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Roswitha Haftmann-Preis für Wolfang Tillmans

Wolfgang Tillmans wird mit dem Roswitha Haftmann-Preis 2026 ausgezeichnet

Der deutsche Fotokünstler Wolfgang Tillmans erhält den Roswitha Haftmann-Preis 2026 und wird für ein über vier Jahrzehnte gewachsenes Werk ausgezeichnet, das künstlerische Innovation mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet. Tillmans gilt als Pionier der Inszenierung der Fotografie und ist insbesondere für sein politisches und soziales Engagement bekannt. „Tillmans folgt einer künstlerischen Praxis, die über die bloße Ästhetik weit hinausgeht – indem er öffentliche Präsenz und Sprache nutzt, um als Künstler ein kollektives demokratisches Bewusstsein zu fördern, das auf Offenheit und Solidarität gründet“, so Stiftungsratsmitglied Bernhart Schwenk. Die mit 150.000 Schweizer Franken dotierte Auszeichnung gilt als der höchstdotierte Kunstpreis Europas. Vor Tillmans zählen unter anderem Sigmar Polke, Valie Export, Rosemarie Trockel, Walter de Maria, Cindy Sherman und Cecilia Vicuña zu den Preisträger*innen.

Der 1968 in Remscheid geborene Fotokünstler wurde in den 1990er Jahren mit seinen unmittelbaren, oft intimen Portraits von Freund*innen und feiernden Menschen bekannt. Tillmans, der zu der Zeit in London lebte, fotografierte Subkulturen wie Partys der Technoszene, Events der ersten Love Parades und Gay Pride-Veranstaltungen und dokumentierte somit das Lebensgefühl einer jungen Generation. Seine frühen Arbeiten wurden in Musik- und Lifestyle-Magazinen wie i-D, Spex oder Butt gedruckt. In den folgenden Jahrzehnten erweiterte der Künstler sein Werk um Stillleben, Himmels- und Landschaftsaufnahmen sowie abstrakte Farbkompositionen. Zudem ergänzte Wolfgang Tillmans die Fotografie durch experimentelle Verfahren, bei denen die klassische Kameratechnik teilweise durch mechanische oder chemische Prozesse ersetzt wird. Zugleich versteht er das Bild an sich, von Material und Oberfläche bis hin zur Präsentation, als integralen Bestandteil seiner künstlerischen Praxis.

Sein Schaffen ist stets mit sozialem Engagement verbunden, wobei er sich für ein offenes und demokratisches Europa ausspricht. Für die Bundestagswahl 2017 entwarf er mehrere Plakate, die sich gegen Rechtsnationalismus aussprachen und für mehr Wahlbeteiligung einsetzten. Tillmans’ Arbeiten werden international ausgestellt und ausgezeichnet. So wurde ihm im Jahr 2000 als erster Fotograf und Nicht-Brite der Turner Prize verliehen. 2022 wurde seine Ausstellung „To Look Without Fear“ im MoMA in New York präsentiert. Im vergangenen Jahr zeigte das Centre Pompidou in Paris seine Schau „Nothing could have prepared us – Everything could have prepared us“.

Der Roswitha Haftmann-Preis wird seit 2001 vergeben und geht auf die in St. Gallen geborene Galeristin und Mäzenin Roswitha Haftmann zurück, die 1998 verstarb. In ihrem Testament verfügte sie, dass ihr Vermögen der Förderung herausragender lebender Künstler*innen zugutekommen soll. Über die Vergabe des Preises entscheidet ein Stiftungsrat, dem die Direktor*innen bedeutender Kunstinstitutionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angehören: Nina Zimmer vom Kunstmuseum Bern, Elena Filipovic vom Kunstmuseum Basel sowie Yilmaz Dziewior vom Museum Ludwig in Köln. Den Vorsitz hat Ann Demeester, Direktorin des Kunsthauses Zürich. Dem Gremium gehören außerdem berufene Mitglieder wie Karola Kraus, ehemalige Direktorin des Museums moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Bernhart Schwenk, Chefkurator der Pinakothek der Moderne in München sowie der Journalist und Kritiker Thomas Wagner an. Die Preisverleihung an Wolfgang Tillmans findet am 17. September im Kunsthaus Zürich statt; Bernhart Schwenk wird dann die Laudatio halten.


22.05.2026

Quelle: Kunstmarkt.com/Barbara Bauer

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