Greta Schödl und die Poesie der Schrift in Krems  |  | in der Ausstellung „Greta Schödl. Spuren meines Lebens“ | |
Mit „Spuren meines Lebens“ widmet die Landesgalerie Niederösterreich in Krems der Künstlerin Greta Schödl die erste Museumsausstellung in ihrem Heimatland. Schödl zählt heutzutage zu einer der bedeutendsten Stimmen der Visuellen Poesie und erhielt durch ihre Teilnahme an der Biennale in Venedig im Jahr 2024 neue Aufmerksamkeit. Nun beleuchtet das Kuratorenteam, bestehend aus Gerda Ridler und Berthold Ecker, anhand von rund 200 Werken Schödls Werdegang und ihre Kunst und verbildlicht so die bemerkenswerte Kontinuität ihres Œuvres.
Greta Schödl wurde 1929 im niederösterreichischen Hollabrunn geboren und studierte von 1948 bis 1953 in der Textilklasse der Universität für angewandte Kunst in Wien und wurde für ihren Abschluss mit dem Akademiepreis ausgezeichnet. Ende der 1950er Jahre emigrierte sie nach Bologna, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Bereits früh fand ihr Werk internationale Beachtung: 1977 präsentierte Schödl ihre erste Einzelausstellung in Wien, ehe sie 1978 an der 38. Biennale in Venedig und 1981 an der 16. Biennale in São Paulo teilnahm. Nach ihrer letzten Biennale-Teilnahme widmete ihr Phileas – The Austrian Office for Contemporary Art im vergangenen Jahr eine Einzelausstellung in Wien.
Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Auseinandersetzung mit Schrift als bildnerischem Material. Während bei frühen Werken noch gegenständliche und teils illustrative Elemente präsent sind, entwickelte Greta Schödl im Laufe ihrer Karriere eine eigenständige visuelle Sprache, in der Schriftzeichen, Linien und kalligrafische Formen eine zentrale Rolle spielen. Poetische Darstellungen wie „Preußischblau auf Leinwand“ aus dem Jahr 1977 machen diese Arbeitsweise deutlich: auf der Bildfläche wird der Titel der Arbeit zeilenweise wiederholt, wodurch sich ein Muster bildet, was laut Ecker folgenden Effekt erzeugt: „Schödls Arbeiten bewegen sich konsequent zwischen Lesen und Sehen. Indem sie Sprache in ein visuelles System überführt, öffnet sie einen Raum, in dem Bedeutung nicht festgelegt ist, sondern im Wahrnehmen entsteht.“
Charakteristisch für Schödl ist die Verwendung der Sütterlinschrift, eine Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte deutsche Schreibschrift, die die Künstlerin als Kind erlernte. Neben der Visuellen Poesie schuf sie auch fotografische und performative Arbeiten, die sich oftmals um eine feministische Thematik drehen. Ein Beispiel hierfür ist ihr Werk „Justitia Labile“ aus dem Jahr 1968, das die rechtliche Situation von Frauen behandelt und ihre strukturelle Benachteiligung offenbart. Auch persönliche und kollektive Erinnerungen prägen Schödls Arbeiten: das Werk „Firenze 1966“ aus den 1970er Jahren wurde auf einem Vorhang gedruckt, der Teil der Hochwasserkatastrophe in Florenz war. Flecken auf dem Stoff zeigen Spuren des historischen Ereignisses. Der Vorhang wird durch die künstlerische Bearbeitung zum Träger von Erinnerung.
Durch die Gegenüberstellung der verschiedenen Werkgruppen versuchen die Kuratoren Ridler und Ecker die Kontinuität aufzuzeigen, die sich durch Schödls Schaffen zieht: „Greta Schödls Werk zeichnet sich durch eine seltene Konsequenz aus. Über Jahrzehnte hinweg verfolgt sie zentrale Fragestellungen – Schrift, Material, Rhythmus, Spur – und entwickelt sie kontinuierlich weiter. Die Ausstellung versammelt sämtliche Hauptgruppen ihres Œuvres und zeigt, dass ihre leise, konzentrierte Kunstpraxis zeitlose Gültigkeit besitzt.“
Die Ausstellung „Greta Schödl. Spuren meines Lebens“ ist bis zum 8. November zu sehen. Die Landesgalerie Niederösterreich hat dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, respektive 4 Euro. Für Kinder bis sechs Jahre ist er frei.
Landesgalerie Niederösterreich
Museumsplatz 1
A-3500 Krems an der Donau
Telefon: +43 (0)2732 – 90 80 10 |