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Marie-Jo Lafontaine gestorben

Marie-Jo Lafontaine ist überraschend gestorben

Marie-Jo Lafontaine ist tot. Die belgische Fotografin und Videokünstlerin starb unerwartet am 28. Mai in Brüssel im Alter von 75 Jahren. Das gab das Kunsthaus Lempertz bekannt. „Mit ihr verliert die internationale Kunstwelt eine herausragende und unverwechselbare künstlerische Stimme“, so das Kölner Auktionshaus, mit dem die Fotografin eine jahrzehntelange enge Freundschaft verband. Marie-Jo Lafontaine kam 1950 in Antwerpen zur Welt. 1975 begann sie ein Studium der Bildenden Künste an der École Nationale Supérieure Architecture et des Arts Visuels in Brüssel. Gegen Ende ihres Studiums wurde sie 1979 in der belgischen Hauptstadt mit dem Nachwuchspreis „Prix de la Jeune Peinture Belge“ sowie in Antwerpen mit dem „Prix de la Critique“ ausgezeichnet.

Spätestens mit ihrer spektakulären Videoinstallation „Les larmes d’acier“ (Tränen aus Stahl) auf der Documenta 8 im Jahr 1987 in Kassel gehörte sie zu den international beachteten Künstlerpersönlichkeiten ihrer Zeit. Auf 27 Monitoren, eingearbeitet in einen schwarzen Holzklotz, zeigte Lafontaine Videos von athletischen jungen Männern beim Trainieren und erzeugte somit ein Bild von standardisierten, geklonten männlichen Körpern im Kampf gegen körperliche Grenzen. Die Künstlerin thematisierte dabei Gegensätze wie Gewalt und Leidenschaft sowie Schönheit und Schmerz. Begleitet wurde die Installation von Vincenzo Bellinis „Casta Diva“ in der Interpretation von Maria Callas.

In den folgenden Jahren entstanden weitere Multimediainstallationen wie „Viktoria“ und „Passio“. Auch hierbei ging es Marie-Jo Lafontaine um eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen und ihren tiefgreifenden Umbrüchen. Dabei stand der Mensch im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit, dessen existenzialistische Konstanten wie Leben, Kindheit, Jugend, Identität, Tod, Liebe oder Hass sie in ihrem Schaffen aufgriff. Mit ihrer Videokunst, ihren großen textilen Wandarbeiten und ihren Fotografien setzte Marie-Jo Lafontaine, die seit 1992 Professorin an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe war, internationale Maßstäbe. Ihre Arbeiten wurden europaweit ausgestellt, unter anderem 1989 in der Whitechapel Gallery in London, 1999 im Musée du Jeu de Paume in Paris und 2012 im Essl Museum bei Wien. Im Musée de Flandre im nordfranzösischen Cassel ist die aktuelle Ausstellung „Marie-Jo Lafontaine – Tout ange est terrible“ noch bis zum 27. September zu sehen.


29.05.2026

Quelle: Kunstmarkt.com/Barbara Bauer

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