Köln würdigt Oswald Mathias Ungers zum 100. Geburtstag  |  | Oswald Mathias Ungers, Haus Glashütte, Eifel 1986/88 | |
Das Museum für Angewandte Kunst in Köln hat seine aktuelle Ausstellung Oswald Mathias Ungers gewidmet und ehrt damit den nach Gottfried Böhm berühmtesten Kölner Architekten, Lehrer und Theoretiker aus Anlass seines 100. Geburtstags. Die von Stephan Diederich kuratierte Schau zeigt Entwurfsskizzen, Mobiliar, Modelle, Fotografien und Designobjekte. Sie verdeutlichen die ganzheitliche, bis ins kleinste Detail konzipierten Gebäude des Schülers von Egon Eiermann, der nach seinem Diplom im Jahre 1950 über ein halbes Jahrhundert hinweg weltweit als Professor an zahlreichen Universitäten sowie als gefeierter, aber auch umstrittener Baumeister wirkte. Im Jahr 1990 brachte er zusammen mit seiner Ehefrau seinen Nachlass in die Stiftung „Ungers Archiv für Architekturwissenschaft“ ein, aus deren Bestand zahlreiche Exponate stammen.
Die konzentrierte Auswahl der Projekte des 1926 im Eifelort Kaisersesch geborenen und 2007 in Köln verstorbenen Architekten konzentriert sich auf realisierte Vorhaben, die besonders die von ihm vertretene Auffassung von der Architektur als Denkprozess sowie das alles verbindende rationale Gestaltungsprinzip verdeutlichen. Allen voran gehören dazu seine drei für sich und seine Familie entworfenen Privathäuser. Das 1958/59 gestaltete Wohnhaus in der Kölner Belvederestraße, das aufgrund der Verwendung von unverputztem Sichtbeton und Klinker als frühes Manifest des Brutalismus gewürdigt wurde, diente ihm zeitlebens als Büro und wurde im Laufe der Jahre zu einem Denklabor mit Wunderkammer ausgebaut, in dem seine herausragende, bibliophile Kostbarkeiten enthaltene Bibliothek oder Modelle aufbewahrt werden und das als Sitz für das „Ungers Archiv für Architekturwissenschaft“ dient. Geradezu ein Paradebeispiel für seinen palladianischen, streng geometrischen, quadratischen Entwurfsstil steht die als privates Refugium 1988 vollendete Haus Glashütte in der Eifel. Kalt, klar und exakt proportioniert, präsentiert sich der strahlend weiße, postmoderne Kubus in einem arkadischen Garten. Das 1996 vollendete würfelige „Haus ohne Eigenschaften“ am Kölner Kämpchensweg unweit seines ersten Domizils summiert die modernistisch-antiken Grundsätze des Bauherrn. Skizzen verdeutlichen in der Ausstellung, dass Ungers dabei mit den Quadraten, Proportionen und Raumzuschnitten jonglierte.
Wie er die ganzheitliche, aus einem Guss abgeleitete Formwerdung auf den Geist des Ortes ausrichtete, beweist die 1991 vollendete Badische Landesbibliothek in Karlsruhe. In einer überzeugenden Lösung von besonderer künstlerischer Ausdruckskraft schuf Oswald Mathias Ungers in einer Neuinterpretation und Weiterführung architektonischer Elemente eine grandiose Hommage an Friedrich Weinbrenner. Im Jahr 1994 wurde die allzu protzig gestaltete Residenz des deutschen Botschafters in Washington D.C. vollendet. Wie stets war Ungers auch hier darauf bedacht, Werke zeitgenössischer Künstler einzubinden. So schufen unter anderem Markus Lüpertz, Gerhard Merz oder Rosemarie Trockel Wandbilder oder Deckengemälde. Ausgespart blieben in der Ausstellung leider die 25 Entwürfe für Museumsbauten, ein Hauptschaffenszweig des Meisters. Dazu zählen neben dem Kölner Wallraf-Richartz-Museum auch solch renommierte Projekte wie die Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle, das Trierer Thermenmuseum oder als Bauten im Bestand das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt oder das Museum Kunst Palast in Düsseldorf.
Die Ausstellung „O.M. Ungers – Architektur als Idee“ ist bis zum 27. September zu besichtigen. Das Museum für Angewandte Kunst hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro.
MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln
An der Rechtschule 7
D-50667 Köln
Telefon: +49 (0)221 – 221 238 60 |