versteckten mechanischen Funktionen: Die mehrfach umklappbare Platte eröffnet unterschiedliche Nutzungen vom Spieltisch über Schach und Dame bis hin zum Schreibmöbel mit verborgenem Lesepult und ausfahrbarem Trictracfeld. Wer sich für den klassizistischen, auf den ersten Blick unscheinbaren Tisch mit seinen Überraschungen interessiert, hat nun bei Lempertz die Gelegenheit, das Möbel, das einst im filmreifen englischen Wasserschloss Leeds Castle stand, für marktkonforme 120.000 bis 180.000 Euro zu übernehmen.


Mit weiteren Erzeugnissen der Roentgen-Werkstatt aus zwei deutschen Privatsammlungen hat der Kölner Versteigerer seine Auktion am 20. Mai prominent bestückt, darunter einer mechanischen Schatulle, die um 1775 in Neuwied wiederum von David Roentgen gefertigt wurde. Das kleine komplexe Stück fasziniert durch seine gediegene Form, die feine Furnierarbeit mit den charakteristischen, an Bändern hängenden Rosenblüten und die raffinierten mechanischen Funktionen. Ein per Schlüsseldrehung hochfahrbares Jalousiefach, ein verborgener Schub in der Basis sowie die aufwendig gestalteten Sichtseiten machen diese Schatulle wiederum zu einem eindrucksvollen Beispiel neuzeitlicher Ingenieurskunst im Miniaturformat (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Wer es schlichter mag, kann bei einem Surtout de table um 1780 zugreifen, bei dem Roentgen lediglich durch die Gegenüberstellung von rotbraunem Mahagoniholz mit den goldenen Zierleisten spielt (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Dass schon Vater Abraham Roentgen ein Freund des multifunktionalen repräsentativen Möbels war, macht sein Architektentisch um 1765 deutlich, der ebenfalls an der Spitze der europäischen Tischlerkunst seiner Zeit steht. Der aufwändigen Marketerie aus einem fließenden Blüten- und Rocaillenmeer stehen hier die findigen Schiebe- und Klappfunktionen gegenüber, die zu einer höhenverstellbaren Platte, mehreren Schüben und Fächern im Innern oder einem geheimen Ablageplatz führen. Hier wird mit 80.000 bis 120.000 Euro gerechnet.

Clevere Möbel

Johann Michael Rummer, ein ehemaliger Mitarbeiter in der Werkstatt Abraham Roentgens, ist dann für das herzige Marketeriebild eines Jungen und einer Bäuerin mit zwei Hühnern und ihren Küken zuständig, das um 1780 auf den Deckel einer weiteren Roentgen-Schatulle appliziert wurde (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Weitere Kleinmöbel stammen meist aus französischer Produktion, darunter ein Coffret à bijoux mit Gitter- und Blütenmarketerie im Louis XVI-Stil aus Paris um 1780 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), ein Bonheur du jour um 1770, dessen Marketerie mit Chinoiserien und einem Stillleben mit Blumenvase und Spielkarten wohl Charles Topino zu verantworten hat (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), oder ein kleiner geschwungener Damenschreibtisch mit Blattranken in einer Kartusche aus Palisander, Rosenholz und Königsholz, den Gérard Péridiez um 1750, als er selbst noch kein Meister war, für seinen vielbeschäftigen Kollegen Pierre Migeon IV. ausgeführt hat (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Staatstragender sind da die deutschen Möbel des 18. Jahrhunderts, wie eine schmale, aber hohe Aufsatzschreibkommode mit Rautenmarketerie aus dunklem Nuss- und Pflaumenholz, die um 1750/60 wohl in Koblenz mit Inspiration durch die Roentgen-Werkstatt entstand, oder eine gleichaltrige, aber breit gelagerte und hellere Kommode mit frei stehendem Aufsatz, hinter deren vielen Schüben mit einer Würfelmarketerie sich vermutlich ein Würzburger Tischler verbirgt (Taxe je 20.000 bis 30.000 EUR). Mit dem fünfteiligen Salonensemble „Aubépine à crosses, No. 460“, für das sich Louis Majorelle von den Blättern und Früchten des Weißdorn inspirieren ließ, geht es zurück nach Frankreich in die Zeit des Art Nouveau (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Mit dem Paravent „Grattacielo rinascimentale“ von Piero Fornasetti, der auf fantastische Architekturentwürfe der Renaissance zurückgeht (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR), und seiner mit einem bunten Blütenmeer bedruckten Kommode „Fiori nella notte“, die von Schmetterlingen umschwirrt werden, streift die Möbelabteilung noch das Design des 20. Jahrhunderts (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Glänzendes Silber

Eröffnet wird die Auktion mit einer wieder gut bestückten Silberabteilung, die mit einer sechsseitigen, leicht konisch zulaufenden Deckelkanne startet. Zugeschrieben ist sie dem im Breslau tätigen Veit Koch, der um 1610/20 vier Wappen schlesischer Familien zwischen Fruchtgebinden, Cherubsköpfen, Masken und Landschaften ziseliert und obenauf einen römischen Soldaten auf einem springenden Pferd gesetzt hat. Nach Dresden geht es mit einem Schützenpokal, den Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen 1679 bei Niclas Bille mit seinem Monogramm samt Kurhut und der Darstellung von Herkules mit dem Fell des Nemeischen Löwen zwischen großen Barockblumen in Auftrag gab (Taxe je 12.0000 bis 14.000 EUR). Dass es auch in Passau zu jener Zeit eine Gold- und Silberschmiedetradition gab, demonstriert ein Traubenpokal mit dem figürlichen Schaft eines Holzfällers am Baum wohl aus der Hand von Wilhelm Schmid um 1660 (Taxe 9.000 bis 14.000 EUR).

Bekannter ist das Silberzentrum Augsburg, das häufig große Aufträge ausführte. So bestellte auch Johann Maximilian IV. Graf von Preysing Mitte der 1720er Jahre bei Johann Erhard Heuglin II eine Rosenwasserschüssel. Die ausladende vergoldete Schale überzeugt durch ihren reichen Régencedekor, die gravierten und reliefierten Medaillons mit Allegorien auf die vier Erdteile und die vier Elemente sowie das plastisch gearbeitete Zentrum mit Neptun und Amphitrite (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR). Von Heuglin ist noch eine stilgleiche Lavabogarnitur mit Helmkanne samt Cäsarenmedaillons zu haben (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Johann Heinrich Menzel ist dann für ein ebenfalls vergoldetes Leuchterpaar mit Bandelwerk und vier aufgelegten Reliefkartuschen samt Amoretten von 1732/34 verantwortlich (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR), Johann Mittnacht I für eine ausgefallene barocke Weinkanne von 1703/07 mit Fruchtgebinden, zwischen denen querovale Reserven mit Ruinenarchitektur liegen (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Emaillierte Zutaten

Daran schließt sich eine süddeutsche Privatsammlung mit Silberwaren an, die in Augsburg mit Emailmalerei verziert wurden. Dazu gehören ein Paar Likörbecher von Johann Jakob Priester I mit Brustbildnissen höfisch gekleideter Damen, die französische Modestiche des 17. Jahrhunderts für exotisch anmutende Garderoben zitieren (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR), ein Koppchen, das vermutlich Johann Auffenwerth mit drei Amorknaben beim Fischen mit der Angel, beim Prüfen eines Pfeils und beim Zeichnen eines Porträts auf eine herzförmige Tafel bemalt hat (Taxe 4.000 bis 4.300 EUR), oder eine kleine Fußschale von Tobias Baur mit Darstellung zweier Hände haltender weiblicher Allegorien, die wohl als Sieg und Friede zu deuten sind (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Über Silberwaren des Klassizismus, unter anderem von dem Würzburger Georg Stephan Dörffer, der ein vasenförmiges Kannenpaar mit Faunmaskaronausguss für 5.000 bis 6.000 Euro oder ein Leuchterpaar des Empire nach der damaligen Ägyptenmode für 2.400 bis 2.800 Euro beisteuert, geht es auf das moderne Silber zu.

Für den Export nach Europa fertigte die chinesische Firma Wang Hing & Co. aus Hongkong um 1900 eine runde Gebäckdose mit zart reliefierten Blütenzweigen, die sich in jeder Jugendstilzimmereinrichtung gut ausnimmt (Taxe 1.000 bis 1.400 EUR). Für klassischen europäischen Jugendstil steht die Kölner Metallwarenfabrik Orivit, die um 1900 eine dreiteilige Garnitur aus Tablett, Milchkännchen und Zuckerschale mit einem stilisierten vegetabilen Reliefdekor ausstattete (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Artur Berger stelle seine kugelige Schale für die Wiener Werkstätte auf vier Klauenfüße mit Kugeln und gestaltete die Wandung mit einem getriebenen Blattdekor samt schematisierten Blüten (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Zahlenmäßig führen die Produkte von Georg Jensen aus Kopenhagen die Abteilung an und liefern etwa das Tischleuchterpaar No. 244, das sich aus einem runden, mehrfach abgetreppten Fuß, einem Schaft mit stilisierten Lanzettblättern und Beeren, einem gegossenen Element in Blütenform und zwei gewundenen, profilierten Leuchterarmen mit facettierten Tüllen zusammensetzt (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), die ovale Deckelschüssel No. 408 mit Handhaben und Griff aus Trauben- und Blütendekor (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR) oder das umfangreiche, 318teilige Besteckset „Bernadotte“ mit Rillendekor von 1939. Als Designer und Titelgeber tritt hier der ehemalige schwedischen Prinz Sigvard Bernadotte in Erscheinung, der durch seine Heirat mit drei Bürgerlichen aber alle seine königlichen Titel verlor (Taxe 20.000 bis 24.000 EUR).

Mit Peitschenhieb

Auf dieses Preisniveau dringt mit 18.000 bis 24.000 Euro dann nur noch Henry van de Veldes silberner Platzteller von 1902/03 vor, dessen Reliefzier auf der Fahne an das Peitschenhieb-Motiv seines zeitgleich entstandenen Meißner Porzellanservices erinnert. Für das elegante französische Art Déco steht das vierteilige Kaffee- und Teeservice der Maison Bloch-Eschwège aus Paris; für die gestufter Rhombenform mit kantigen Henkeln und Deckelknäufen aus Elfenbein war wohl Hauptdesigner Maurice Adrien Muller zuständig (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR). Weitaus reduzierter und den Prinzipien des Bauhauses verbunden zeigt sich ein Paar schmaler Weinbecher von Christian Dell um 1928, das auf einem konischen Fuß mit zylindrischer Wandung erwächst (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Zu den jüngsten Schöpfungen gehören ein Service aus Teekanne, Zuckerschale und Milchkännchen in zurückhaltenden zylindrischen Formen, entwickelt 1999 von Stefan Epp auf der Insel Reichenau (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR), oder die verspielteren Kannen einer Essig- und Ölgarnitur des deutsch-australischen Silberschmieds Hendrik Forster aus dem Jahr 2004 (Taxe 1.800 bis 2.000 EUR).

Zudem wartet die Auktion mit dem zweiten Teil der auf englisches Silber der Arts and Crafts-Bewegung spezialisierten Seawolf Collection auf, die Lempertz bereits im vergangenen November erfolgreich an den Mann brachte. Nun sind etwa eine kleine Menage von Christopher Dresser aus drei Halbkugeln, zentriert um einen Tragegriff mit horizontalem Stab als Handhabe von 1888 (Taxe 800 EUR), seine runde bauchige Deckelterrine von 1892 auf drei konischen Füßen mit ohrenförmigen Henkeln und auskragendem Rand (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR), ein im Jahr 1900 für die Guild of Handicraft entstandener Pfefferstreuer, dessen bikonischen Korpus Charles Robert Ashbee mit violetten Amethysten bestückte (Taxe 1.400 bis 2.000 EUR), oder eine silberne Deckeldose mit blauem Emailfluss innerhalb der floralen Zier und einem Türkis auf dem Deckel von Liberty & Co. aus dem Jahr 1899 zu haben, deren Entwurf Oliver Baker zugeschrieben wird (Taxe 1.800 bis 2.400 EUR). Auch in der Schmuckproduktion wollten die Arts and Crafts-Entwerfer mitreden. So lieferte etwa Archibald Knox um 1900 für Liberty & Co. ein goldenes zweireihiges Girlanden-Collier mit fünf Amethysten in handgesägten Jugendstilkartuschen nach keltischen Vorbildern (Taxe 1.200 bis 1.500 EUR).

Die emigrierte Keramikerin

Daran schließt sich in der Auktion das moderne Kunstgewerbe an, das durch die Vase „Prou N°2“ der Porzellanmanufaktur Sèvres, für die 1935 René Prou die zylindrische Gestalt über einem flachen Fuß und Jean-Georges Beaumont die blau-goldene stilisierte Naturszene mit Vögeln, Pferden und Rehen in Konturmalerei lieferten (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), oder zwei Entwürfe Lucie Ries überzeugt. Die aus Wien stammende Keramikerin musste nach ihrer Flucht 1938 in London unter schwierigen Bedingungen neu beginnen, zählte aber bald zu einer der wichtigsten Figuren der britischen Studiokeramik. Sowohl ihre gefleckt weiße Vase mit braunem Streifen und Strichdekor, als auch ihre Sgraffito-Schale mit einem hellgrünen Streifenband leben von der für ihr Werk typischen Spannung aus Form, Oberfläche und Glasur und sollen 8.000 bis 12.000 Euro respektive 15.000 bis 20.000 Euro einspielen.

Die Textilkunst beeindruckt diesmal mit mehreren außergewöhnlichen Tapisserien aus bayrischem und norddeutschem Familienbesitz in teils herausragender Farbqualität. Letztere haben den Zweiten Weltkrieg in einem Wiener Banktresor überstanden haben und stellen unter anderem ein wohl Brüsseler Tapisseriefragment der Renaissance mit dem Motiv einer höfischen Szene im Thronsaal (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), einen Wandteppich samt Herrscher bei Tisch mit zwei Gästen in einem betriebsamen Feldlager vermutlich aus Tournai um 1500 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) oder die Brüsseler Tapisserie „Das Urteil des Paris“ zur Verfügung, die durch ihren narrativen Aufbau und ihre vollständige und farbfrische Erhaltung besticht (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Leuchtendes Blau strahlt aus dem bayrischen Bildteppich, auf dem ein dichter Blätterwald mit vereinzelten Blumen wuchert, in dem sich einige Vögel niedergelassen haben. Die Verdüre des 16. Jahrhunderts, die wahrscheinlich in Sint-Truiden in der belgischen Provinz Limburg gewebt wurde, schlägt mit 10.000 bis 20.000 Euro zu Buche.

Der Mörserpapst

Einen weiteren Höhepunkt der Auktion bildet die über vier Jahrzehnte gewachsene Sammlung an Bronzemörsern des 2024 verstorbenen Ralf Jena, der schon einmal als „Mörserpapst“ tituliert wird. Zu den ältesten Stücken seiner Kollektion, die in Teilen erstmals zur Auktion kommt, gehören spätgotische Einhenkelmörser, darunter ein Nürnberger Exemplar mit männlichen Fratzenköpfen über Tatzenfüßen auf der braunen, zart golden schimmernden Wandung (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Früher entstanden nur noch einige Mörser des islamischen Raums, etwa eine Reibschale des zehnten bis dreizehnten Jahrhunderts aus der historischen Region Khorasan östlich des Kaspischen Meers, die mit Dreiergruppen aus plastischen Lotosknospen, ziselierten Doppelblättern samt vegetabilem Rankendekor und einem Kalligrafieband am oberen Rand geschmückt ist (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR). Ein Mörser wohl aus der Dresdner Werkstatt Michael Weinholds ist auf das Jahr 1718 datiert und lässt sich aufgrund der Inschrift dem kursächsischen Hofmarschall und Kabinettminister Woldemar von Löwendal zuordnen (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).

Eine auf das Jahr 1625 datierte deutsche Tischuhr lässt sich aufgrund des Wappens ebenfalls eindeutig einem Besitzer zuweisen, dem 1584 geborenen schwedischen Adeligen Henrik Fleming, der es als Offizier bis zum Admiral und nicht zuletzt durch Kriegsbeute zu einem großen Vermögen brachte. Dennoch ließ er sich als Sinnspruch „Wachet und betet den ihr wisset nicht an welcher Stund das ihr sterben sollet“ auf die vergoldete runde Wandung gravieren (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Bei den Skulpturen machen zunächst das Kopfreliquiar des streng blickenden heiligen Paulus aus dem 14. Jahrhundert (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), die rheinische Reliquienbüste einer heiligen Königin um 1500 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) oder das gleichaltrige Duo von Adam und Eva nach dem Sündenfall auf sich aufmerksam, das in den Umkreis des Ulmer Bildschnitzers Michel Erhart lokalisiert wird (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Ebenfalls auf der Schwelle von Spätgotik zur Renaissance steht ein heiliger Franziskus mit den Stigmata, der dem um 1460 in Löwen geborenen Bildschnitzer Jan Borman II zugeschrieben wird (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Bei anderen geklaut

Dem Manierismus huldigt ein schwarz patinierter, muskulöser Herkules, der in einer kraftvollen Drehung mit seiner Keule zum Schlag ausholt und nach einem Vorbild Adriaen de Vries’ wohl noch im 17. Jahrhundert gegossen wurde (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Auf ein Gemälde von Willem Key, das heute in der Alten Pinakothek hängt, berief sich der in München tätige Alessandro Abondi und formte es um 1632 mittels farbigen Wachses und Naturalien zu einem musivischen realistischen Andachtsrelief einer Pieta um (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Aus Elfenbein schnitzte ein süddeutscher Künstler Ende des 17. Jahrhunderts ein feines Relief mit der mythologischen Szene „Das Urteil des Paris“ und nahm sich als Vorlage Marcantonio Raimondis Kupferstich nach Raffael her (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Dem Hochbarock strebt die Terrakottabüste einer römischen Dame mit aufgebauschtem Witwenschleier zu, die in den Umkreis Alessandro Algardis weist (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Verspielter gibt sich ein Sandstein-Putto mit einem Füllhorn voller Münzen als Allegorie des Überflusses aus der Dresdner Werkstatt Balthasar Permosers (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Mit hoher Wahrscheinlichkeit absolvierte Johann Christoph Ludwig Lücke bei Permoser seine Ausbildung und tat sich vor allem mit Elfenbeinschnitzerei hervor, die er schon im väterlichen Betrieb in Dresden kennengelernt hatte. So hat er sich 1729 mit zwei Figuren aus der Commedia dell’Arte beschäftigt und zu Beginn der 1740er Jahre den Poltrone und den Scaramuccio wohl eigenhändig wiederholt (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Seinen künstlerischen Durchbruch erzielte Raoul Charles Verlet mit der Plastik „La douleur d’Orphée“, deren Gips 1887 im Salon mit einer Medaille, deren Bronzeguss zwei Jahre später auf Weltausstellung in Paris mit einer Goldmedaille prämiert wurde, woraufhin die Stadt Paris eine Ausführung für die Place Malesherbes orderte. Das Erfolgsmodell wurde von der Gießerei Barbedienne bis in die 1910er Jahre in verschiedenen Größen für den Hausgebrauch auch unter dem Titel „Orphée et Cerbère“ angeboten, darunter eine 125 Zentimeter hohe, dunkelbraune Version, die bei Lempertz jetzt 12.000 bis 14.000 Euro sehen will.

Die Auktion „Silber · Kunstgewerbe · Bedeutende Mörser der Slg. Jena“ beginnt am 20. Mai um 11 Uhr. Die Besichtigung ist am 17. Mai von 11 bis 16 Uhr, am 18. Mai von 10 bis 17:30 Uhr und am 19. Mai von 10 bis 14 Uhr möglich, der Katalog unter www.lempertz.com abrufbar.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



17.05.2026

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Putto als Verkörperung der Abundantia, Dresden, Werkstatt des Balthasar Permoser, Anfang 18. Jh.

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