Museum Abteiberg kauft Entartete Kunst zurück  |  | August Macke, Ernte, 1911 | |
Nach 89 Jahren kehrt die Zeichnung „Ernte“ von August Macke in die Sammlung des Museums Abteiberg in Mönchengladbach zurück. Laut WDR-Informationen wurden rund 100.000 Euro gezahlt, um das 1937 von den Nazis beschlagnahmte Werk wieder in den Bestand des Museums zu bringen. Unterstützt wurde der Ankauf aus einer Privatsammlung von der Kulturstiftung der Länder, die seit vier Jahrzehnten Rückerwerbungen von Kunstwerken fördert, die im Unrechtskontext des Nationalsozialismus entwendet wurden. Neben der Kulturstiftung förderte auch das NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft den Rückerwerb, um die Zeichnung der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.
Das Werk gehörte mit vielen anderen expressionistischen Arbeiten zu einer Sammlung des 1879 in Mönchengladbach geborenen Kunsthistorikers Walter Kaesbach, die er in den 1920er Jahren an seine Heimatstadt vermachte. Diese Kunstwerke bildeten den Grundstock des Bestands des heutigen Museums Abteiberg. Ein Großteil der Kaesbach-Sammlung wurde 1937 als Entartete Kunst von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. In einem kooperativen Forschungsprojekt mit der FU Berlin wird seit einigen Jahren der Verbleib der Sammlung recherchiert, wobei die Kohlezeichnung nun die vierte Arbeit ist, die das Museum zurückerwerben konnte.
Die dynamische Zeichnung aus dem Jahr 1911 nimmt in Mackes Werk eine besondere Stelle ein. Die Motivik aus dem ländlich-agrarischen Bereich ist im Vergleich zu urbanen Motiven für den Künstler eher eine Seltenheit. Die ungewöhnlich großformatige Zeichnung wird im Werkverzeichnis von Ursula Heiderich als Vorarbeit für das verschollene Gemälde „Ernte“ beschreiben und kann jedoch gleichzeitig durch den vollständig ausgefüllten Bildraum als autonomes Kunstwerk betrachtet werden. |