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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Der Auktionskatalog zur Druckgrafik von Bassenge ist wieder gut gefüllt und verspricht große Namen und spannende Entdeckungen

Badefreuden



Albrecht Dürer,  Das Männerbad, um 1498

Albrecht Dürer, Das Männerbad, um 1498

Im Mittelalter florierte ein reger Badebetrieb in Europa. Die Badehäuser wurden nicht nur für die Körperpflege genutzt, sie dienten auch zur geselligen Unterhaltung, zum Essen oder für medizinische Behandlungen. Im 16. Jahrhundert ist dann aber ein Rückgang an öffentlichen Bädern zu konstatieren. Als Hauptgrund nennt die Wissenschaft die Ausbreitung von Epidemien. Vor allem durch das Aufkommen von Syphilis und Pest wurden die Badeanstalten vielerorts geschlossen. Es galt die Annahme, das Wasser öffne die Poren für Krankheitserreger, weshalb Wasser durch trockenes Abreiben und Puder ersetzt wurde. Wer es sich leisten konnte, baute sich jetzt private Badezimmer in seine Paläste und Häuser ein. Doch die Renaissance besann sich ja gerade auf die antiken Ideale von Schönheit und Gesundheit und sah den nackten Menschen ohne mythologische Umschweife gerne in der Kunst. So schuf Albrecht Dürer um 1498 folglich seinen Holzschnitt „Das Männerbad“ – vielleicht schon als Reflex auf die zwei Jahre alte Verordnung der Stadt Nürnberg, die Bordelle und öffentlichen Bäder zu schließen, um die Ausbreitung der Syphilis durch die „tägliche Beywonung“ mit infizierten Menschen zu verhindern – und feiert mit den vier Männer in einer Badelaube, die zwei Musizierenden lauschen, während von außen ein Jugendlicher die Szene beobachtet, ein Fest des männlichen Körpers.


Bis auf den Trinkenden am rechten Bildrand, hinter dem sein Humanistenkollege Willibald Pirckheimer vermutet wird, hat Dürer seine badenden Männer allesamt athletisch und anatomisch korrekt ausgeführt. Die anderen Figuren sind ebenfalls identifizierbar: Bei den beiden einander zugewandten Männer im Vordergrund handelt es sich um seine Freunde Lukas und Stephan Paumgartner, der Mann am Brunnenstock links gilt als Selbstportrait Dürers. Die Personen des „Männerbades“ lassen sich als Allegorien der fünf Sinne deuten, wobei Dürer für das Hören, Pirckheimer für das Schmecken, der eine Paumgartner mit der Blume in der Hand für das Riechen, sein Bruder mit dem Schabmesser für das Fühlen und der Betrachter im Hintergrund für das Sehen steht. Eine andere Lesart lässt an die Lehre der vier Säfte als das seinerzeit populäre Schema der vier Temperamente denken: Dürer ist der Melancholiker, der dicke Pirckheimer der Phlegmatiker, der Choleriker hält das Schabmesser und der Sanguiniker die Blume. Mit diesem gesellschaftshistorischen Hintergrund tritt Dürers Holzschnitt nun für 18.000 Euro im Berliner Auktionshaus Bassenge an.

Meister Dürer allenthalben

Dürers jüngerer Nürnberger Kollege Virgil Solis hat sich im 16. Jahrhundert ebenfalls mit den Badefreuden beschäftigt. Auf seinem Kupferstich „Das öffentliche Bad“, der auf einer verlorenen Zeichnung Heinrich Aldegrevers beruht, tummeln sich Männer, Frauen und Kinder teils recht zügellos und eng umschlungen in einem Baderaum und lassen ihn zu einem Ort der Vergnügungen werden, was mit 3.000 Euro zu Buche schlägt. Albrecht Dürer meldet sich bei Bassenge noch häufiger zu Wort und stellt in der Auktion „Druckgraphik des 15.-19. Jahrhunderts“ insgesamt 51 Positionen zur Verfügung, darunter das Freundschaftsbildnis des etwas aufgedunsenen Willibald Pirckheimer in einem Pelzmantel auf einem Kupferstich des Jahres 1524 (Taxe 6.000 EUR) oder das Portrait Ulrich Varnbülers II. Der Diplomat, kaiserliche Rat und Statthalter Nürnbergs, von dem ein kräftiger, durchaus klarer Clairobscur-Holzschnitt aus dem Jahr 1522 für 18.000 Euro vorliegt, war ebenfalls mit Dürer befreundet. Lokalen Bezug weist ferner sein Holzschnitt „Das Wappen des Reichs und von Nürnberg“ mit vier Engeln als Schildehaltern und Allegorien für die Gerechtigkeit und den Überfluss aus dem Jahr 1521 auf (Taxe 3.500 EUR).

Das meiste von Albrecht Dürer stammt aber aus dem religiösen Bereich. Aus der Kupferstichpassion von 1512 liegen unter anderem „Die Dornenkrönung“ für 3.000 Euro und „Die Auferstehung“ für das Doppelte vor, aus den Heiligendarstellungen „Der heilige Christophorus, nach rechts schauend“ für 4.500 Euro und „Der heilige Hieronymus in der Wüste“ für 6.000 Euro, aus der Apostelfolge Bartholomäus für 3.000 Euro, Simon für 4.000 Euro und Paulus für 7.500 Euro sowie aus der „Großen Holzschnittpassion“ um 1497/1500 „Die Geißelung Christi“ und „Die Grablegung“ für jeweils 7.500 Euro. Mit den beiden Holzschnitten „Die Eröffnung des sechsten Siegels“ und „Das Sonnenweib und der siebenköpfige Drache“ aus der „Apokalypse“ wird es mit jeweils 12.000 Euro wieder etwas teurer. Mütterliche Empfindungen sprechen aus Blättern „Maria auf der Rasenbank, das Kind säugend“ (Taxe 6.000 EUR), „Die Jungfrau von zwei Engeln gekrönt“ (Taxe 12.000 EUR) und „Die heilige Anna und Maria mit dem Kinde“ (Taxe 4.000 EUR). Als seltenes Blatt weist der Katalog seinen Holzschnitt „Der Vasenzeichner“ von 1525 aus, mit dem Dürer anschaulich das Prinzip der Zentralperspektive darstellte und der erst zehn Jahre nach seinem Tod in seiner Abhandlung „Underweysung der Messung“ gedruckt wurde (Taxe 4.500 EUR). Teuerstes Los der Dürer-Suite ist mit 35.000 Euro seine Allegorie „Die Nemesis“, die über der Stadt Klausen in den Südtiroler Alpen schwebt und der Menschheit hoffentlich Glück bringt.

Die Renaissance, in der die Druckgrafik zu ihrer ersten Blüte fand, steuert weitere Pretiosen zu Versteigerung am 3. Juni bei. Fast noch spätgotisch mutet der Faltenwurf auf Martin Schongauers Kupferstich „Der heilige Martin“ um 1480 an, der eben mit dem Bettler seinen Mantel teilt, während die Individualität der Gesichtszüge schon etwas Neues andeutet (Taxe 12.000 EUR). Noch etwas früher war der Meister der E-Serie um 1465 wohl in Ferrara tätig. Von ihm stammen die sogenannten „Tarocchi-Karten“, ein komplettes Spiel mit insgesamt 50 Blatt, in denen er seine Weltsicht niederlegte und dabei etwa die Ränge und Stände des Menschen, die Planeten und Sphären, die Tugenden und kosmischen Prinzipien oder Apoll und die Musen behandelte. Aus der Folge C, die die freien Künste und Wissenschaften umfasst, liegt bei Bassenge die „Loica“, die weibliche Allegorie der Logik vor, die mit einem kleinen Drachen interagiert. Der feinzeichnende Druck mit altem Goldkolorit soll 25.000 Euro einspielen. Wurde dieses philosophische Kartenspiel früher Andrea Mantegna zugeschrieben, lehnt die Forschung seine Autorschaft heute ab. Aber auch er beschäftigte sich intensiv mit der Druckgrafik und gestaltete um 1470 eine gestenreiche, dramatisch aufgefasste „Grablegung Jesu“ und rund fünfzehn Jahre später eine auf die beiden Personen konzentrierte, anrührende „Madonna mit Kind“ (Taxe je 25.000 EUR).

Die innige Mutter-Kind-Beziehung Dürers führten Jan Gossaert 1522 in seinem Kupferstich „Die Jungfrau mit dem Kind am Fuße eines Baumes“ (Taxe 15.000 EUR) und Barthel Beham um 1528/30 auf seiner zeitgenössischen Fassung des Maria lactans-Themas „Die Jungfrau im Fenster“ fort (Taxe 2.500 EUR). Der 1503 in Nürnberg geborene Augustin Hirschvogel bediente sich noch ungenierter bei seinem berühmten Vorgänger und übernahm in seiner Radierung „Ansicht mit dem Innenhof eines Schlosses“, die er 1546 nach einer Zeichnung Wolf Hubers ausführte, den knorrigen Baum am rechten Bildrand aus Dürers Eisenradierung „Christus am Ölberg (Taxe 3.500 EUR). Landschaftlich bleibt es mit einem weiteren Franken, der wie Hirschvogel ebenfalls nach Wien auswanderte: Hanns Lautensack ließ seiner Fantasie bei der „Landschaft mit dem Felsentor“ von 1544 freies Spiel (Taxe 4.500 EUR). Dem Venezianer Battista Angolo del Moro wird eine weite Weltlandschaft mit Burg, Stadt, Mühle, Bergwerk, Teich, Fluss und Meer zugeschrieben, in die er um 1570 kaum wahrnehmbar die Mythologie von Diana und Aktaion integrierte (Taxe 3.000 EUR).

In die Berge entführt dann Pieter Bruegel d.Ä. bei seiner aufwändigen Weitsicht „Alpine Landschaft mit tiefem Tal“, deren grafische Umsetzung um 1555/56 Joannes und Lucas van Doetecum besorgten (Taxe 3.500 EUR), ebenso wie bei der Radierung „Plaustrum Belgicum“. Der gleichaltrige „Belgische Wagen“ zieht im Vordergrund wiederum durch eine Weltlandschaft und gehört zu Bruegels zwölf Stiche umfassender Folge „Die großen Landschaften“ (Taxe 3.000 EUR). Das Hauptblatt von Pieter Bruegel d.Ä. ist diesmal die „Seeschlacht in der Straße von Messina“. Diese Panoramaansicht ist schon allein aufgrund der Größe die wohl ambitionierteste Druckgrafik nach seinen Entwürfen. In der 1561 erfolgten Umsetzung von Frans Huys, der bereits für die Serie der „Segelschiffe“ verantwortlich zeichnete, sind sowohl die Schlachtteilnehmer als auch die Topografie der Meerenge zwischen Kalabrien und Sizilien mit dem brennenden Reggio links und Messina mit dem rauchenden Ätna rechts in höchstem Detailreichtum wiedergegeben. Hier stehen abermals 25.000 Euro auf dem Etikett.

Meisterstück des flämischen Manierismus

Damit ist dann schon der Manierismus erreicht. Als „Meisterstück des flämischen Manierismus“ spricht der Katalog den Kupferstich „Der Karneval“ von Jan Sadeler d.Ä. nach Joos van Winghe aus dem Jahr 1588 an. Als Gründe nennt er den Detailreichtum und die ikonografische Vielfalt des üppig ausstaffierten Festes bei nächtlichem Kerzenschein mit Musik und Tanz, Wein und Spiel in dem Interieur eines Renaissance-Palastes, das auch als Szene aus dem biblischen Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ gedeutet wird (Taxe 3.000 EUR). Das gleiche gilt für das kompositorisch anspruchsvoll arrangierte Blatt „Das Martyrium der heiligen Katharina“, das auf einer nicht mehr erhaltenen Vorlage Giulio Romanos basiert. Die vielfigurige, dramatisch bewegte Heiligenlegende, die durch ihre suggestive Interaktion zwischen irdischer und himmlischer Sphäre besticht, hat um 1565 in Antwerpen wohl Jan Collaert d.Ä. in einer feinmaschigen dichten Kupferstichtechnik angelegt (Taxe 6.000 EUR). Mit dieser Preisvorstellung geht zudem ein Frühdruck der „Madonna mit Kind an der Wiege“ mit Jacques Bellanges typisch überlängter Figurenzeichnung an den Start, was auch auf Hendrick Goltzius’ „Pieta“ von 1596 zutrifft (Taxe 4.000 EUR).

Hauptmeister des Barock ist wieder einmal Rembrandt Harmensz van Rijn, der sich uns zu Beginn seiner fünfzehnteiligen Suite in dem „Selbstbildnis mit federgeschmücktem Barett“ von 1638 und einem etwas zerknirschten Blick vorstellt (Taxe 7.500 EUR). Nicht allzu häufig trifft man auf seine vier Jahre ältere allegorische Radierung „Das Lob der Schifffahrt“, eine Illustration zu Elias Herckmans’ Eloge „Der Zee-Vaert Lof“ (Taxe 6.000 EUR). Mit jeweils 12.000 Euro schlagen Rembrandts „Alter Mann mit gespaltener Pelzmütze“ von 1640 und das humorige Blatt „Das schlafende Schwein“ von 1643 zu Buche. Ein Charakteristikum seiner druckgrafischen Arbeit ist die überzeugende Ausbildung von Hell-Dunkel-Effekten. Dies trifft etwa für den Akt „Liegende nackte Frau“ in Rückenansicht von 1658 (Taxe 7.500 EUR) und die beiden neutestamentlich inspirierten Nachtstücke „Die Flucht nach Ägypten“ von 1651 (Taxe 4.000 EUR), die vom dem taghellen Frühdruck der „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ von 1645 begleitet wird (Taxe 6.000 EUR), und „Dreikönigsabend“ zu (Taxe 18.000 EUR).

Der jung verstorbene Willem Drost gilt als einer der begabtesten Rembrandt-Schüler. Er schuf eine kleine Gruppe von Radierungen, die er spontan und skizzenhaft behandelte. Diese Nähe zu seinem Lehrer zeigt sich auf der ihm zugeschrieben Radierung „Brustbildnis einer alten Frau mit Haube, nach links blickend“ (Taxe 4.000 EUR). Ebenso einfühlsam und anrührend hat Peter Snijers sein „Brustbild eines jungen Mannes mit Hut“ in einem zeichnerischen Duktus ausformuliert (Taxe 1.200 EUR). Adriaen van Ostade ist der Künstler der kleinen Leute, der seine Alltagsgeschichten immer recht erzählerisch und genrehaft angelegt hat, etwa auf seinen Radierungen „Der Messerkampf“ und „Das Tischgebet“ von 1653 oder „Die Sänger am Fenster“ um 1667 (Taxe je 1.200 EUR). Mit der zehnfachen Schätzung tritt dann sein Frühdruck der Wirtshausszene „Die Bezahlung der Zeche“ an. Diesen Wert sollen zudem die 85 Radierungen auf 34 Bögen erwirtschaften, mit denen Salvator Rosa und seine Nachkommen sein grafisches Œuvre in Form von Alben in Umlauf brachten.

Das 18. Jahrhundert

Bei der „Druckgraphik des 18. Jahrhunderts“ hat Francisco de Goya schon allein zahlenmäßig das Sagen. Als Einzelblatt, das in seinen letzten Lebensjahren ab 1824 im Exil in Bordeaux entstand, tritt seine Radierung „Vieja Columbiándose“ an: Die fröhlich schaukelnde Alte mit Katze erwartet 2.400 Euro. Die übrigen Blätter sind Goyas bekannten geschichts- und gesellschaftskritischen Grafikfolgen „Los Desastres de la Guerra“, „Los Proverbios“ und „Los Caprichos“ zuzuordnen. Aus letzter stammt mit 15.000 Euro die teuerste Position: Das enigmatische und zugleich programmatisch bedeutende Hauptblatt „El Sueño de la Razon produce Monstruos“ – „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“ – in einem Abzug vor Abschrägung der Plattenkante aus der ersten, 1799 vom Künstler selbst auf Büttenpapier besorgten Ausgabe. Dem kann nur Carl Wilhelm Kolbe d.Ä. das Wasser reichen: Seine „Löwenjagd“, in der zwei nackte Frauen und sechs Männer einen unerbittlichen Kampf mit zwei Löwen führen, ist eine Reminiszenz an Peter Paul Rubens und als Frühdruck vor aller Schrift mit 12.000 Euro veranschlagt.

Auf Nachfrage dürfte gleichfalls „Der Totenkopf eines sieben Monate alten Kindes“ treffen. Das Vanitas-Sinnbild in Eisenrot, das für die Unwägbarkeit des Lebens steht, führte Johann Friedrich Bause in aufmerksamem Detailreichtum 1791 nach Adam Friedrich Oeser aus (Taxe 3.500 EUR). Diesen Gedanken greift Paul Troger in seiner Radierung „Seifenblasender Putto unter antiken Fragmenten“ auf (Taxe 400 EUR). Für den in Verona ansässigen Freimaurer und Mediziner Lazzaro Riviera malte Felice Boscaratti 1773 einen vierteiligen Zyklus, der dessen weltanschauliche und pädagogische Theorien visualisierte. Um dieses komplexe Bildprogramm einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, veröffentlichte Riviera eine erläuternde Broschüre mit dem Titel „La educazione virile“, die Cristoforo dall’Acqua mit Reproduktionsstichen der Folge ausstattete. Die vier großen, allegorischen und satirischen Radierungen auf den Lauf der Welt mit dem Titeln „Mundi vetus, recens hinc posterum universale systema“, „Asylum morale“, „Satyra Vestalis“ und „Vita mundi et oeconomia“ sind mit 4.000 Euro bewertet.

Das lange 19. Jahrhundert

Ein romantisches Bildprogramm konzipierte Ferdinand Berthold 1832 mit seinem Grafikzyklus „Der Sonntag“. Auf sechs Radierungen legte der 1838 früh verstorbene Dresdner Künstler die Tätigkeiten einer wohlhabenden bürgerlichen Familie am Sonntag nieder und berichtete darin im Stil des 16. Jahrhunderts mit viel Liebe zum Detail vom frühen Kirchengang über den Spaziergang im Freien bis zum Abendsegen (Taxe 3.000 EUR). Diesen Preis soll es ferner für die fast zwei Meter breite „Veduta generale della città di Roma presa dal Monte Aventino“ geben. Die kolorierte und weite Aussicht auf Rom basiert maßgeblich auf Studien, die Wilhelm Friedrich Gmelin vom Garten seines eigenen Hauses auf dem Aventin aus machte. Nach Gmelins Ableben gelangten 1829 viele seiner späten Zeichnungen in den Besitz des erst kürzlich in Rom eingetroffenen, damals noch jungen Wilhelm Noack. Daraus wollte dieser ein grandioses Panorama der Stadt schaffen. Doch waren 1833, als Noack unerwartet starb, nur zwei Platten vollendet. Das Projekt geriet in Vergessenheit, bis der römische Vedutenzeichner und Kupferstecher Agostino Penna es wieder aufgriff und 1846 vollendete.

Dem Höhepunkt strebt das 19. Jahrhundert mit Johann Anton Ramboux’ gefragtem „Doppelportrait der Brüder Konrad und Franz Eberhard“ aus dem Jahr 1822 zu. Die durchdringende Darstellung der Künstlerbrüder gilt als eines der herausragenden Freundschaftsbilder der deutschen Romantik und ist mit vergleichsweise günstigen 25.000 Euro taxiert; Bassenge konnte dafür im November 2018 schon einmal 85.000 Euro netto erlösen. Die Auktion schließt mit der „Druckgraphik des Fin de Siècle“, wobei hier der Symbolismus überwiegt. So will Sigmund Lipinsky seinen weiblichen Akt im aufgebauschten Schleier mit geöffneter Dose als schöne, aber unheilbringende „Pandora“ verstanden wissen (Taxe 600 EUR), Cornelia Paczka-Wagner ihr Brustbild einer verschleierten Frau im Profil nach links samt erhobenem Zeigefinger als eine der drei Parzen (Taxe 450 EUR), und Joseph Uhl stellt uns Scheingrößen auf seiner humoristischen Radierung „Der Führer enthüllt sich als der Ehrgeiz“ von 1921 vor (Taxe 400 EUR). Walter Richard Rehn nimmt uns in einer achtzehnteiligen Suite auf seinem „Weg mit dem Weib“ mit (Taxe 2.400 EUR), und Max Klinger ließ sich von Liedern und Vokalwerken Johannes Brahms’ zu den gleichfalls existenzialistischen Schöpfungen seiner 27teiligen „Brahms-Phantasie“ hinreißen (Taxe 9.000 EUR).

Die Auktion „Druckgraphik des 15.-19. Jahrhunderts“ beginnt am 3. Juni um 10 Uhr. Die Vorbesichtigung läuft vom 28. Mai bis zum 1. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr, am 2. Juni von 10 bis 17 Uhr. Der Online-Katalog ist im Internet unter www.bassenge.com abrufbar.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com

Startseite: www.bassenge.com



28.05.2026

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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