Vitra Design Museum feiert 100. Geburtstag von Verner Panton  |  | Verner Panton, Fantasy Landscape, 1970 | |
Wäre er nicht im heutzutage vitalen Alter von 72 Jahren im September 1998 in Kopenhagen verstorben, hätte der im dänischen Gamtofte geborene Verner Panton am 13. Februar seinen einhundertsten Geburtstag feiern können. Aus diesem Anlass würdigt das Vitra Design Museum in Weil am Rhein unter den Titel „Form, Farbe, Raum“ einen der führenden Möbel- und Raumgestalter des letzten Jahrhunderts mit einer großen Präsentation. Die Kuratorinnen Susanne Graner und Nina Steinmüller fügten die Exponate wie ein farbiges Band durch das gesamte Schaudepot, um die Besucher gezielt in Pantons universelle Welten zu versetzen und den tragenden Rollen von Farben, Licht und Textilien zum Ausdruck zu verhelfen. Alle Werke stammen aus dem museumseigenen Panton-Archiv, das neben Möbeln und Modellen allein über 40.000 Dokumente und 20.000 Zeichnungen verwahrt. So ist es möglich, das Schaffen des Designers in seiner gesamten Breite vorzustellen.
Nach dem Abschluss des Architekturstudiums an der Königlichen Akademie der Künste in Kopenhagen arbeitete Verner Panton bis 1952 zwei Jahre lang im Büro von Arne Jacobsen. Schon zu jener Zeit gestaltete er erste kommerziell erfolgreiche Möbel, allen voran den ab 1955 vom dänischen Möbelhersteller Fritz Hansen seriell produzierten „Bachelor Chair“ sowie gleichzeitig den „Tivoli Chair“. Mit den Objekten aus dem Frühwerk setzt die chronologisch gegliederte Ausstellung ein. Ende der 1950er Jahre wandte sich Panton von der reduzierten Formensprache des skandinavischen Designs ab. Auf der Basis von Farben, Formen, neuen Materialien, industriellen Fertigungsmethoden oder ergonomischen Konzepten erwarb er sich Reputation mit innovativen Möbelstücken wie dem 1958 entwickelten, eistütenförmigen „Cone Chair“, einem drehbaren, kegelbasierten Metallgeflecht auf einem Untergestell aus Edelstahl. Spektakulär waren ein aufblasbarer Hocker aus Kunststofffolie oder modulare Möbelsysteme. Um 1960 löste ein Sturzhelm aus Glasfasern und ein Putzeimer aus Plastik die Idee für den kostengünstig produzierbaren, hinterbeinlosen, aus einem Stück bestehenden „Panton Chair“ aus. Willi und Rolf Fehlbaum, Inhaber der Schweizer Firma Vitra, glaubten an den Stuhl und entwickelten ihn zusammen mit dem seit Anfang der 1960er Jahre in der Schweiz bei Basel lebenden Entwerfer zur Serienreife. Im Jahr 1967 kam der Stuhl als Serienprodukt auf den Markt. Diese Meisterleistung verhalf Verner Panton zu einem grandiosen Durchbruch.
Die Ausstellung visualisiert die Entwurfsprozesse hinter den Designarbeiten und stellt auch einige Architekturprojekte vor, etwa die 1969 konzipierte „Spiegelkantine“ in Hamburg, ein Gesamtkunstwerk mit rotorangen Möbeln, Leuchten, Wandobjekten, Vorhängen, Teppichböden und Kassettendecken. Sie zeigt, wie nachhaltig Panton die Pop Art in der Möbelwelt etablierte. Viele weitere Stücke von „Flowerpot“-Leuchte bis hin zu visionären Wohnlandschaften bereichern die Schau. Höhepunkt stellt eine begehbare Rekonstruktion der legendären „Fantasy Landscape“ von 1970 dar, die Pantons Raumverständnis unmittelbar erfahrbar macht. Die Verwendung von Plastik, Gummi und Stahl können auch als Statements gegen das Establishment gelesen werden. Im Zuge der Ölkrisen in den 1970er Jahren wurde Kritik an der Verwendung der erdölbasierten Stoffe laut, worauf hin Pantons Image sank. So weist sein Spätwerk Schulmöbel, Uhren, Geschirr, Kerzenleuchter oder Wohnaccessoires auf.
Die Ausstellung „Verner Panton. Form, Farbe Raum“ ist noch bis zum 9. Mai 2027 im Schaudepot zu besichtigen. Das Vitra Design Museum hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 13 Euro, ermäßigt 10 Euro. Zur Ausstellung wird im Herbst eine Begleitpublikation erscheinen.
Vitra Design Museum
Charles-Eames-Straße 1
D-79576 Weil am Rhein
Telefon: +49 (0)7621 – 702 32 00 |